Erreger identifiziert

Mysteriöse Meisen-Seuche: Das ist der Grund für das Vogel-Sterben

  • Olaf Kubasik
    vonOlaf Kubasik
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Auch in der Region Heilbronn: Immer mehr Blaumeisen erkranken und sterben an einer Vogelseuche. Der NABU vermeldet nun die Ursache.

  • Meisen-Seuche breitet sich in Deutschland immer weiter aus.
  • Auch Blaumeisen in der Region Heilbronn sind mittlerweile betroffen.
  • Der NABU gibt nun die Identität des Krankheitserregers bekannt.

Mysteriöse Meisen-Seuche: NABU vermeldet Identität des Erregers

Update vom 23. April: Die Ursache für das mysteriöse Meisen-Sterben, das mittlerweile auch die Region Heilbronn erreicht hat, ist gefunden! Wie der NABU Deutschland auf seiner Internetseite berichtet, sei das Bakterium Suttonella ornithocola verantwortlich. Dieses verursacht bei den betroffenen Vögeln - hauptsächlich kleine Meisen-Arten wie die Blaumeise - eine Lungenentzündung.

Die Identität des Erregers vermeldeten am 22. April gleich mehrere Landesuntersuchungsämter. NABU-Experten hatten schon länger den Verdacht, dass Suttonella ornithocola der Grund für die Meisen-Seuche ist. Dieser Verdacht bestätigte sich nun. Bekannt ist das Bakterium erst seit 1996 - es wurde erstmals aus Großbritannien beschrieben.

Meisen-Seuche: NABU bittet weiter um Einsendung toter Vögel

Trotz der Identifizierung des Erregers bittet der NABU darum, weiter Fälle von kranken oder augenscheinlich durch Suttonella ornithocola verstorbene Meisen über ein Online-Formular zu melden. Grund: Es soll noch mehr über die Krankheit herausgefunden werden. Auch die Einsendung toter Vögel zur Untersuchung ist unter Beachtung der Versandhinweise nach wie vor sinnvoll.

Region Heilbronn: Erste an der Vogelseuche erkrankte und tote Blaumeisen gemeldet

Update vom 21. April: Die mysteriöse Blaumeisen-Seuche hat mittlerweile auch die Region Heilbronn erreicht. Annette da Luz Correia, Leiterin der NABU-Bezirksgeschäftsstelle Heilbronn-Hohenlohe, erklärt auf echo24.de-Anfrage: "Im Postleitzahlengebiet 74 - wozu die Stadt Heilbronn sowie Teile der Landkreise Heilbronn und Hohenlohe gehören - wurden allein bis zum Wochenende rund 50 erkrankte Blaumeisen gemeldet." Einen "konkret hochverdächtigen" Fall habe es nach Rücksprache mit Stefan Bosch, NABU-Fachbeauftragter für Vogelschutz in Baden-Württemberg, in Bad Friedrichshall gegeben.

Mysteriöse Meisen-Seuche ist jetzt in Baden-Württemberg angekommen

Erstmeldung vom 16. April: Ihr Federkleid ist aufgeplustert, beide Augen sind verklebt. Und dazu zuckt die Blaumeise apathisch, während sie auf dem Boden sitzt. Die natürliche Scheu vor sich nähernden Menschen hat das Tier verloren. Diese Blaumeise leidet an einer bislang unbekannten Vogelkrankheit, die sich derzeit rasch in Deutschland ausbreitet. Betroffen sind laut NABU Baden-Württemberg "vor allem Blau-, aber vereinzelt auch Kohlmeisen sowie andere kleine Singvögel".

Wer eine tote Blaumeise findet, wird gebeten, das dem NABU zu melden.

Bis zum 14. April sind dem NABU bundesweit 8.250 erkrankte und tote Tiere gemeldet worden - 519 mittlerweile auch aus Baden-Württemberg. Stefan Bosch, NABU-Fachbeauftragter für Vogelschutz in Baden-Württemberg, schätzt, dass die Dunkelziffer noch viel höher liegt: "Ich erwarte, dass die Zahl der Fälle rasch ansteigt." Denn die Vogelkrankheit verbreitet sich vor allem unter den Meisen sehr, sehr schnell.

NABU Baden-Württemberg: Anstieg kranker und toter Blaumeisen über Ostern

In Rheinland-Pfalz wurden Mitte März die ersten kranken und toten Meisen entdeckt und dem NABU gemeldet. An Gründonnerstag folgten dann die ersten Meldungen aus Niedersachsen. Jetzt ist die seltsame Seuche in Baden-Württemberg angekommen. Mit einem drastischen Anstieg über Ostern, wie Lars Lachmann, Leiter des Bereichs Vogelschutz beim NABU, gegenüber dem SWR berichtet.

Häufig werden tote Meisen in größerer Anzahl an Futterstellen und Tränken gefunden. NABU-Experte Stefan Bosch geht deshalb davon aus, dass der Krankheitserreger hochansteckend ist - und rät: "Wenn mehr als ein kranker Vogel an solchen Plätzen beobachtet wird, sollte das Bereitstellen von Futter und Wasser sofort eingestellt werden."

Baden-Württemberg: NABU bittet um Meldung kranker und toter Blaumeisen

Wissenschaftler arbeiten momentan mit Hochdruck daran, die neuartige Infektionskrankheit geografisch zuzuordnen und mögliche Ursachen und Auswirkungen zu identifizieren. Deshalb bittet der NABU die Bevölkerung, den Fund kranker und toter Meisen weiterhin zu melden. Möglich ist das über ein Online-Formular. Die Daten und Fotos werden dann gesammelt, ausgewertet und der Forschung zur Verfügung gestellt. 

Wer einen kürzlich gestorbenen Vogel findet, kann diesen aber auch unter Einhaltung der notwendigen Hygienemaßnahmen luftdicht verpacken und zur Untersuchung an die örtlichen Veterinärämter oder an die Untersuchungsstelle für Vogel-Viren des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg senden. 

Diese Blaumeise ist an der mysteriösen Vogelseuche erkrankt.

Schilderungen zufolge leiden die an der unbekannten Vogelseuche erkrankten Meisen an Atemnot - ähnlich wie Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus bei einem schweren Krankheitsverlauf. Aber nicht nur das bereitet Sorgen! Denn den Fichten in der Region Heilbronn droht das Aussterben - wegen einer Plage.  

Rubriklistenbild: © Otto Schäfer/NABU

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