Ex-Audi-Chef unter Anklage

Ex-Audi-Chef Stadler wird im Dieselskandal angeklagt! Die Details zum Prozess  

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Am 30. September beginnt der Prozess gegen Ex-Audi-Chef Rupert Stadler am Landgericht München. Die Anklage wirft ihm Betrug im Dieselskandal vor.

  • Ex-Audi-Chef Rupert Stadler wird im Zuge des Dieselskandals der Prozess gemacht.
  • Stadler saß bereits in Untersuchungshaft und darf sich aktuell nur unter strengen Auflagen frei bewegen.
  • Für den Prozess am Landgericht München sind insgesamt 176 Prozesstage angesetzt.

Ex-Audi-Chef  Rupert Stadler unter Anklage: Prozess im Dieselskandal geht in die nächste Runde

Jetzt ist es offiziell: Ex-Audi-Chef Rupert Stadler wird ab dem 30. September der Prozess gemacht. Hintergrund ist der Dieselskandal im Audi-Konzern, der das Unternehmen mit Standorten in Neckarsulm und Ingolstadt seit 2015 mehr als drei Milliarden Euro kostet. Der ehemalige Audi-Vorstandschef steht zusammen mit drei Mitangeklagten wegen Betrugs in der Dieselaffäre im Visier der Ermittler.

Die Staatsanwaltschaft wirft Stadler "Betrug, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung" vor. Grund: Der Ex-Audi-Chef habe spätestens Ende September 2015 von den Abgas-Manipulationen in Audi-Dieselmotoren gewusst, den Verkauf der Autos aber trotzdem nicht verhindert. Für den Prozess sind bis Ende Dezember 2022 insgesamt 176 Verhandlungstage angesetzt.

Ex-Audi-Chef Rupert Stadler im Steckbrief:

Geboren

17. März 1963, Titting

Ehepartnerin

Angelika Stadler

Ausbildung

Hochschule Augsburg, University of Applied Sciences

Kinder

Viola Stadler, Nicola Stadler

Auszeichnungen

Bayerischer Verdienstorden

Prozess im Dieselskandal: Das sagt Ex-Audi-Chef Stadler zur Anklage

Von 2007 bis 2018 war Stadler ganze zwölf Jahre lang Audi-Vorstandschef. Im Juni 2018 wurde er verhaftet und saß anschließend vier Monate in Untersuchungshaft in Augsburg. Seine Mitwissenschaft und Beteiligung am Dieselskandal hatte Stadler stets bestritten. Seine drei mitangeklagten Manager und Ingenieure sollen große Audi-Dieselmotoren mit einer verbotenen Abschaltfunktion entwickelt haben.

Laut Staatsanwaltschaft duldete Stadler das Vorgehen, dass Motoren manipuliert wurden und dadurch weniger Abgase im Prüfstand produzieren. Heißt: Die Motoren stoßen im Betrieb auf der Straße mehr Abgase aus als im Test. Die manipulierten Motoren sind anschließend in 250.712 Audis, 71.577 VW-Autos und 112.131 Porsche-Fahrzeugen verbaut worden.

Prozess gegen Ex-Audi-Chef Stadler: Die Anklage ist Hunderte Seiten lang

Die Autos mit der manipulierten Abgasabschaltung sind anschließend in Europa und er USA verkauft worden. Seit 2015 fegt diesbezüglich eine Klagewelle über den Audi-Konzern - und hält bis heute an. Interessant: Schon vor gut einem Jahr wurde gegen Stadler Anklage erhoben. Doch erst jetzt ist die Anklage durch das Landgericht München zugelassen worden. 

In mehr als 400.000 Autos ist eine illegale Abschalteinrichtung verbaut. Dagegen wehren sich Hunderttausende Kunden in teils langwierigen Gerichtsverfahren.

Unterm Strich umfasst die Anklageschrift rund 400 Seiten. Hinzu kommen noch 7.000 Seiten im Anhang - das Ergebnis jahrelanger Ermittlungen der Staatsanwälte. Erschwert wird der Prozess durch die Tatsache, dass der Vorsitz der großen Wirtschaftsstrafkammer* in der Vergangenheit wechselte. Heißt: Der jetzt Vorsitzende Richter Stefan Weickert musste sich erst noch in die Dieselskandal-Thematik einarbeiten.

Dieselskandal im Audi-Konzern: Auch Ex-VW-Chef Winterkorn war im Visier der Ermittler

Auch gegen Ex-VW-Konzernchef Martin Winterkorn wurde im April 2019 Anklage wegen Betrugs und strafbarer Werbung erhoben. Winterkorn habe - laut Staatsanwaltschaft - nicht erst im September, sondern bereits Mitte 2015 von der illegalen Motorsteuerung gewusst. Allerdings ist die Anklage gegen Winterkorn bis heute von keinem Gericht zugelassen worden. Grund: Es gibt Zweifel an wesentlichen Vorwürfen.

Einer der vier Mitangeklagten im Stadler-Prozess ist der ehemalige Chef der Audi-Motorenentwicklung, der anschließend im VW-Konzern weiter Karriere machte. Zeitweise war der ehemalige Audi-Motoren-Chef sogar leitender Ingenieur im Audi-Werk Neckarsulm. Ebenso wie Stadler saß auch er schon in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft ist er geständig. 

Ex-Audi-Chef Stadler: Wohnung und Audi-Zentrale durchsucht

Laut handelsblatt.de habe der Mitangeklagte den Audi-Konzern verlassen - und zwar noch bevor die Manipulationen begonnen haben. Auch Stadler ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Allerdings muss der Ex-Audi-Chef ein Kontaktverbot und andere Auflagen einhalten. Die Ermittler im Dieselskandal haben bereits Razzien in der Audi-Zentrale in Ingolstadt und im Werk Neckarsulm durchgeführt.

Dabei konnte Beweismaterial sichergestellt werden. Auch Stadlers Privathaus in Ingolstadt wurde auf den Kopf gestellt - auch seine Telefongespräche wurden näher untersucht. Letztlich sind es keine guten Zeiten für den vom Coronavirus angeschlagenen Audi-Konzern, der unter Stadler seinen Umsatz und Betriebsgewinn verdoppeln konnte. Sogar Mercedes konnte in den Verkaufszahlen überholt werden.

Doch Fakt ist: Im Zuge der Dieselaffäre gingen die Absatzzahlen zurück. Hinzu kommen die verheerenden Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg, die auch Audi und Co. erzittern lassen. Bestes Beispiel dafür ist die anhaltende Kurzarbeit im Audi-Konzern, die Tausende Audi-Mitarbeiter an den Standorten Neckarsulm und Ingolstadt in Atem hält.

Prozess um Ex-Audi-Chef Stadler: So geht es weiter

Doch die neusten Entwicklungen im Audi-Konzern dürften für Stadler weitaus weniger besorgniserregend sein als der Prozess, der ihn ab Ende September in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim erwartet. Der dortige Verhandlungsaal verfügt über die notwendige Ausstattung, um die Hauptverhandlung durchzuführen. Hintergrund: Dort können die Anforderungen aus der Coronavirus-Verordnung erfüllt werden.

*Die Wirtschaftsstrafkammer ist eine besondere Strafkammer beim Landgericht, deren Zuständigkeit in Deutschland unter anderem die Dieselskandal-Thematik umfasst.

Rubriklistenbild: © dpa/Ian Langsdon

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