Baden-Württemberg ist Spitzenreiter 

Auch in Heilbronn gehen die Kosten für Heim-Pflege durch die Decke

Steigende Heim-Kosten belasten Pflegebedürftige und Angehörige immer mehr.
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Steigende Heim-Kosten belasten Pflegebedürftige und Angehörige immer mehr.
  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Die Betreuung in Pflegeheimen in Baden-Württemberg wird immer teurer. Auch in Heilbronn zahlt man mittlerweile fast 3.000 nur für die Regel-Kosten.

  • Die Kosten für ein Pflegeheim in Baden-Württemberg steigen immer weiter.
  • Viele Pflegebedürftige können sich die Heim-Kosten nicht mehr alleine leisten und sind auf Sozialleistungen angewiesen.
  • Auch Pflegebedürftige in Heilbronn bekommen die Auswirkungen im Pflegeheim mittlerweile zu spüren. 

Steigende Heim-Kosten: Auch in Heilbronn schießen die Kosten in die Höhe

Update vom 21. Februar: Mehr als 2.000 Euro Kosten im Pflegeheim pro Monat - das ist in Deutschland mittlerweile die Regel. Und auch in Heilbronn geht es bei den Heim-Kosten steil bergauf. Allein der Anteil für die normale Regel-Pflege liegt hier mittlerweile bei fast 3.000 Euro. Michael Davenport, Leiter vom Domicil Seniorenpflegeheim am Pfühlpark in Heilbronn, erklärt gegenüber echo24.de:"Bei uns liegt der Betrag für die Regel-Pflege mittlerweile bei 2.883,21 Euro pro Person im Monat". Und da sind Kosten für einen höheren Pflegeaufwand - wie bei Demenz - noch nicht mit eingerechnet.

Zwar haben Menschen aus dieser Patientengruppe meist einen konkreten Pflegegrad. Der kommt aber immer nur für einen Teil der Kosten auf.Und bei einer Intensiv-Pflege liegen die Kosten nicht selten zwischen 3.500 und 4.000 Euro pro Monat. Folge: An Sozialhilfe kommen viele nicht vorbei. Eigentum und Erspartes geht dann oftmals für die Pflege drauf.

Steigende Heim-Kosten in Heilbronn: Das sind die Gründe

Ein Thema: Geld. Das sind zum einen natürlich diesteigenden Personalkosten, mit denen auch Davenport in Heilbronn zu kämpfen hat. Natürlich wolle man seinen Angestellten ein gutes Gehalt zahlen, aber letztlich sind auch Pflegeheime Unternehmen, die wirtschaften müssen

Und neben Personalkosten steigen auch die Gelder zur Erhaltung der Infrastruktur der Häuser. Die umfassen einen großen Teil, zum Beispiel Wartung, Haustechnik, Küche und noch viele andere Service-Leistungen. Und auch hier ist das Stichwort Fachkräftemangel. Davenport: "Neue Wartungsverträge werden immer teurer." Problem: Die Auftragsbücher der Handwerker sind voll - Wartelisten teilweise so lang wie ein Wunschzettel.

Steigende Heim-Kosten in Heilbronn: Sind Lösungen in Sicht?

Ob sich an den bestehenden Problemen schnell etwas ändert? Unwahrscheinlich. Zwar wird in der Politik viel über das Thema Pflege diskutiert, die Probleme seien aber viel zu verflochten, als das sich schnell etwas ändern könne, erklärt Davenport. Zum Vergleich: Früher hat man um seine Bewohner kämpfen müssen, heute kann man sich vor Anfragen kaum noch retten. Davenport: "Stattdessen hat sich zwischen den Pflegeheimen in Heilbronn ein Gehaltskampf entwickelt". Und der belastet natürlich zusätzlich den sowieso schon angespannten Personalmangel.

Die beste Lösung wäre gewesen, die Probleme rechtzeitig zu erkennen. "Der Wandel kam einfach zu spät", sagt Davenport, der selbst den Beruf Altenpfleger gelernt hat. Ein wichtiger Schritt wäre da schon der Abbau der typisch deutschen Bürokratie gewesen.

