Quarantäne-Schreiben in Bruchsal

Hammer-Schreiben vom Amt: Kinder bei Corona-Verdacht von Familie isolieren - Eltern schockiert

  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Nach einer Corona-Infektion an einer Schule in Bruchsal haben mehrere Eltern ein Schreiben vom Amt bekommen. Müssen Kinder mit Corona-Verdacht isoliert werden?

  • Ein Schreiben der Behörden hat bei Eltern in Baden-Württemberg für Empörung gesorgt.
  • Kinder mitCorona-Verdacht sollten demnach häuslich isoliert werden. 
  • Die Sanktionen, die bei Nichtbeachtung angedroht werden, sind drastisch.

Kinder bei Corona-Verdacht von Familie isolieren? Das steckt hinter der Anordnung

Kinder von der Familie isolieren, Maske auch daheim tragen und kein Besuch – und als ob diese Maßnahmen nicht schon bei einer Corona-Infektion des Kindes heftig wären, sollen sie bereits beim reinen Verdacht auf eine Infektion durchgesetzt werden. Diese Anordnung hat Eltern in Baden-Württemberg schockiert zurückgelassen und bundesweit Wellen geschlagen.

Konkret geht es um einen Fall in Bruchsal im Kreis Karlsruhe. Dort war im Juli die Lehrerin einer Grundschule positiv auf das Coronavirus getestet worden. Deswegen sollten auch zwei Klassen vorerst zu Hause bleiben. Dazu gab es ein Schreiben der Stadt zur häuslichen Quarantäne von Kindern. 

Bild.de beruft sich auf einen Medienbericht, laut dem im Kreis Offenbach in Hessen sogar gemeinsame Mahlzeiten vermieden werden sollten. 

Bruchsal: Kinder mit Corona-Verdacht isolieren? Eltern fürchten Zwangs-Quarantäne

Sollte Kontakt unvermeidbar sein, gilt Maskenpflicht in den eigenen vier Wänden. Nicht nur die harten Regeln in der Information empörten Eltern, auch die Konsequenzen, sollte die Isolation in häuslicher Quarantäne nicht eingehalten werden: Es wird mit einer zwangsweisen Unterbringung des Kindes in einer geschlossenen Einrichtung für die Dauer der Quarantäne gedroht. 

Wie Bild.de berichtet, haben Eltern die Anordnung erhalten, deren Kinder zwischen drei und elf Jahre alt sind. Kritik für dieses Vorgehen gibt es von mehreren Seiten. Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgert, erklärt: "Die Situation der Quarantäne ist für Familien, insbesondere für Kinder ohnehin sehr belastend. Kinder in dieser Phase von ihren Eltern und Geschwistern zu isolieren, ist eine Form psychischer Gewalt."

Bruchsal: Häusliche Isolation für Kinder – so rechtfertigt sich das Gesundheitsamt

Wie die Deutsche Presseagentur vermeldet, bestätigte die Stadt Bruchsal die Information, die an die Eltern ging. Man verwies aber darauf, der Inhalt stamme vom Gesundheitsamt. "Bewusst missverstanden" sieht sich die im Landratsamt zuständige Behörde und distanziert sich von den Vorwürfen.  

Bei Corona-Fällen müssten Infektionsketten nachverfolgt und unterbrochen werden. Das gelte auch innerhalb von Familien und auch für Kinder. Besonders angesichts des geplanten Normalbetriebs in Kitas und Schulen nach den Ferien sei das wichtig. Dass Quarantäne-Maßnahmen bei Kindern von deren Alter, der Entwicklung und den Bedürfnissen des Einzelnen abhängen würden, sei klar.

Erst kürzlich hatte das Kultusministerium eine Empfehlung festgelegt, bei welchen Symptomen Kinder nicht in Schule oder Kita sollten.

Bruchsal: Kinder mit Corona-Verdacht isolieren? Gesundheitsamt sieht sich missverstanden

Ulrich Wagner, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes in Karlsruhe, erklärte gegenüber BNN.de, man trenne ein Kind natürlich nicht über 14 Tage von seiner kompletten Familie, sondern passe die Verhaltensregeln an das Alter an. Das betroffene Kind sollte beispielsweise aber nicht unbedingt mit den Geschwistern spielen. 

Auch hinsichtlich der Androhung einer Zwangsquarantäne reagierte Wagner beschwichtigend. Dies wäre die letzte Maßnahme, wenn Eltern sich nicht darum kümmerten, dass ihr Kind Außenstehende nicht mit dem Coronavirus ansteckt. Bei einer dann folgenden Isolierung wären die Eltern dabei. 

In Bruchsal ist eine Grundschullehrerin positiv auf das Coronavirus getestet worden. Zwei Klassen wurden anschließend nach Hause geschickt. (Symbolbild)

Isolation für Kinder mit Corona-Verdacht – Vorfall in Baden-Württemberg schlägt Wellen

In ganz Deutschland schlug das Thema Wellen. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wurde darauf angesprochen. Er zeigte sich aber zurückhaltend. In diesen Zeiten hätten es Verantwortliche nicht leicht und müssten unter Stress Entscheidungen treffen. In diesem Fall "sollte der Bundesminister nicht, ohne den Sachverhalt zu kennen, irgendwie schon bewertende Bemerkungen machen", so Spahn. 

Zuletzt war bekannt geworden, dass sich mehrere Abiturienten aus Baden-Württemberg bei einer Abifahrt nach Kroatien mit Corona infiziert hatten

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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