Nicht nur wegen Corona

Daimler und Co. in der Krise - darum geht es der Autobranche schlecht

  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Umsatzrückgänge bei Daimler, Porsche und Co. Die Gründe für die Krise in der Automobilindustrie sind vielfältig.

  • Die Automobilindustrie in Baden-Württemberg steckt in der Krise.
  • Porsche und Daimler vermelden massive Umsatzeinbrüche.
  • Analysten erwarten noch schwächere Zahlen im zweiten Quartal.

Baden-Württemberg: Darum geht es der Automobilindustrie um Daimler und Porsche schlecht

Im Vorfeld wurde 2020 als das Jahr der Elektromobilität von der Automobilindustrie angepriesen. Es sollte die Altlasten rund um den Dieselskandel vollständig zu den Akten legen und ein Neubeginn für die Automobilindustrie in Deutschland und Baden-Württemberg werden.

Doch es kam anders. Statt einem Wachstum der Verkaufszahlen bei Elektrofahrzeugen standen die Fabriken wochenlang still. Daimler, Audi und Co. schickten ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit. Das Coronavirus traf die Autobranche zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. 821.000 Jobs in der Automobilindustrie - davon224.000 in Baden-Württemberg - sind in Gefahr.

Baden-Württemberg: Analysten sagen Daimler schwaches zweites Quartal voraus

Das ganzeAusmaß der Krise wird aber erst in den kommenden Monaten deutlich, wenn auch die Zahlen des zweiten Quartals öffentlich werden, doch die Bilanzen der ersten drei Monate des Jahres verheißen nichts Gutes. 

Besonders hart wurde Daimler von der Krise getroffen. Der Stuttgarter Autobauer musste vor Steuern einen Umsatzrückgang von 78 Prozent verschmerzen. Nach Abzug der Steuern liegt das Konzernergebnis bei 168 Millionen Euro, statt 2,15 Milliarden Euro wie noch 2019. Ein Minus von satten 92 Prozent. Zudem wurden 17 Prozent weniger Autos verkauft als im selben Quartal des Vorjahres. Analysten prognostizieren, dass das zweite Quartal noch einmal schwächer ausfallen wird. Denn erst dann seien die ganzen Maßnahmen zur Bewältigung der Coronakrise in den Bilanzen spürbar. Die ersten Konsequenzen sind schon spürbar, denn Daimler will Stellen abbauen.

Baden-Württemberg: Porsche verkauft ebenfalls weniger Autos

Doch nicht nur Daimler leidet mächtig unter der Corona-Krise, nur einen Steinwurf von der Konzernzentrale in Stuttgart entfernt befindet sich der Hauptsitz von Porsche. Die Bilanz des Sportwagen-Herstellers fällt kaum besser aus. Im Vergleich zu 2019 wurden in Zuffenhausen 23 Prozent weniger Autos verkauft, die Produktion ging gar um 25 Prozent zurück. Nach Abzug der Steuern steht laut SWR, ein Umsatzrückgang von 83 Prozent zu buche. 

Sowohl Porsche als auch Daimler haben neben der Corona-Krise aber auch mit einem allgemein sinkenden Absatz in Asien zu kämpfen. Und das wirkt sich direkt auf die Zulieferer aus, die von den Geschäften der Automobilkonzerne abhängig sind.

Baden-Württemberg: Bosch leidet unter Umbruch und Diesel-Skandal

Einer der wohl bekanntesten Automobilzulieferer aus Baden-Württemberg ist Bosch. Dort hat man bereits vor Ausbruch der Coronakrise ein schwieriges Jahr befürchtet und keine Prognose gewagt. Das hängt auch damit Zusammen, das Bosch seinen Fokus bislang sehr stark auf den Verbrennungsmotor legt und somit mit dem Transformationsprozess der Automobilbranche zu kämpfen hat. Allein im März ging der Umsatz von Bosch um 17 Prozent zurück, in der Automobilsparte gar um 19 Prozent.

Auch Zulieferer wie Bosch tritt die Krise in der Automobilbranche hart.