Steigende-Heimkosten treffen auf sinkende Qualität 

Die Folge:viele Heime setzten mittlerweile auf die sogenannte Profit-Belegung. Heißt: viele Bewohner treffen auf ein Minimum an überfordertem Personal und bekommen oft nur die notwendigste Versorgung. Kann eine Gesellschaft das verantworten? Für Davenport steht das nicht zur Debatte. Bei ihm sollen sich Bewohner und Personal wohlfühlen - auch wenn dasteilweise leere Zimmer und steigende Kosten bedeutet.  

Baden-Württemberg: Heim-Kosten auf Rekordniveau

Erstmeldung vom 20. Februar: 2.278 Euro Heim-Kosten pro Monat - das ist die Realität, mit der Pflegebedürftige in Baden-Württemberg aktuell konfrontiert werden. Damit istBaden-Württemberg nach Nordrhein-Westfalen und dem Saarland das drittteuerste Bundesland in der Pflege.

Die Tendenz? Steigend! Lag der Eigenanteil im Jahr 2019 noch bei 2.123 Euro, sind seit Anfang des Jahres 155 Euro mehr, nämlich 2.278 Euro fällig. Das geht aus Daten vom Verband der Ersatzkassen (vdek) mit Stand vom 1. Januar 2020 hervor.

Bezogen auf die reine Pflege (ohne Unterbringung) bleibt Baden-Württemberg Spitzenreiter. Mit exakt 1.006 Euro pro Monat wird in dieser Kategorie der Bundesdurchschnitt, derzeit bei 731, deutlich getoppt.

In Baden-Württemberg steigen die Heimkosten weiter

Zu Buche schlagen vor allem die Kosten für Unterhalt und Verpflegung, die sogenannten "Hotelkosten". Die liegen in Baden-Württemberg derzeit über 800 Euro monatlich. Hinzu kommen noch knapp 424 Euro an Investitionskosten.

Das Problem: Im Gegensatz zur Krankenkasse übernimmt die Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten für die Unterbringung im Pflegeheim. Dieser Betrag errechnet sich Anhand der Pflegegrade, die je nach Schwere der Erkrankungen bei jedem individuell festgelegt werden muss. Ein Prozess, der in den meisten Fällen dauert. Grund: Immer mehr Betroffene sind auf Leistungen der Pflegeversicherung angewiesen. Oft müssen Heim-Kosten deshalb im Vorfeld erstmal selbst bezahlt werden - da reicht die Rente in vielen Fällen nicht. 

Heißt: Wenn Rente und sonstige Einkünfte die Heim-Kosten nicht decken können, muss Erspartes oder anderes Vermögen angezapft werden. Oft kommen Betroffene in Baden-Württemberg dann nicht über die Runden und müssen in ihren alten Tagen Sozialhilfe beantragen. Und mit den jährlich steigenden Heim-Kosten werden auch die Eigenanteile künftig nach oben korrigiert werden müssen.

Steigende Heim-Kosten in Baden-Württemberg: Ursachen sind bekannt

Teure Mieten und Grundstückpreise oder auch steigende Lebenshaltungskosten - die Gründe für steigende Heim-Kosten sind unter anderem auf die allgemein steigenden Kosten zurückzuführen. Das hat zur Folge, dass dasPflegepersonal in Baden-Württemberg im Hinblick auf die steigenden Ausgaben besser bezahlt werden muss. Standorte für neue Pflegeheime und Baukosten treiben die Preise zusätzlich nochmal nach oben.

"Die steigenden Eigenanteile in der stationären Pflege machen Handlungsbedarf für eine Finanzreform in der Pflege deutlich", erklärt vdek-Chefin Ulrike Elsner gegenüber der dpa. Elsner findet es daher gut, dass sich die Politik Gedanken macht. Bis Mitte Januar will das Gesundheitsministerium um Jens Spahn einen Vorschlag machen, wie die künftige Finanzierung der Pflege aussehen soll. Ob es dann allerdings zu einer schnellen Lösung für die Betroffenen kommt, bleibt fraglich. Zumal essenzielle Probleme, wie der anhaltende Personalmangel in der Pflege, der Branche nach wie vor zu schaffen machen. Einer Heilbronner Betriebskrankenkasse macht ein ganz anderes Thema zu schaffen. Durch eine Fristversäumung eines Mitarbeiters kam es zu einem Schaden in Millionenhöhe.

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