Audi in Neckarsulm

Audi mit hohem Millionen-Verlust – aber ein Detail macht beim Autobauer Hoffnung

  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Die Corona-Krise hat Audi schwer getroffen. Im ersten Halbjahr machte die VW-Tochter 750 Millionen Euro Verlust. Trotzdem gibt es eine positive Entwicklung.

  • Bei der Hauptversammlung von Audi geht es um die Zahlen fürs erste Halbjahr.
  • Dabei wird deutlich: Auch die VW-Tochter ist tief in die roten Zahlen gerutscht.
  • Trotzdem soll am Jahresende noch ein positives Ergebnis stehen.

Audi mit hohem Millionen-Verlust – aber ein Detail macht beim Autobauer Hoffnung

Die Corona-Pandemie hat viele Firmen tief in die roten Zahlen rutschen lassen – und auch beim großen Autobauer Audi ist das nicht anders. Bei der Hauptversammlung in Ingolstadt sind jetzt die konkreten Zahlen veröffentlicht worden. 

Demnach machte die VW-Tochter in der ersten Hälfte des Jahres rund 750 Millionen Verlust. Der Umsatz fiel um 29 Prozent auf nur noch 20,5 Milliarden Euro. Weltweit verkaufte Audi 22 Prozent weniger Autos, das entsprach 707.200 Fahrzeugen. In China brach die Nachfrage um drei Prozent ein, in Europa um 37 Prozent. 2019 hatte Audi 4,5 Milliarden Euro zum Betriebsgewinn von VW beigesteuert. 

Die harten Zahlen begründen die Verantwortlichen mit der Corona-Krise. Im Lockdown mussten Autowerke und Autohändler über Wochen schließen, die Nachfrage der Kunden bei Audi brach extrem ein. 

Hauptversammlung bei Audi: Folgen der Corona-Krise für die Mitarbeiter

Zum 23. März wurde bei Audi in Ingolstadt und Neckarsulm die Kurzarbeit eingeführt. Anfang Juli waren noch 15.000 Audianer in Kurzarbeit. Bei dem Autobauer kommt es auch im August noch zu Arbeitsausfällen. Wegen Nachfragerückgängen und Lieferengpässen wurde die Kurzarbeit zum fünften Mal verlängert – ab September soll dann aber keine mehr beantragt werden. Sorgen mache man sich allerdings wegen einer möglichen zweiten Corona-Welle.

Bis 2025 will Audi etwa 9.500 Arbeitsplätze abbauen – das war allerdings schon vor dem Lockdown wegen des Coronavirus bekannt. Betroffen sind die Standort Ingolstadt und Neckarsulm. Gleichzeitig möchte Audi aber bis zu 2.000 neue Zukunftsarbeitsplätze schaffen. Ein weiterer Abbau von Stellen sei nicht geplant, sagte Audi-Chef Markus Duesmann.

Ab September soll auch bei Audi in Neckarsulm keine Kurzarbeit mehr beantragt werden. 

Audi-Hauptversammlung: Hoher Verlust – aber positive Signale beim Autobauer

"Seit dem 22. Juni produzieren wir wieder an allen Audi-Standorten weltweit", so Duesmann am Freitag in Ingolstadt. Laut Finanzvorstand Arno Antlitz wird das Jahr 2020 weiterhin "extrem herausfordernd" – allerdings lässt ihn eine Entwicklung auch etwas optimistischer nach vorne schauen. 

Es gebe erste positive Signale aus den Märkten. Deswegen erwartet der Vorstand für das Gesamtjahr zwar eine geringere Nachfrage und deutlich weniger Umsatz, aber auch ein Betriebsergebnis, das "erheblich unter Vorjahr", jedoch "klar positiv" sei. Bis Jahresende will Audi wieder aus der Verlustzone sein.

Wie der SWR berichtete, sei bei den Bestellungen eine Erholung erkennbar, die nur noch knapp unter dem Vor-Corona-Niveau liege. 

Hauptversammlung bei Audi: VW will restliche Anteile übernehmen

Bei der Hauptversammlung ist ein wichtiger Punkt der Squeeze-Out auf Antrag von VW. Es geht darum, den Ausschluss der letzten noch verbliebenen Kleinaktionäre zu beschließen, damit Volkswagen die restlichen Anteile von Audi übernehmen kann. Derzeit halten Minderheitsaktionäre zusammen noch 0,4 Prozent der Aktien. Vor der Hauptversammlung wurde Audi deshalb bewertet – mit einem überraschenden Ergebnis

Was bei der Hauptversammlung des Autobauers auch deutlich gemacht wurde: Audi setzt voll auf die Themen Elektromobilität und Digitalisierung. Dabei wandelt die VW-Tochter auch auf Teslas Spuren. Bis 2025 will Audi 20 rein elektrisch getriebene Modelle anbieten. Dabei ist auch Heilbronn im Blick – hier wird ein E-Sportwagen ab Jahresende gebaut.

Aktuell hat Audi aber auch mit Kritik zu kämpfen: Nach einer Werbung mit einem Kleinkind gab es einen Shitstorm für den Autobauer. Die Folge: Audi entschuldigte sich öffentlich. Und auch der Diesel-Skandal schlägt weiter Wellen: Jetzt ist gegen vier weitere frühere Audi-Mitarbeiter Anklage erhoben worden – einer davon aus Neckarsulm. Aber nicht nur der Konzern selbst macht von sich reden. Nach einer Auswertung von Versicherungsdaten kam ein Vergleichsportal zu einem eher unrühmlichen Ergebnis. Demnach seien Audi-Fahrer die größten Verkehrssünder und sammeln die meisten Punkte in Flensburg.

Rubriklistenbild: © Andreas Gebert/dpa

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