Aufgrund des Coronavirus hatte Bosch bundesweit 100 Werke schließen müssen, die langsam wieder öffnen. Doch auch hier ist wie bereits angedeutet, nicht die Corona-Krise allein Schuld an der Misere. Neben dem Rückgang der Automobilproduktion und der Transformation der Autobranche im vergangenen Jahr, belasten Bosch auch Strafzahlungen. Der Diesel-Skandal kostete Bosch satte 90 Millionen Euro an Entschädigungen. Zudem musste das Unternehmen Strafzölle in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro verkraften. Lediglich ein von Bosch entwickelter Corona-Schnelltest macht derzeit Hoffnung

Baden-Württemberg: Zulieferern droht Insolvenz

Die beiden Experten Stefan Reindl von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt und Gerhard Wolf, Leiter der Gruppe Automobil/Maschinenbau der Landesbank Baden-Württemberg, sehe vor allem bei den kleineren und spezialisierten Zulieferer die Gefahr, dass die Krise zu einer Insolvenz führen kann.  

Seitdem wegen der Corona-Pandemie viele Betriebe Schließen mussten, ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland bereits um 16 Prozent eingebrochen. Für die ohnehin schon kriselnde Automobilbranche kann das verheerende Folgen haben. Zumal der Chef von Volkswagen Herbert Diess betonte, Bonuszahlungen für Manager und Mitarbeiter, sowie Dividenden nur als letzten Ausweg senken zu wollen. 

Ein Problem vor dem auch Daimler stehen wird. Hier ist schon von einem Stellenabbau die Rede - mehr als 15.000 Stellen könnten betroffen sein. Um das zu verhindern, spricht sich der Michael Brecht, Daimler-Gesamtbetriebsratschef, für eine Arbeitszeitverkürzung in der Daimler AG aus, welche die Umsatzrückgänge kompensieren soll.

Baden-Württemberg: Corona nicht Hauptursache für Krise der Automobilindustrie

Zudem sitzen die Probleme der Automobilbranchen in Deutschland und somit auch in Baden-Württemberg tiefer und sind teilweise hausgemacht wie Wolf gegenüber dem SWR erklärt. Insbesondere drei Punkte hätten dabei bereits vor dem Coronavirus für einen Abschwung gesorgt, den jetzt auch die Unternehmen in Baden-Württemberg zu spüren bekommen:

  1. Das wirtschaftlich schwere Jahr 2019:  Für die deutsche Wirtschaft war 2019 eine reine Achterbahnfahrt. Gleich mehrfach stand man kurz vor einer Rezession. Zwar schrumpfte das Wachstum am Ende etwas, Schlimmeres wurde jedoch vermieden. Zudem ging auch in den USA der Absatz wegen eines gesättigten Marktes zurück.
  2. Der chinesische Markt: Durch zahlreiche Handelskonflikte herrscht auf dem wichtigen chinesischen Markt eine Verunsicherung, die zu einem deutlichen Rückgang des Umsatzes geführt hat. Dieser Effekt wurde durch das Coronavirus noch einmal verstärkt.
  3. Verunsicherte Verbraucher: Unternehmen brauchen Kunden, um Geld zu verdienen. Wenn der Verbraucher nicht weiß, für welches Produkt er sich entscheiden soll, ist das ein Problem. Unter den Autokäufern herrscht derzeit eine große Verunsicherung darüber,  welcher Antrieb der richtige ist. Klar scheint lediglich, dass die Tage des Verbrenners gezählt sind. Der Elektromotor ist aber aus mehreren Gründen noch keine Alternative. Das hält manchen Verbraucher vom Kauf ab.

Deshalb fordert Reindl jetzt eine Förderung der alternativen Antriebe, denn auch deren Entwicklung ist durch die Coronakrise gedämpft. Hier müsse es nach der Krise unter Hochdruck weitergehen. Was den Experten freuen dürfte: Die Daimler Truck AG hat zusammen mit der Volvo Group ein Joint Venture gegründet, um einen Brennstoffantrieb für Lkw zu entwickeln.

Schlimm genug, dass der Autokonzern Daimler in der Krise steckt und die Kurzarbeit verlängert werden muss - wird der Autohersteller auch noch ein Opfer von einem Hackerangriff auf Instagram. Am Dienstagabend, 5. Mai, wird die offizielle Instagram-Seite von Mercedes-Benz gehackt. Der Täter verfälscht und postete mehrere Bilder auf dem Account - unter anderem ein Bild von einem Hakenkreuz.

Rubriklistenbild: © Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

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