Fast 900 Sozialwohnungen

Steigende Mieten, immer mehr Obdachlose: Politik reagiert - Experten schütteln den Kopf

In Baden-Württemberg sind fast 900 Sozialwohnungen gebaut worden.
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In Baden-Württemberg wurden im vergangenen Jahr fast 900 Sozialwohnungen gebaut - trotzdem müssen viele Menschen auf der Straße leben.
  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Die Lage auf dem Wohnungsmarkt verschärft sich immer mehr.

  •  In Baden-Württemberg sind im vergangenen Jahr fast 900 Sozialwohnungen gebaut worden.
  • Der Bedarf ist allerdings deutlich größer, wie ein Gutachter bestätigt.
  • Sozialverbände schlagen Alarm: Immer mehr Menschen leben auf der Straße. 

Baden-Württemberg baut fast 900 Sozialwohnungen  

Die einen klopfen sich auf die Schulter, während andere nur den Kopf schütteln. Fakt ist aber: Im vergangenen Jahr sind in Baden-Württemberg 891 Sozialwohnungen mit Staatsgeldern gebaut worden. Und da ist noch Luft nach oben. Das weiß auch die schwarz-grüne Landesregierung. Bereits am Montag verwies die baden-württembergische Wohnungsbauministerin, Nicole Hoffmeister-Kraut, auf die bereitgestellten Fördermittel für die kommenden beiden Jahre.

Konkret geht es um 500 Millionen Euro, die in den Jahren 2020 und 2021 für densozialen Wohnungsbau in Baden-Württemberg ausgegeben werden. Auf das Kalenderjahr fallen also jeweils 250 Millionen Euro. Hoffmeister-Kraut: "Doch in Anbetracht des üblichen zeitlichen Verzugs von rund drei Jahren - zwischen Antrag und Fertigstellung - braucht es noch etwas Geduld, bis sich unsere Anstrengungen auch klar in Zahlen niederschlagen."

Mehr Sozialwohnungen in Baden-Württemberg: "Der Bedarf ist ein ganz anderer"

Heftige Kritik an den Zahlen aus 2018 kommt vor allem aus der Opposition im baden-württembergischen Landtag. "Wer knapp 900 neu gebaute Sozialwohnungen als Erfolg verkaufen will, verschließt die Augen vor der schwierigen Situation vieler Menschen im Land", erklärt Daniel Born, wohnungspolitische Sprecher der SPD im Landtag von Baden-Württemberg. Letztlich ignoriert man damit die tatsächlichen Herausforderungen in der Wohnbaupolitik. Was vielleicht auch daran liegt, dass viele einfach nicht wissen, was es heißt, kein Dach mehr über dem Kopf zu haben. Wie so ein Leben zwischen den Welten aussieht, zeigt der Obdachlosenheim-Praxistest von echo24 in Heilbronn - detailreiche Einblicke, die das Blickfeld verändern können.

Auch von Experten hagelt es Kritik. Der vom Land beauftragte Gutachter erklärt, dass pro Jahr mindestens 6.000 neue Sozialwohnungen entstehen müssten. Resultat: Laut Gutachter sind im vergangenen Jahr 5.109 Wohnungen zu wenige gebaut worden. Die Folge ist, dass Menschen schlicht keine bezahlbaren Wohnungen mehr finden undzwangsweise auf der Straße leben müssen. Und die Lage verschärft sich! Grund: Die Not der Obdachlosen in Baden-Württemberg wird immer größer. Sozialverbände schlagen bereits Alarm. Und daran werden auch die für 2020/21 bereitgestellten 500 Millionen für den sozialen Wohnungsbau nur bedingt helfen.

Baden-Württemberg: Staatlichen Investitionen im Wohnungsbau steigen

Eine gute Nachricht: Trotz immer noch zu niedriger Mittel steigen die Investitionen in den sozialen Wohnungsbau an. So lag die Zahl der fertiggestellten Wohnungen im Jahr 2012 noch bei insgesamt 361. Aktuell sind seit 2012 mehr als 3.000 Sozialwohnungen in Baden-Württemberg gebaut worden. Aber Achtung: Die bereits bestehenden Wohnungen sind hier noch nicht mit eingerechnet. Auch bereits bestehende Unterkünfte - die zu Sozialwohnungen umgebaut wurden - sind an dieser Stelle nicht berücksichtigt.

Fazit: Die baden-württembergische Landesregierung investiert seit 2012 zwar immer mehr in den sozialen Wohnungsbau, trotzdem ist das in Anbetracht der aktuellen Wohn-Situation immer noch zu wenig. Und die Lage verschärft sich. Steigende Mieten in Baden-Württemberg sowie höhere Lebenshaltungskosten machen immer mehr Bürgern zu schaffen. Auf der anderen Seite muss immer mehr in die Altersvorsorge investiert werden, da die gesetzliche Rente am Ende nicht mehr zum leben reicht. Erst recht nicht, wenn man im Alter auf Pflege angewiesen ist. Und das kostet. Für eine Heimpflege in Heilbronn zahlt man aktuellmehr als 3.000! Frage: Wer soll sich da noch eine 800-Euro-Wohnung leisten können? 

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