Bosch streicht Stellen

Schock für fast 300 Mitarbeiter in Bietigheim: Bosch trifft folgenschwere Entscheidung

  • Jason Blaschke
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Bosch Automotive Steering in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) macht die Produktion dicht. Fast 300 Mitarbeiter sind vom Personalabbau betroffen.

  • Bosch Automotive Steering macht die Produktion in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) dicht.
  • Fast 300 Bosch-Mitarbeiter in Bietigheim-Bissingen sind vom Personalabbau betroffen.
  • Die IG Metall und der Bosch-Betriebsrat reagieren mit einer klaren Kampfansage auf die Pläne. 

Bosch in Bietigheim-Bissingen: Produktion im Kreis Ludwigsburg wird dicht gemacht

Exakt 290 Mitarbeiter müssen bei Bosch Automotive Steering in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg)um ihren Job kämpfen. Grund: Die Produktion am Standort im Kreis Ludwigsburg wird komplett eingestellt. Das erklärt der Konzern im Hinblick auf die Zukunft des Standorts. Am Bosch-Standort in Bietigheim-Bissingen arbeiten in erster Linie Mitarbeiter aus den Bereichen Produktion und Entwicklung.

Und der Fokus in Bietigheim-Bissingen soll künftig allein auf der Entwicklung liegen, erklärt Bosch seinen Mitarbeitern auf einer Informationsveranstaltung. Die jetzt vom Personalabbau betroffenen Stellen in Montage und Steuerungen für Motoren und Elektrolenkungen sowie in der Fertigung sollen abgebaut und an andere europäische Standorte verlagert werden. Diese Maßnahme sei notwendig, erklärt Bosch.

Personalabbau bei Bosch in Bietigheim: Das ist der Grund

Als Grund für den massiven Personalabbau nennt der Konzern den enormen Kostendruck, mit dem das Werk in Bietigheim-Bissingen seit Jahren zu kämpfen hat. Erschwerend kommt der anhaltende Umsatzrückgang in Folge der Coronavirus-Pandemie  hinzu. Tief greifende "Sanierungsmaßnahmen" seien deshalb erforderlich. Der Personalabbau in Bietigheim-Bissingen solle aber laut Bosch sozialverträglich erfolgen.

Fakten zur Robert Bosch Automotive Steering GmbH Bietigheim-Bissingen:

Adresse

Asperger Str. 24, 74321 Bietigheim-Bissingen

Telefon

07142/7020

Aufgabengebiet

Herstellung elektronischer Geräte

Website

www.bosch.com

Dass es in diesem Jahr zu solchen Maßnahmen kommt, hatte sich bereits Anfang des Jahres abgezeichnet. Grund: Im vergangenen Jahr gab es bei Bosch einen massiven Gewinneinbruch, der einen Personalabbau in diesem Jahr sehr wahrscheinlich machte. Und jetzt ist es eben Bietigheim-Bissingen im Kreis Ludwigsburg, wo 290 Bosch-Mitarbeiter die finanziellen Einbußen des Konzerns zu spüren bekommen.

Bosch in Bietigheim-Bissingen: Produktion muss gehen, Entwicklung darf bleiben

Der Bereich Entwicklung im Bosch-Werk in Bietigheim-Bissingen ist vom massiven Personalabbau nicht betroffen. Hintergrund: Den Entwicklungssektor in Bietigheim-Bissingen kostete Bosch stolze 20 Millionen Euro. Beschäftigt sind dort 270 Mitarbeiter - und die dürften aufatmen. Denn der Bereich Entwicklung in Bietigheim-Bissingen soll "mindestens in dieser Größe erhalten" bleiben.

Eine Ansage, die die Produktionsmitarbeiter in Bietigheim-Bissingen noch mehr ärgern dürfte. Für sie ist die Entscheidung ein Schlag ins Gesicht. Der dortige Betriebsratschef Vincenzo Basile erklärt: "Bosch nutzt das Thema Coronavirus, um die Personalkosten zu senken." Haben Personalabbau und ein möglicher "Kostendruck" also gar nichts miteinander zu tun? 

Fakt ist: Auch die großen Konzerne sind schwer von Covid-19 betroffen. Das zeigen Beispiele wie die heikle Situation von Audi in der Coronavirus-Zeit oder der massive Gewinneinbruch bei Daimler und vielen weiteren Automobilkonzernen nur zu gut. Der Unterschied zu Bosch in Bietigheim-Bissingen ist nur, dass die Stellen komplett abgebaut und nicht einfach in andere Länder "verlegt" werden. 

Hinzu kommt, dass Bietigheim-Bissingen nicht der einzige Bosch-Standort in Deutschland ist, wo der Konzern die Personalzahlen deutlich nach unten schrauben möchte. Denn auch die Bosch-Werke in Bremen und Berlin werden bald komplett geschlossen oder alternativ verkauft. Basile: "Der Kahlschlag greift um sich." Und zwar nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland.

Personalabbau bei Bosch: Kampfansage kommt von der IG Metall Ludwigsburg-Waiblingen

Bosch will in Bietigheim-Bissingen die Hälfte der Stelle streichen. Betriebsrat und Gewerkschaft kritisieren das scharf und wollen für jeden Mitarbeiter kämpfen.

Auch für die IG Metall ist der Personalabbau im Bosch-Werk in Bietigheim-Bissingen nicht nachvollziehbar. "Transformation kann nicht bedeuten, dass die Beschäftigten auf der Strecke bleiben", erklärt Matthias Fuchs, Geschäftsführer der IG Metall Ludwigsburg-Waiblingen. Der Standort müsse erhalten bleiben - und zwar mit einer Perspektive für die heutige Belegschaft. Zuvor berichtete die Stuttgarter Zeitung über Bosch in Bietigheim-Bissingen. Fuchs: "Wir werden standortübergreifend für die Zukunft jedes Beschäftigten kämpfen."

Einen Teilerfolg haben die Arbeitnehmervertreter jetzt errungen. Zwar wird es ab August eine verkürzte Arbeitszeit für Bosch-Mitarbeiter geben, dafür erhalten die Betroffenen aber eine Beschäftigungsgarantie. Ob das aber einen weiteren Stellenabbau in Zukunft verhindern kann, bleibt ungewiss. 

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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