Debatte um Kinder-Krankentage

Kind krank? Darauf können Eltern jetzt hoffen - wegen Covid-19

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Eltern kranker Kinder können auch in Baden-Württemberg Kinder-Krankentage beanspruchen. Doch wegen des Coronavirus reichen 20 Tage vielleicht nicht aus.

  • Sind Kinder krank, haben Eltern Anspruch auf Kinder-Krankentage und können zu Hause bleiben.
  • Führende Politiker setzten sich wegen des Coronavirus für eine Aufstockung der Kinder-Krankentage ein.
  • Das Landesgesundheitsamt von Baden-Württemberg definiert derweil Symptome, die das Fehlen in der Schule rechtfertigen.

Baden-Württemberg: Mehr Kinder-Krankentage wegen Coronavirus?

Sind Kinder unter 13 Jahren krank, können die Eltern sogenannte Kinder-Krankentage beanspruchen. Das heißt: Eltern dürfen zu Hause bleiben und bekommen trotzdem ihre vollen Bezüge vom Arbeitgeber. Jedem Elternteil in Baden-Württemberg stehen pro Kind zehn Kinder-Krankentage zu. In der Summe kommen beide Elternteile auf 20 Tage, in denen Mama oder Papa zu Hause bleiben kann.

Doch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie könnte es mit Kinder-Krankentagen eng werden. Der Grund: Mussten Kinder beispielsweise wegen Erkältungssymptomen zu Hause bleiben, könnten viele Eltern in Baden-Württemberg ihre Kinder-Krankentage beansprucht haben. Jetzt haben wir Ende August - und die Grippewellen der Wintermonate haben noch nicht einmal angefangen.

Baden-Württemberg: Kultusministerin Eisenmann zu Kinder-Krankentagen

Es steht die Befürchtung im Raum, dass manchen Eltern die 20 Kinder-Krankentage wegen der Coronavirus-Pandemie nicht ausreichen könnten. Mögliche Grippewellen könnten die Problematik nochmals verschärfen. Führende Politiker debattieren deshalb über eine Erhöhung der Kinder-Krankentage in Deutschland. Auch Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann setzt sich dafür ein.

In der Stuttgarter Zeitung sagt Eisenmann: "Mehr Kinder-Krankentage wären sicherlich für viele Familien eine echte Erleichterung." Daher begrüße sie einen entsprechenden Vorschlag des nordrhein-westfälischen Familienministers und Vizeministerpräsidenten Joachim Stamp zu der Problematik. Stamp fordert die Bundesregierung zum Handeln auf und kündigt zugleich eine Bundesratsinitiative seines Landes an.

Baden-Württemberg: Landesregierung unterstützt Coronavirus-belastete Familien

Zuvor berichtete die Stuttgarter Zeitungüber die Kinder-Krankentage, die wegen des Coronavirus in vielen Fällen nicht ausreichen könnten. Ob es bis Herbst eine bundeseinheitliche Lösung geben wird, ist ungewiss. Damit Familien in Baden-Württemberg zumindest etwas entlastet sind, definiert die Landesregierung derweil die Gründe für ein Zuhause bleiben von Kindern wegen einer möglichen Covid-19-Infektion neu.

Leichte Erkältungssymptome reichen nicht mehr aus, damit ein Kind nicht zur Schule muss. 

Hintergrund: Bisher waren Erkältungssymptome wie Schnupfen ausreichend, damit Kinder in Baden-Württemberg zu Hause bleiben konnten, beziehungsweise mussten. Doch jetzt stellt die Landesregierung von Baden-Württemberg klar, dass einfache Erkältungssymptome keine Abwesenheit von der Schule mehr begründen. Stattdessen kommt jetzt eine Leitlinie des Landesgesundheitsamts als Orientierung.

Coronavirus Baden-Württemberg: Wann müssen Kinder zu Hause bleiben?

Laut Landesgesundheitsamt muss eines der typischen Coronavirus-Symptome auftreten, damit ein Kind in Baden-Württemberg vorsorglich zu Hause bleiben darf oder in vielen Fällen sogar muss. Folgende Symptome könnten auf eine Coronavirus-Infektion hindeuten und das Fehlen in Schule oder Kita begründen:

  • mindestens 38 Grad Fieber
  • trockener Husten ohne Auswurf
  • Störung des Geruchs- oder Geschmackssinns
Aber Achtung: Haben die oben aufgeführten Symptome andere Ursachen (zum Beispiel Asthma), ist das natürlich keine Begründung. Auch muss die Störung des Geruchs- oder Geschmackssinns über erkältungstypische Beeinträchtigungen hinausgehen, um das Fehlen in der Schule zu rechtfertigen.

Baden-Württemberg: Wie viel mehr Kinder-Krankentage soll es geben?

Die neue Leitlinie soll Eltern, Lehrkräften und Erziehern in Baden-Württemberg mehr Sicherheit geben. Eisenmann: "Obwohl wir klargemacht haben, dass Kinder, die nur einen Schnupfen haben, trotzdem die Kita oder die Schule besuchen dürfen, müssen wir damit rechnen, dass Eltern ihr Kontingent an Krankheitstagen schneller aufbrauchen werden als in normalen Jahren."

Daher seien mehr Kinder-Krankentage für viele Familien in Baden-Württemberg sicherlich eine Erleichterung, sagt Eisenmann. Aber von wie viel mehr Kinder-Krankentagen reden wir hier eigentlich? An dieser Stelle wird Sachsens Kultusminister Christian Piwarz konkreter. Er spricht sich wegen des Coronavirus für eine zeitweilige Verdoppelung der Kinder-Krankentage aus.

Baden-Württemberg: Welche Tragweite hätte eine Ausweitung der Kinder-Krankentage?

Übrigens: Der Anspruch auf Kinder-Krankentage für Eltern, deren Kinder unter 13 Jahren sind, ist im fünften Sozialgesetzbuch (Paragraf 45) gesetzlich verankert. Werden die Kinder-Krankentage wegen des Coronavirus aufgestockt, müssten alle Unternehmen in Deutschland sich daran halten. Ob das in Zeiten einer Coronavirus-bedingten Wirtschaftsschwäche zum Problem werden könnte?

Sicherlich diskutabel. Nicht umsonst adressiert Stamp seinen Vorschlag speziell auch an die Namen Franziska Giffey (Familienministerin), Hubertus Heil (Arbeitsminister) und Jens Spahn (Gesundheitsminister). Dass die Kinder-Krankentage aufgestockt werden, begrüßt auch die stellvertretende ­SPD-Bundesvorsitzende Serpil Midyatli und schließt sich damit einigen ihren Politik-Kollegen an.   

Rubriklistenbild: © Florian Schuh/dpa

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