Verhandlung in München

Audi: Prozess zum Dieselskandal gegen Ex-Chef - erste Entscheidung

Die Anwälte des langjährigen Audi-Chefs Stadler hatten die Abtrennung des Verfahrens gegen ihren Mandanten beantragt. Foto: Matthias Schrader/Pool AP/dpa
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Die Anwälte des langjährigen Audi-Chefs Stadler hatten die Abtrennung des Verfahrens gegen ihren Mandanten beantragt. Foto: Matthias Schrader/Pool AP/dpa
  • Simon Mones
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Seit Ende September wird vor dem Münchener Landgericht im Dieselskandal verhandelt. Am vierten Prozesstag fällt bereits eine wichtige Entscheidung.

Audi: Prozess um Dieselskandal - Erste Entscheidung im Verfahren gegen Ex-Chef

Update vom 14. Oktober: Am Dienstag steht am Landesgericht München II der vierte Verhandlungstag im Dieselskandal-Verfahren an. Die Richter muss dabei eine wichtige Verfahrensfrage klären, nämlich ob der Fall von Ex-Audi-Chef Rupert Stadler abgespalten wird. Am Ende kommt es zu der erwarteten Entscheidung, dass der Antrag der Anwälte des 57-Jährigen abgelehnt wird.

Der Vorsitzende Richter Stefan Weickert erklärt laut Tagesschau.de, es sei „zweckmäßig“, den Prozess in seiner jetzigen Form fortzuführen, da die Rechte des ehemaligen Audi-Chefs dadurch nicht besonders stark eingeschränkt würden. Durch die umfangreiche Beweisaufnahme würden die Verteidigungsrechte aller Angeklagten gewahrt.

Auch den Einwand, dass die meisten Anklagepunkte Stadler nicht betreffen würden, weist der Richter zurück. Bei der Auswahl der Angeklagten sei es laut Wickert nicht notwendig, sich auf einen Kern des Tatvorwurfs zu fokussieren. Da es im laufenden Prozess um mehrere Straftaten geht - an denen viele Personen auf unterschiedlichen Hierarchieebenen bei Audi beteiligt waren - könne es durchaus sinnvoll sein, dem anhand verschiedener Angeklagter nachzukommen. Zudem könnte es auch vorkommen, dass Zeugen bei anderen Verfahrenskombinationen die Aussage verweigern.

Audi Neckarsulm: Prozess um Dieselskandal - Erste Entscheidung im Verfahren gegen Ex-Chef?

Update vom 13. Oktober: Vor der Wirtschaftskammer des Landesgericht München II steht am Dienstag ein entscheidender Prozesstag im Dieselskandal-Verfahren an. Denn auf Antrag der Anwälte von Rupert Stadler müssen sich die Richter mit der Frage beschäftigen, ob das Verfahren gegen den ehemaligen Audi-Chef abgetrennt wird.

Aus Sicht der Anwälte des 57-Jährigen ist das Verfahren „grob unfair“, da ein Großteil der vorgeworfenen Handlungen den Ex-Audi-Boss nicht betreffen. Die Verteidiger halten es für viel sinnvoller, dass Stadler gemeinsam mit den anderen Vorständen vor Gericht gestellt wird.

Audi Neckarsulm: Giovanni P. setzt Aussage im Dieselskandal fort

Auch die aktuelle Konstellation wird kritisiert, da dadurch wichtige Zeugen fehlen, da diese als Beschuldigte in anderen Verfahren die Aussage verweigern könnten. Die Münchner Staatsanwaltschaft wendet hingegen ein, dass es gegen Stadler einen Haftbefehl gibt. Zwar ist dieser aktuell ausgesetzt, dennoch müsse der Fall des Ex-Audi-Chefs schnell verhandelt werden. Laut der Deutschen Presse-Agentur gehen Prozessbeobachter jedoch nicht davon aus, dass dem Antrag stattgegeben wird.

