Neue Corona-Todesfälle werfen Fragen auf

Mehr Corona-Tote in Behinderteneinrichtungen: Wurde zu spät geimpft?

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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In Baden-Württemberg kam es in mehreren Einrichtungen für Menschen mit Behinderung zu einer steigenden Zahl an Todesfällen durch Covid-19.

Die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen in Baden-Württemberg steigt immer weiter an. Vorsichtig positiv bewertet werden kann die Tatsache, dass die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19 zuletzt zurückgegangen ist. Experten führen das mitunter auf die Corona-Schutzimpfungen zurück, die zu Beginn des Jahres in erster Linie Menschen über 80 sowie andere Personen aus der Priorisierungsgruppe 1 bekommen haben.

Baden-Württemberg: Impfstoff-Debakel in Behinderteneinrichtungen? Todesfälle steigen

In zwei Behinderteneinrichtungen, die zur Johannes-Diakonie mit Sitz in Mosbach gehören, sind zuletzt deutlich mehr Infektionen mit Covid-19 aufgetreten, in Folge auch Todesfälle. Und nicht nur das. Der SWR berichtet, dass in einer Einrichtung der Johannes-Diakonie in Schwarzach rund 40 Bewohnerinnen und Bewohner sowie mehrere Pflegekräfte in Quarantäne sind. Alle Bewohner der betroffenen Behinderteneinrichtung in Schwarzach sind geistig behindert, aber mobil.

Und eben weil die Bewohner noch mobil sind, gehören sie nicht der Priorisierungsgruppe 1 an. Etwas anderes ist es, wenn es um Pflegefälle im Bereich der Behinderteneinrichtung geht. Diese Menschen haben bereits ein Impfangebot bekommen und wurden geimpft, sofern sie dies wollten. Mobilen Menschen mit Behinderung warten aber teilweise noch auf eine Impfung.

Schwere Vorwürfe wegen Todesfällen in Behinderteneinrichtungen in Baden-Württemberg

In der Einrichtung in Schwarzach sind mobile Impfteams erst seit Anfang April zugange, teilt die Johannes-Diakonie auf Anfrage dem SWR mit. Ähnlich problematisch wie in Schwarzach sieht es in einem Wohn- und Pflegeheim für Menschen mit Behinderung in Lahr aus. Dort sind mittlerweile schon elf Menschen an Covid-19 verstorben. Die Bewohner hätten früher geimpft werden müssen, heißt es in einem öffentlichen Schreiben.

Die Bewohner der Behinderteneinrichtung in Lahr seien zum Teils stark pflegebedürftig und würden daher zur Priorisierungsgruppe 1 gehören. Anders argumentiert das zuständige Landratsamt. Die mobilen Impfteams hätten sich an die Vorgaben gehalten. Das Lahrer Pflegeheim sei nicht unter Priorität eins aufgeführt worden. Damit habe es auch keine Verzögerungen gegeben, teilt die Behörde dem SWR mit.

Nach heftiger Kritik: Sozialministerium verteidigt Impftempo in Baden-Württemberg

Es scheint, als ob es in Sachen Impfreihenfolge in Baden-Württemberg ein ziemliches Durcheinander gibt. Selbst Menschen, die stark pflegebedürftig sind, haben zum Teil wohl noch kein Impfangebot bekommen. Das zuständige Sozialministerium in Stuttgart weist die Kritik am zu langsamen Impfen jedoch deutlich zurück. Man könne nur so schnell impfen, wie Impfstoff verfügbar sei. In den ersten Wochen des Jahres habe man einfach zu wenig Impfstoff gehabt und auch jetzt gebe es immer noch einen Mangel.

„Das soll ja – sofern die zugesagten Lieferungen kommen – demnächst anders werden“, teilt das Sozialministerium dem SWR noch mit. Mittlerweile können sich in Deutschland auch Menschen aus der Priorisierungsgruppe 2 gegen das Coronavirus impfen lassen. In die Gruppe fallen auch Menschen mit einer geistigen Behinderung. Heißt: Auch in Einrichtungen der Eingliederungshilfe bekommen die Menschen jetzt ein Impfangebot, beziehungsweise werden von mobilen Impfteams besucht.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa

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