Audi-Aktien auf Wanderschaft 

VW plant die Übernahme aller Audi-Aktien - so äußert sich der Betriebsrat

Heilbronn: Der Autobauer VW plant die Übernahme aller Audi-Aktien 
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Forschung und Entwicklung sollen gestärkt werden. Eine Aktien-Übernahme soll jetzt den Weg ebnen.
  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Jetzt ist es offiziell: Die Volkswagen AG aus Ingolstadt plant die Übernahme aller Audi-Aktien. Das sagen Aufsichts- und Betriebsrat dazu.

  • Volkswagen plant die Übernahme aller Audi-Aktien.
  • Ressourcen in Forschung und Entwicklung sollen beim Mutterkonzern VW gebündelt werden.
  • Eine endgültige Entscheidung fällt bei der nächsten Hauptversammlung der Audi-Aktionäre.

VW plant Übernahme aller Audi-Aktien - auch Konsequenzen für Standort Neckarsulm?

"Wir bündeln unsere Kräfte im Volkswagen Konzern und stellen uns wettbewerbsfähig für die Zukunft auf", erklärt Dr. Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und Aufsichtsratsvorsitzender der Audi AG. Als Grund für die geplante Aktien-Übernahme nennt Diess unter anderem die hohe Veränderungsdynamik in der Autobranche. Veränderung - ein Wort, hinter dem in erster Linie der Umstieg von fossilen Brennstoffen auf E-Mobilität steht.

Aber auch andere Prestige-Projekte wie autonomes Fahren oder der Antrieb mit Wasserstoff, wie er in Heilbronn gerade erforscht wird, sorgen für einen erbitterten Konkurrenzkampf  unter den deutschen Auto-Konzernen. Zudem haben sich ausländische Marken wie Tesla, Hyundai und Co. - die mittlerweile auf den Zug "Mobilität der Zukunft" aufgesprungen sind - auf dem deutschen Markt etabliert und machen Auto-Urgesteinen wie Audi oder VW langsam mächtig Konkurrenz. Ein Beispiel: Autonome Busse in Bad Wimpfen, wie es derzeit Lidl plant. Ein Thema, bei dem die inländischen Konzerne der Gefahr ausgesetzt sind, von ausländischen Firmen abgehängt zu werden.

VW plant Übernahme aller Audi-Aktien: War das nur eine Frage der Zeit?

Nicht verwunderlich also, dass der jetzige Audi-Chef, Markus Duesmann, als neuer Vorstandsvorsitzender in der VW-Gruppe den Konzern-Bereich "Forschung & Entwicklung" innehaben soll. "Vorsprung durch Technik" - davon will sich Volkswagen wohl eine Scheibe abschneiden und den komplettenKonzern in der Wettbewerbsfähigkeit weiter nach oben katapultieren. Den klar ist: Der Diesel-Skandal kostet Audi und VW nicht nur Milliarden, sondern auch jede Menge Vertrauen zu den Kunden.

Klima-Debatten und Mobilität der Zukunft befeuern zusätzlich die Konzentration vorhandener Ressourcen. Vor allem in den Bereichen Forschung und Technik. Ob das "Squezze-Out" - die Zwangs-Übernahme von Mini-Aktien durch Großaktionäre - wie es so schön in der Fachsprache, heißt Wellen schlägt? Die Wahrscheinlichkeit ist eher gering. Denn schon jetzt gehören VW 99,64 Prozent aller Audi-Aktien. Streitereien unter den Aktionären sind also eher unwahrscheinlich. Zum Vergleich: Bei einer Daimler-Hauptversammlung in Stuttgart ging es im wahrsten Sinne des Wortes "um's Würstchen". Übrigens: Bei Audi stehen rein rechnerisch nur 0,36 Prozent der Audi-Aktien zur Debatte, die letztlich auf "Mini-Aktionäre" verteilt sind.

VW plant Übernahme aller Audi-Aktien: Das sagen die Audi-Chefs 

Lob zu dieser Entscheidung kommt vor allem auf der Führungsebene. Audi-CEO Bram Schot: "Es ist genau der richtige Weg". Heißt in der Essenz:Vorteile aus einem Konzern-Verbund konsequent nutzen. Offenbar macht sich ein Umdenken bemerkbar. Eine Idee, die weg vom Mutterkonzern und seinen ausgelagerten Tochterfirmen, und hin zu konzentrierten Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen führt. Laut Schot könne man so Zukunftsthemen agiler und flexibler steuern. Dabei soll - so heißt es - die Audi-Rolle den Mutterkonzern VW weiter stärken.

Doch trotz100-prozentiger Übernahme durch Volkswagen soll die Audi AG auch weiterhin eine Aktiengesellschaft bleiben. Heißt: Rechtsform und die Mitbestimmung der Beschäftigten bleibt unangetastet. "Dafür haben wir uns als Audi Arbeitnehmervertreter eingesetzt und durchgesetzt", erklärt Peter Mosch, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Audi AG und Gesamtbetriebsratsvorsitzender. Beschäftigte, aber auch die Partner-Firmen können aufatmen. Denn gerade die Audi-Zulieferer kämpfen mit der gedrosselten Produktion am Standort Neckarsulm. Zudem soll laut Mosch die Eigenständigkeit der Marke Audi im Konzernverbund erhalten bleiben.

VW plant Übernahme der Audi-Aktien: Was bedeutet das für Neckarsulm?

Fusion einzelner Konzernbereiche, Übernahme? Für viele ein Zeichen in Richtung Stellenabbau. Spekulation mit Wahrheitsgehalt? Audi erklärt auf Nachfrage von echo24.de: "Bei der Aktien-Übernahme durch VW reden wir von einem Eigentümer-Wechsel. Das hat erst malkeine Auswirkungen auf Personal und Beschäftigung." Es gehe allein darum, die Wettbewerbsfähigkeit beider Auto-Konzerne zu steigern. Heißt: Für Audi-Neckarsulm und seine Beschäftigten hat die Übernahme der Audi-Aktien durch Volkswagen erst mal keine spürbar negativen Folgen. "Ich denke, das wird auch nicht nur Debatte", erklärt eine Audi-Sprecherin echo24.de. Heißt: Zu einem weiteren Stellenabbau am Audi-Standort Neckarsulm wird erst mal nicht kommen.  

Startschuss für die Aktien-Übernahme soll die nächste ordentliche Hauptversammlung der Audi AG sein. Diese wurde aufgrund der Aktien-Entscheidung von Mai diesen Jahres auf einen Termin im Juli oder August 2020 verschoben. Eine Durchführung von "Squezze-Out" gilt aufgrund der hohen Aktienanteile von Volkswagen als sicher. Die Vorstellung in der Hauptversammlung dürfte da reine Formsache sein.             

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