Zudem wird am vierten Verhandlungstag die Befragung des Motorenentwicklers Giovanni P. fortgesetzt. Dieser hatte in der vergangenen Woche die Schuld an den Manipulationen nach oben verweisen. Der ehemalige Abteilungsleiter bei Audi verwies in seiner Aussage darauf, dass der Druck im Konzern extrem und die Entwicklungszeit zu kurz gewesen sei. Statt Kompromisse anzunehmen, wurde seine Abteilung mit Vorwürfen bombardiert. Giovanni P. erklärte zudem, dass niemand mutig genug gewesen sei, um „die Reißleine zu ziehen“.

Audi Neckarsulm: Prozess um Dieselskandal - Ex-Chef auf Anklagebank

Erstmeldung vom 30. September: Im September 2015 flog einer der größten Skandale der jüngeren deutschen Automobilgeschichte auf. Die Rede ist vom Dieselskandal rund um den Volkswagen-Konzern. Nachdem anfangs nur die Konzern-Mutter aus Wolfsburg im Fokus gestanden hatte, geriet später auch Audi ins Visier der Ermittler.

Inzwischen ist klar: Die Initiative zur Entwicklung der Abschaltvorrichtungen für den VW-Motor EA189 stammte von Audi, dessen Motorenabteilung - die auch in Neckarsulm sitzt - maßgeblich an der Entwicklung beteiligt war. Entsprechend wurden im März 2017 die Büroräume von Audi durchsucht. „Ich selbst habe größtes Interesse an der Aufklärung des Sachverhalts und Sie können sicher sein, dass wir vollumfänglich mit den Behörden kooperieren", erklärte der ehemalige Chef der VW-Tochter, Rupert Stadler, damals.

Audi Neckarsulm: Drei der vier Angeklagten saßen in U-Haft

An dieser Aussage hatten die Ermittler laut tagesschau.de damals ihre Zweifel und nahmen den 57-Jährigen im Juni 2018 fest. Zuvor hatten sie das Telefon des Managers angezapft und ein verdächtiges Gespräch mitgehört. Somit stand der Verdacht der Verdunklungsgefahr im Raum. Weitere zwei Jahre später startet jetzt am Münchner Landgericht der Prozess gegen Stadler.

Doch der Ex-Chef sitzt nicht alleine auf der Anklagebank, auch Wolfgang Hatz, damaliger Chef für die Motorenentwicklung von Audi in Neckarsulm und Ungarn sowie zwei Ingenieure müssen sich im Dieselskandal verantworten. Wie Stadler saßen auch Hatz und einer der beiden Ingenieure zeitweise in Untersuchungshaft. Gegen vier weitere Mitarbeiter wurde zudem im August Anklage erhoben, darunter auch der ehemalige Dieselmotorenchef im Audi-Werk in Neckarsulm. Bereits im Juni wurde zudem mit Alex Eiser ein weiterer ehemaliger Audi-Manager festgenommen, dem eine Beteiligung am Dieselskandal vorgeworfen wird.

Audi Neckarsulm: Prozessende erst 2022

Die Vorwürfe gegen die vier Angeklagten im Dieselskandal-Prozess wiegen laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schwer. In der mehr als 90 Seiten starken Anklageschrift wirft die Staatsanwaltschaft München II den Männern „Betrug zulasten von Verbrauchern, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung“ vor.

Stadler wird außerdem vorgeworfen, dass er spätestens ab September 2015 von den Manipulationen wusste, den Verkauf der betroffenen Fahrzeuge jedoch nicht gestoppt hat. Der ehemalige Audi-Chef bestreitet die Vorwürfe bis heute und dürfte sich vor Gericht äußern. Über seine Anwälte hat Ex-Motoren-Chef Hatz bereits angekündigt, sich im Prozess zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Insgesamt sind 181 Verhandlungstermine angesetzt, das Verfahren soll bis Ende 2022 laufen.

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