Kleinstädte mit Vorteilen gegenüber Metropolen?

Handel im Wandel: Corona-Krise kann überraschende Folge für kleine Geschäfte haben

  • Daniel Hagmann
    vonDaniel Hagmann
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Nach den Coronavirus-Lockerungen trauen sich die Kunden wieder in die Geschäfte des Einzelhandels. Händler in Kleinstädten haben dabei einen wichtigen Trumpf.

  • Einzelhandel in Baden-Württemberg verzeichnet nach Coronavirurs-Lockdown steigende Kunden-Frequenz.
  • Branchen haben unterschiedlich in der Corona-Krise zu kämpfen.
  • Einzelhandel in kleineren Städten möglicherweise mit entscheidendem Vorteil gegenüber Konkurrenz in Metropolen.

Schließungen, Personen-Begrenzungen, Ansteckungsgefahr bei Menschenmassen. Das Coronavirus traf den stationären Handel mit voller Wucht – egal ob Modegeschäft, Buchhandlung oder Reisebüro. Vor allem letzteren drohte im Rahmen der Coronavirus-Krise der Kollaps. Und immer noch ist das Einkaufen in den Geschäften des lokalen Einzelhandels um die Ecke für die Kunden lange nicht so, wie sie es kennen. Nach wie vor gilt etwa die Maskenpflicht in Baden-Württemberg. Und die macht stetig sichtbar: Die Coronavirus-Zeit ist noch nicht vorbei!

ABER: Gerade während der schönen Sommertage und angesichts der gelockerten Coronavirus-Maßnahmen - auch im Einzelhandel - sehnen sich die Menschen in Baden-Württemberg wieder danach, rauszugehen, einzukehren, als Kunden einzukaufen, etwas zu erleben. Das merkt auch der lokale Einzelhandel.

Baden-Württemberg: Aktionen für den lokalen Einzelhandel in der Coronavirus-Krise

"Der Tiefpunkt der Krise ist überwunden, aber je nach Branche ist die Lage und die Umsatzentwicklung unterschiedlich", erklärt Norbert Groß, Inhaber von Intersport Gross und Beirat im Handels- und Gewerbeverein (HGV) Öhringen in Baden-Württemberg. "Während der Fahrradhandel einen Schub durch die Coronavirus-Krise bekommen hat, tun sich etwa die Öhringer Reisebüros, die Busunternehmen und das Kino besonders schwer."

Nachdem die Textil- und Modegeschäfte unmittelbar nach dem Ende des Coronavirus-Lockdowns große Frequenzprobleme gehabt haben, laufe es nun in diesen Bereichen des lokalen Einzelhandels wieder besser. Auch wenn die Umsatzeinbußen bis zum Jahresende bei diesen Geschäften zwischen zehn und 30 Prozent liegen dürften. Gezielte Aktionen des Einzelhandels in Baden-Württemberg sollen die Frequenz steigern. Groß: "Erfreulich ist, dass der Öhringer Wochenmarkt durch bewussteres Einkaufen und neue Stände mehr Zulauf bekommen hat und zur Belebung der Innenstadt beiträgt."

Einzelhandel in Baden-Württemberg: Coronavirus-Tal ist noch nicht durchschritten

Steffen Kammerlander, Vorsitzender des HGV Eppingen in Baden-Württemberg, hat in den vergangenen Wochen ebenfalls positive Tendenzen im lokalen Einzelhandel festgestellt: Die Menschen kommen wieder in die Geschäfte, seit die Coronavirus-Maßnahmen gelockert sind. Der Geschäftsführer von Foto Kammerlander stellt aber auch klar: "Das Tal ist noch nicht durchschritten. Manche Bereiche wie die Event-Branche, hatten solche Einnahme-Ausfälle – das ist bis zum Jahresende nicht mehr aufzuholen. Und auch jetzt sind die meisten Geschäfte noch nicht bei den Umsätzen, die zu dieser Jahreszeit üblich sind." Noch ist die Maskenpflicht ein Hemmnis. Kammerlander betont: "In Sachen Hygiene tut der lokale Handel alles dafür, dass das Einkaufen für die Kunden und die Beschäftigten sicher und unbedenklich ist."

Ähnlich ist die Situation im baden-württembergischen Künzelsau: "Die Künzelsauer Innenstadt ist wieder gut besucht und auch die Einzelhandelsgeschäfte verzeichnen eine steigende Frequenz seitens der Kunden – wenn auch nach Branchen unterschiedlich", berichtet Elke Sturm von der Pressestelle der Stadt. Aktionen wie "Kauf daheim" zeigen erkennbar Wirkung und schaffen ein Bewusstsein für den Handel vor Ort.

Einkaufen vor Ort sichert Handelsstrukturen auch nach der Coronavirus-Zeit

Sturm: "Wer in den vergangenen Wochen und auch jetzt weiterhin regional kauft, sichert das hervorragende und breit gefächerte Angebot der Einzelhandelslandschaft in der Zukunft." Und genau hier kann der Trumpf von kleineren Städten in Baden-Württemberg wie Eppingen, Künzelsau oder Öhringen im Vergleich zu Großstädten wie Stuttgart liegen: Das Angebot ist umfassend, es sind nicht solche Menschenmassen unterwegs – und das senkt das Ansteckungsrisiko.

Noch immer ist das Einkaufen im Einzelhandel in Baden-Württemberg mit strengen Coronavirus-Maßnahmen verbunden.

Die Coronavirus-Krise kann daher eine Chance sein, dass die Kunden das Angebot des Handels vor Ort neu zu entdecken. Groß erklärt: "Öhringen hat in der aktuellen Situation aufgrund seiner guten Ausstattung an Geschäften und Dienstleistungsbetrieben und wegen seiner überschaubaren Größe als Mittelzentrum eindeutige Vorteile gegenüber einer Großstadt. Die Kunden fühlen sich sicherer, weil sie beim Einkauf leichter Distanz halten können."

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: Pixabay

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