Junger Braunbär

Erst Wolf, jetzt Bär: Bekommen wir tierischen Besuch im Sommer?

+
Der Braunbär "Bruno" steht inzwischen ausgestopft im Münchner Museum "Mensch und Natur" in Schloss Nymphenburg
  • schließen

Im Sommer könnte es in Baden-Württemberg tierisch werden, denn: Es wurde an der deutsch-österreichischen Grenze ein Bär gesichtet.

Erst Wolf, jetzt Bär? Fast genau 13 Jahre nach dem Abschuss von Braunbär Bruno in Oberbayern könnte nun Baden-Württemberg Besuch von einem seiner Artgenossen bekommen. Einjunger Bär sei im österreichisch-deutschen Grenzgebiet bei Reutte in Tirol gesichtet worden. 

"Nun kann er entscheiden, ob er nach Bayern weiterwandert oder abbiegt nach Baden-Württemberg", sagte Roland Gramling von der Naturschutzorganisation WWF Deutschland am Mittwoch. Derzeit gibt es nach Angaben der Umweltministerien in München und Stuttgart aber keine Hinweise, dass der Bär die Grenze in eines der beiden Bundesländer passiert hat.

Braunbär Bruno wurde in Bayern nach wochenlanger Jagd erschossen

Vor 13 Jahren war der Braunbär Bruno im Rotwandgebiet erschossen worden. Er war der erste Bär, der nach 170 Jahren seine Tatzen auf bayerischen Boden setzte. Wochenlang hatten die Behörden damals versucht, den streng geschützten Bären zu fangen, der Schafe riss, Bienenstöcke plünderte und sogar durch Ortschaften marschierte. Unter anderem wurden finnische Bärenjäger mit Hunden eingeflogen, die aber scheiterten.

Experten vermuten, dass der Bär wie Bruno aus dem italienischen Trentino kommt, wo eine größere Gruppe von Bären lebt. Es handele sich um ein etwa zwei bis drei Jahre altes männliches Jungtier auf Wanderschaft, sagte der Amtstierarzt der Bezirksverwaltung Reutte, Johannes Fritz. Das Tier verhalte sich unauffällig und scheu. Derzeit werde geprüft, ob der Bär ein Stück Rotwild gerissen habe. Der Kadaver war unweit der Stelle gefunden worden, an der die Wildkamera den Bären aufgenommen hatte. "Wir dachten beim Riss zuerst an einen Wolf, aber aufgrund des Fotos kommt natürlich auch der Bär infrage." Ein Wolf wurde zuletzt im Februar auf der A6 gefunden.

Stuttgart: Umweltministerium zweifelt an Bären-Besuch

"Bayern muss sich, ebenso wie Baden-Württemberg, auf sommerlichen Bärenbesuch einstellen", sagte WWF-Wildtierreferent Moritz Klose. "Denn für den Bären ist der Weg aus dem Trentino zwar ein längerer, aber bestimmt kein außergewöhnlich langer Spaziergang." Das Stuttgarter Umweltministerium hat noch seine Zweifel am möglichen pelzigen Besuch: "Aus unserer Sicht ist es auch jetzt noch unwahrscheinlich, dass der Bär von der österreichisch-bayerischen Grenze bis nach Baden-Württemberg zieht", sagte Ministeriumssprecher Ralf Heineken auf Anfrage.

Anders als Wölfe legten Bären in der Regel keine so großen Strecken zurück. Baden-Württemberg biete für Bären auch keinen geeigneten Lebensraum. Sie benötigten störungsarme, große und zusammenhängende Flächen, möglichst mit Höhlen. Diese Randbedingungen gebe es in Baden-Württemberg nicht. "Das schließt natürlich nicht gänzlich aus, dass es ein Einzeltier auch mal bis zu uns verschlägt", sagte Heineken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare