"Er hat 800 Jahre auf mich gewartet"

Deutschlands einzige Türmerin kommt aus Bad Wimpfen

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Die Türmerin Blanca Knodel.
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Ganz große Liebe: Ein Leben ohne den blauen Turm ist für Blanca Knodel unvorstellbar – jetzt muss sie ihn jedoch verlassen.

Der blaue Turm ist DAS Wahrzeichen von Bad Wimpfen schlechthin. Leute aus der ganzen Welt steigen die 167 Treppenstufen rauf, um die spektakuläre Aussicht sehen zu können. Doch nicht nur wegen des Ausblicks ist der Turm ein Highlight: Die einzige Türmerin Deutschlands wohnt auf 52 Quadratmeter darin - und die hat sich mittlerweile einen richtigen Namen gemacht.

Blanca Knodel war schon immer verliebt in das Wimpfener Wahrzeichen. Ihr großer Traum war es, einmal darin wohnen zu können. Sie erzählt: "Ich wurde gefragt, ob ich den Junggesellen, der zuvor hier wohnte, vertreten könne. Mir war gleich klar: Wenn er hier raus ist, dann komm' ich."

1996 war es dann soweit. Die 66-Jährige ließ eine große 6-Zimmer-Wohnung hinter sich und zog mit ihren drei Kindern in die 1-Zimmer-Wohnung im Turm. Knodel: "Klar, war das nicht immer einfach - vor allem in der Pubertät. Aber dann bin ich nach oben gegangen und bei der Aussicht wurde mir jedes Mal bewusst, wie klein die Welt eigentlich ist. Da war das ganze Gezanke plötzlich gar nicht mehr so schlimm."

Mittlerweile lebt sie allein in ihrer schnuckligen Wohnung in 25 Metern Höhe. Allein ist sie aber trotzdem nie. Menschen aus der ganzen Welt kommen sie besuchen. Und wenn's richtig gut läuft, trinkt sie auch mal ein Glas vom Türmerinnen-Sekt mit ihren Gästen. Knodel: "Aber nicht mit jedem Gast. Sonst wär's ja wirklich ein blauer Turm." Abgesehen davon gibt es bei der 66-Jährigen auch Freibier. Aber nur für diejenigen, die den Kasten von unten hochtragen. Die Türmerin verrät: "Manchmal sind meine Besucher sogar ganz traurig, wenn kein Kasten unten steht."

SO lebt die Türmerin Blanca Knodel

Was sie an ihrer besonderen Wohnung am meisten liebt? "Gewitter und Blitze kann man von hier aus einfach super beobachten. Davor habe ich auch keine Angst. Dass man vom Blitz getroffen wird, passiert sowieso nur alle 150 Jahre - und wenn es doch mal passiert, dann habe ich eine flotte Dauerwelle." Silvester von der knapp 60 Meter hohen Aussicht zu feiern, ist auch immer ein ganz besonderes Highlight für sie.

Ab voraussichtlich Oktober muss sich Knodel allerdings wegen einer Renovierung von ihrem Schatz verabschieden. Zumindest für die nächsten zwei Jahre. Und das, obwohl sie mindestens noch für 19 Jahre im Turm hausen will: "Dann bin ich 85 und ein Jahr älter als der Türmer von Nördlingen. Das bin ich uns Frauen als einzig weibliche Türmerin schließlich schuldig."

Zur Sanierung des Turmes steuert auch sie ihren Teil bei: "Vor meiner Wohnung und in verschiedenen Wimpfener Läden stehen Spendenkassen. So kann jeder etwas dazu beitragen – und wenn es nur Sand oder eine Prise Zement ist." Selbst wenn Knodel für zwei Jahre woanders hausen muss, gibt es für sie kein Leben ohne den Turm. "Ich werde trotzdem Vorträge über mein Leben in und über ihn halten - so bleiben wir in Verbindung. Auch wenn ich in Rente bin: Um gar nichts zu machen, bin ich noch viel zu jung."

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