Zoff um Maskenpflicht im Unterricht

Baden-Württemberg: Maskenpflicht im Unterricht? Entscheidung gefallen!

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Entgegen der Empfehlung von Virologen und Robert-Koch-Institut (RKI) wird es in Baden-Württemberg keine Maskenpflicht für Schüler im Unterricht geben.

  • In Baden-Württemberg wird es ab September keine Maskenpflicht für Schüler im Unterricht geben.
  • Experten befürworten die Maskenpflicht im Unterricht. Baden-Württemberg entscheidet sich dagegen. 
  • Wenn die Infektionszahlen in Baden-Württemberg steigen, könnte die Maskenpflicht doch noch kommen.

Baden-Württemberg: Maskenpflicht im Unterricht? Das kommt auf die Schüler zu

Mittlerweile sind die Regeln wegen des Coronavirus an Schulen in Baden-Württemberg fast schon Normalität. Doch aktuell steigen die Infektionszahlen in Baden-Württemberg wieder und damit ist auch eine Diskussion um die Maskenpflicht für Schüler im Unterricht entbrannt. Kultusministerin Susanne Eisenmann fällt die Entscheidung: Eine Maskenpflicht im Unterricht wird es nicht geben! "Ich halte aus pädagogischen Gründen wenig von einer Maskenpflicht im Unterricht", erklärt Eisenmann der Deutschen-Presse-Agentur (dpa).

Ihre Begründung: Im Unterricht ist es wichtig, klar zu kommunizieren. "Stellen Sie sich zum Beispiel mal den Französischunterricht mit Maske vor, das ist schon schwierig", sagt die CDU-Politikerin. Doch wegen des Coronavirus wird es in Baden-Württemberg weiterhin eine vereinfachte Form der Maskenpflicht an Schulen geben. Das heißt: Auf Schulfluren, in der Aula oder auf der Toilette müssen Schüler einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Ausgenommen sind die Grundschulen, dort wird es keine Maskenpflicht geben.

Baden-Württemberg: Gründe für eine nachträgliche Maskenpflicht im Unterricht

Eisenmann: "Freiwillig darf natürlich jeder eine Maske auch im Unterricht tragen - Schüler wie Lehrer." Auch wenn die Coronavirus-Infektionszahlen in Baden-Württemberg noch weiter steigen sollten, könnte laut Eisenmann eine verbindliche Maskenpflicht für Schüler im Unterricht kurzfristig beschlossen werden. Zudem hält Eisenmann eine lokale Maskenpflicht im Schulunterricht für denkbar, wenn es zu sogenannten Corona-Hotspots in Baden-Württemberg kommen sollte. Sprich: Man hält sich die Möglichkeit offen.

Baden-Württemberg: Virologen und RKI empfehlen Maskenpflicht im Unterricht

Eine verbindliche Maskenpflicht im Unterricht wird es ab September nur in Nordreihen-Westfalen geben. Alle anderen Bundesländer halten sich mit dieser Entscheidung zurück. Damit stellen sich Baden-Württemberg und die anderen 14 Bundesländer gegen die Empfehlung der Experten. Der Hintergrund: Wissenschaftler wie der Charité-Virologe Christian Drosten und der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sprechen sich für eine Maskenpflicht für Schüler im Unterricht aus.

Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung sei sinnvoll, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden können, heißt es auch in einer Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle. Die Forscher der Leopoldina sprechen sich zudem dafür aus, "überall, wo dies umsetzbar ist", kleine feste Kontaktgruppen einzurichten. Mit der Aufhebung der Abstandsregeln und der Entscheidung zur Maskenpflicht gehen Baden-Württemberg und andere Bundesländer auf Konfrontation zu dieser Empfehlung.

Baden-Württemberg: Unterricht ab September mit vielen Fragezeichen

Die Reaktionen auf die Nicht-Maskenpflicht im Unterricht fallen unterschiedlich aus. Die Schülervertreter in Baden-Württemberg sind erleichtert, dass es trotz steigender Coronavirus-Infektionen keine Maskenpflicht im Unterricht geben wird. "Mit Maske lässt es sich aus rein psychologischen Gründen und gerade im heißen Sommer nicht angenehm arbeiten", heißt es vom Landesschülerbeirat auf Anfrage. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kann Eisenmanns Entscheidung hingegen nicht nachvollziehen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann entscheidet sich gegen die Maskenpflicht für Schüler im Unterricht. Damit stellt sich Eisenmann gegen die Empfehlung der Experten.

Die Gewerkschaft fordert insbesondere für Lehrkräfte sogenannte FFP2-Masken, die kleine Partikel und Tröpfchen zuverlässig aus der Luft filtern können. Auch ist es der Gewerkschaft schleierhaft, weshalb außerhalb der Klassenräume eine Maskenpflicht gilt, im Raum aber nicht. Das ergibt für die Gewerkschaft keinen Sinn. Mehr Abstand im Klassenzimmer ist für die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz ein besserer Ansatz. Insbesondere, weil es die Maskenpflicht im Unterricht zumindest erst einmal nicht geben wird.  

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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