Nach Diesel-Affäre bei Audi

Audi-Vorwürfe schwerwiegend: Auch Benziner von Abgas-Skandal betroffen?

  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Sind auch Benziner vom Abgas-Skandal betroffen? Ein Gutachten lässt eine Manipulation bei der VW-Tochter Audi vermuten. Erste Konsequenzen folgen.

  • Vor dem Landgericht Offenburg läuft aktuell ein Verfahren gegen Audi.
  • Es geht um mögliche Abgas-Manipulationen bei der VW-Tochter.
  • Im Fokus stehen aber nicht Diesel-, sondern Benzin-Motoren von Audi.

Audi im Abgas-Skandal: Manipulationen auch bei Benzin-Motoren?

Es ist kein Ende des Abgas-Skandals in Sicht – im Gegenteil. Nach den Diesel-Motoren kommt jetzt der Verdacht auf, dass auch Benzin-Motoren von Audi manipuliert sein könnten. 

Es sind schwere Vorwürfe gegen Audi: Ein Gutachten lässt vermuten, dass auch bei Benzinern eine illegale Abschalteinrichtung vorhanden sein könnte. Grundlage ist ein vom Landgericht Offenburg angeordnetes Gutachten vom 9. Juli 2020 in einem Verfahren der Kanzlei Dr. Stoll & Sauer aus Lahr.

Audi im Abgas-Skandal: Gutachten mit Indizien für illegale Abschalteinrichtung

In verschiedenen Abgastests wurde ein Audi Q5 TFSI 2.0, Euro 6, geprüft. Im 33-seitigen Gutachten, das echo24.de vorliegt, heißt es zum Hintergrund: "Die Klägerin behauptet, dass das streitgegenständliche Fahrzeug [...] eine Software aufweist, die auf das Getriebe des Fahrzeugs einwirkt." 

Diese Software erkenne – wie auch schon im Diesel-Skandal –, ob sich das Fahrzeug auf dem Prüfstand befinde. Der Vorwurf: Sobald das Lenkrad um mehr als 15 Grad gedreht wird, schaltet sich diese Software um. "Dies komme auf dem Prüfstand nie vor", heißt es im Gutachten

Audi: Auch Benziner manipuliert? Heftige Zahlen nach Gutachten

In diesem "Prüfstand"-Modus würde das Fahrzeug der VW-Tochter Audi mit anderen Schaltpunkten arbeiten. Die Folge: niedrigere CO2-Werte und niedrigerer Benzinverbrauch.

Jetzt liegt das Ergebnis der Tests des Gutachters vor. Demnach stößt der geprüfte Audi Q5 24,5 Prozent mehr Stickoxide und 59 Prozent mehr CO (Kohlenmonoxid) aus, wenn das Lenkrad eingeschlagen wird. 

Konkret lag der NOx-Ausstoß (Stickoxide) bei über 82 mg/km. Eigentlich dürfen Euro-6-Benziner den Grenzwert von 60 mg pro Kilometer nicht überschreiten.

Abgas-Skandal bei Audi: Gutachten lässt illegale Software vermuten

Besonders heftig: Der Stickoxid-Ausstoß lag mit Lenkeinschlag 301 Prozent über den Vorgaben in der EG-Übereinstimmungsbescheinigung, also über den Herstellerangaben von Audi

Das Fazit des Gutachters: "Nach den Messergebnissen [...] wirkt sich der [...] vor Messbeginn vorgenommene Lenkeinschlag auf die Steuerungssoftware des Fahrzeugs aus." Für den Bundesgerichtshof ist eine Prüfstandserkennung illegal, wenn damit Abgaswerte verändert werden – was laut Gutachten beim geprüften Audi der Fall ist!

Audi: Kanzlei stellt Strafanzeige gegen Ex-Audi-Chef Rupert Stadler

Für den Sprecher der Kanzlei Dr. Stoll & Sauer aus Lahr, auf deren Anstoß das Gericht einen Gutachter beauftragt hatte, ist "das Gutachten eindeutig" und zeige, dass der Audi Q5 über eine illegale Abschalteinrichtung verfüge. 

Dass die Angaben im Prospekt von der Realität abwichen, "ist aus unserer Sicht Betrug", hält er fest. Die Kanzlei Dr. Stoll & Sauer war eine der führenden Kanzleien im Abgas-Skandal.

Die Kanzlei hat jetzt wegen Betrugs Strafanzeige gegen den früheren Audi-Chef Rupert Stadler gestellt. Ab September steht Stadler bereits in der Diesel-Affäre vor Gericht. Zudem wird im Diesel-Skandal gegen vier weitere Audi-Mitarbeiter Anklage erhoben.

Audi müsse sich jetzt äußern, das sei aber noch nicht geschehen, so der Kanzlei-Sprecher. Auf Nachfrage von echo24.de heißt es von Audi, es handle sich "um ein laufendes Verfahren, zu dem wir uns nicht äußern." Die Audi AG werde dem Gutachten entgegentreten. 

Die Kanzlei Dr. Stoll & Sauer hat jetzt Strafanzeige gegen Ex-Audi-Chef Rupert Stadler wegen Betrugs gestellt. 

Abgas-Skandal bei Audi: Interne VW-Papiere bekräftigen Vermutung

Der SWR berichtet außerdem von brisanten internen Unterlagen bei VW, die die Vermutungen bekräftigen. Demnach heißt es in einem internen Papier, "wenn das Lenkrad bei der Abgasprüfung nicht eingeschlagen sei, würde die Schaltung des Automatikgetriebes verändert". 

Dadurch würde auch der Schadstoffausstoß verringert werden. Diese Veränderung beim Einschlagen des Lenkrads sei den "Behörden nicht bekannt", zitiert der SWR weiter. 

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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