Höhere Arbeitsbelastung, schlechte Digital-Ausstattung, Infektionsrisiko

Unterricht in Corona-Zeiten: Das sind die dringendsten Probleme im Schulalltag

  • Daniel Hagmann
    vonDaniel Hagmann
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Bis der Unterricht an Schulen in Baden-Württemberg wieder wie gewohnt läuft, wird es noch dauern. Eine Befragung unter Lehrern zeigt die dringendsten Probleme.

  • Auch nach den Sommerferien ist in den Schulen in Baden-Württemberg kein regulärer Unterricht denkbar.
  • Coronavirus-Krise verlangt Lehrern einiges ab.
  • Lehrer fordern mehr Personal und bessere Ausstattung im Digitalen.

Hurra! Am 29. Juli beginnen in Baden-Württemberg die Sommerferien. Doch in diesem verrückten Coronavirus-Jahr ist das leider kein gänzlich eingeschränkter Grund zur Freude. Denn schon jetzt steht fest: Auch wenn das neue Schuljahr im Herbst wieder losgeht, ist noch lange nicht alles so wie in den vergangenen Jahren. Klar ist bereits: Schüler ab der fünften Klasse sollen nach den Sommerferien in Baden-Württemberg Masken tragen. Allerdings nur auf den Pausenhöfen, den Toiletten und in den Fluren, während des Unterrichts gilt die Maskenpflicht nicht. 

Seit Monaten läuft der Schulbetrieb in Baden-Württemberg im Ausnahmezustand. Und das wird auch nach den Sommerferien so weitergehen. Schließlich gilt es, die Verbreitung des Coronavirus auf dem derzeitigen niedrigen Level zu halten. Als weiterer Schritt in Richtung Normalität sollen in Baden-Württemberg die weiterführenden Schulen nach den großen Ferien wieder voll öffnen. Knapp jedem dritten Lehrer (31 Prozent) geht das zu schnell - das geht aus einer Umfrage unter Lehrern an Grund- und weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg hervor, die der Verband Bildung und Erziehung (VBE) an diesem Donnerstag vorgestellt hat. 

Baden-Württemberg: Diese Probleme sehen Lehrer in Schule während Coronavirus-Krise

39 Prozent der Lehrer in Baden-Württemberg sind demnach der Meinung, man hätte mit der Öffnung der Grundschulen Ende Juni noch bis nach den Sommerferien warten sollen. Die befragten Lehrer benennen dabei die aus ihrer Sicht größten Probleme im Schulalltag in Corona-Pandemie-Zeiten:

  • Abgehängte Schüler: Gerade schwächere Schüler, die zu Hause auch seitens der Eltern wenig Unterstützung beim Lernen erhalten, verlieren durch den ausgefallenen Präsenz-Unterricht an den Schulen in Baden-Württemberg den Anschluss. 77 Prozent der Lehrer betrachten es daher als größte Herausforderung ihrer Arbeit, im wieder erwachenden Schulalltag die Lernrückstände der abgehängten Schüler auszugleichen. Deshalb wären auch 53 Prozent bereit, auf freiwilliger Basis außerplanmäßig in den Sommer- und Herbstferien zu unterrichten, um Lücken zu schließen. 46 Prozent der Lehrer wären bereit, im neuen Schuljahr auch an Samstagen zu unterrichten. Den versäumten Stoff jedoch komplett aufzuholen, erscheint unrealistisch.

  • Lehrermangel: Noch bevor das Coronavirus aufkam, hatte es zu wenige Lehrer in Baden-Württemberg gegeben. In während der Corona-Krise hat die Arbeitsbelastung der Lehrer nochmals massiv zugenommen. Das sagen mehr als die Hälfte der befragten Lehrer. Fernunterricht, versäumter Stoff, Ferien-Nachhilfe, Notbetreuung, gestaffelte Bewegungspausen, zeitversetzter Unterricht, Masken auf dem Pausenhof - der Organisationsaufwand sei gewaltig, erklärt Gerhard Brand, Landeschef des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Sein Fazit: Spätestens zum Schulstart im September muss mehr Personal her!

Baden-Württemberg: Lehrer fordern mehr Digitalgeräte für Unterricht

  • Hygiene: Lehrer sind in Sorge. Schließlich sitzen sie im Unterricht täglich mit vielen Schülern im selben Raum. Das birgt ein gewisses Infektionsrisiko mit dem Coronavirus. Rund ein Drittel der Lehrer hält sich für nicht ausreichend geschützt, an den Grundschulen sind es sogar 41 Prozent. 71 Prozent der befragten Lehrer in Baden-Württemberg würden gerne regelmäßig und freiwillig auf das Coronavirus getestet werden. 37 Prozent gaben an, dass die Lehrer selbst die Räume putzen müssten. Brand kritisiert: "Zu allen Belastungen obendrauf bekommen die Lehrkräfte also auch noch den Putzeimer in die Hand gedrückt!" Sein Verband fordert mehr freiwillige Corona-Tests, Plexiglasscheiben am Pult und Maskenpflicht für Schüler bei direkter Interaktion mit Lehrern.

  • Digitale Ausstattung und Laptops: Die dringlichste Erwartung der Lehrer in Baden-Württemberg gegenüber dem Kultusministerium: Lehrer und Schüler müssen digital deutlich besser ausgestattet werden! Das fordern 40 Prozent der befragten Lehrer. Gerade während der Coronavirus-Krise bieten die digitalen Geräte den Lehrern noch am ehesten Entlastung bei der Bewältigung ihrer Aufgaben. Das Land will 300.000 Laptops und Tablets anschaffen - die solle es aber nur im Einzelfall für Lehrer geben, erklärt Brand kritisch. Es könne nicht sein, dass Lehrer ihre privaten Geräte nutzen müssten.
Das Land Baden-Württemberg will die Schulen digital deutlich besser ausstatten - und 300.000 neue Laptops und Tablets anschaffen.

Im Kultusministerium von Baden-Württemberg liest man die Ergebnisse der Lehrer-Umfrage in erster Linie positiv. Die Einschätzungen der befragten Lehrer zeigten "eine insgesamt hohe Zustimmung zur Schulpolitik in der Coronavirus-Krise und zu den Plänen für das neue Schuljahr", erklärte eine Sprecherin. Sie räumte aber auch ein: Das Coronavirus sei immer noch ein unberechenbarer Gegner, der langfristige Planungen erschwere. "Hier ist es für alle Schulpartner wichtig, gemeinsam im Gespräch zu bleiben."

Rubriklistenbild: © Foto: Marijan Murat/dpa

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