Viele Maßnahmen zur Prophylaxe und Früherkennung

Afrikanische Schweinepest in Heilbronn und Hohenlohe: Wappnen für Ernstfall

Ein Wildschwein steht im Wald. (Symbolbild)
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Die Tierseuche wurde inzwischen bei mehreren toten Wildschweinen in Brandenburg nachgewiesen. (Symbolbild)
  • Julia Thielen
    vonJulia Thielen
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Die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest ist groß in Heilbronn und Hohenlohe. Die Landkreise versuchen, mit gleich mehreren Maßnahmen vorzubeugen.

  • Die Afrikanische Schweinepest (ASP) wurde vor Kurzem erstmals in Deutschland nachgewiesen.
  • Heilbronn und Hohenlohe rüsten sich für einen möglichen Ausbruch von ASP in der Region.
  • Stadt und Landkreise haben bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen.

Spätestens seit zehn Tagen sind die Landwirte im Landkreis Heilbronn und im Hohenlohekreis in Alarmbereitschaft. Nach dem ersten bestätigten Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland rüsten sich nicht nur sie noch einmal mehr für den Ernstfall eines Ausbruchs in der Region. Denn das Virus ist für Wild- und Hausschweine extrem tödlich. Zahlreiche Maßnahmen sollen vor dem Virus schützen oder es wenigstens früh erkennen lassen.

Afrikanische Schweinepest: Heilbronn und Hohenlohe ergreifen zahlreiche Maßnahmen

In Brandenburg war das Virus vor Kurzem bei einem toten Wildschwein nachgewiesen worden. Mittlerweile gibt es noch mehrere andere bestätigte Fälle der ASP in dieser Region. Weil die Afrikanische Schweinepest höchst ansteckend ist und lange, auch noch durch beispielsweise Wurstabfälle, übertragen werden kann, ist die Prävention eine heikle Aufgabe. Das betrifft nicht nur Landwirte und Jäger - jeder kann etwas gegen die Verbreitung des Virus tun.

Stadt und Landkreis Heilbronn sowie der Hohenlohekreis bereiten sich schon jahrelang auf ein mögliches Vorkommen der ASP in der Region vor. Dabei ziehen die Landkreise alle Register. Denn: Die Sterblichkeitsrate infizierter Schweine ist hoch. Einen Impfstoff gibt es nicht. Prophylaktische Maßnahmen und eine Früherkennung der Afrikanischen Schweinepest im Ernstfall sind also der einzige Weg, eine großflächige Ausbreitung der Seuche in Heilbronn und Hohenlohe zu verhindern.

Afrikanische Schweinepest: Diese Maßnahmen sollen die Stadt Heilbronn im Ernstfall absichern

Die Stadt Heilbronn wählte hierfür bereits im vergangenen Jahr eine drastische, aber durchaus sinnvolle und fortschrittliche Methode. Ein etwa 20-köpfiges Team durchlief in einer realitätsnahen Probe auf dem Gelände des Entsorgungszentrums Heilbronn alle notwendigen Schritte. Von der Entdeckung eines vermeintlich mit ASP infizierten Wildschweins bis zur gründlichen Desinfektion allen Materials.

Denn auch letzteres ist unabdinglich, um eine Ausbreitung der Seuche in betroffenen Gebieten zu verhindern. Auch von Werkzeug und Materialien kann sich die Afrikanische Schweinepest ansonsten übertragen, weil der Erreger lange infektiös bleibt.

Für Heilbronn gelten aber noch weitere Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor der ASP:

  • Jäger sollen verstärkt Wildschweine bejagen.
  • Insbesondere verunfallte Tiere sollen immer auf die ASP getestet werden.
  • Von Jagdreisen in ASP-betroffene Gebiete rät die Stadt dringend ab.
  • Zwei Sammelstellen für Tierkadaver oder -abfälle wurden eingerichtet. Diese werden seuchensicher beseitigt.

Afrikanische Schweinepest: Landkreis Heilbronn setzt auf intensive Schulungen

Auch im Landkreis Heilbronn spielen die Sammelstellen eine große Rolle in der Seuchenprävention. Eine Verbreitung der ASP in der Region soll durch die unschädliche Beseitigung von Tierkörpern und -körperteilen schon von vornherein verhindert werden. Insgesamt neun solcher Wildverwahrstellen gibt es im gesamten Heilbronner Landkreis mittlerweile.

Zusätzlich werde auch das Personal im Veterinäramt intensiv geschult. Themen wie Fallwildsuche, Bergung von Kadavern, Probenahme, Festlegung von Restriktionsgebieten und verwaltungsrechtliche Maßnahmen sind dabei laut Landkreis im Fokus.

Afrikanische Schweinepest: Hohenlohekreis berät am "runden Tisch" über die ASP

Im Hohenlohekreis wurden zusätzlich zu den bestehenden weitere Maßnahmen ergriffen. Auch hier gibt es in fünf Kommunen Verwahrstellen. Eine sechste sei zudem in Planung, wie der Landkreis mitteilte. „Zusätzlich wurde durch das Veterinäramt ein speziell gefertigter Anhänger für die Bergung verendeter Wildschweine und Gerätschaften für die Bergung von Wildschweinkadavern beschafft", heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung. Außerdem wurden im Hohenlohekreis folgende Vorkehrungen getroffen:

  • Jäger werden unter anderem in sogenannten Tierseuchenübungen geschult.
  • Am "runden Tisch" gibt es mit allen Beteiligten regelmäßige Beratungen zur aktuellen Lage mit der ASP.

Afrikanische Schweinepest: Zusätzlich ASP-Kompetenzzentrum in Baden-Württemberg eingerichtet

Nicht nur regional, auch auf Landesebene ist die Afrikanische Schweinepest ein riesiges Thema. So stünden im Fall des Falles Heilbronn oder Hohenlohe nicht allein da. Unterstützung erhielten sie vom eigens eingerichteten ASP-Kompetenzzentrum des Landwirtschaftlichen Zentrums für Baden-Württemberg (LAZBW) in Aulendorf.

Auch das LAZBW entwickelt hier Maßnahmen zur Bekämpfung der ASP bei Schwarzwild. Dies beinhaltet ebenfalls Schulungen der einzelnen Regionsvertreter, greift aber auch im Ernstfall – dann mit Vor-Ort-Hilfe gegen die Afrikanische Schweinepest.

Afrikanische Schweinepest: In Heilbronn und Hohenlohe kann jeder helfen

Doch alle Prävention hat nur wenig Erfolg, wenn nicht auch die Menschen in der Region ihren Beitrag zur Bekämpfung leisten. Denn schon ein weggeworfenes Wurstbrot kann zum Seuchen-Auslöser werden. Dann, wenn es Errerger der ASP enthält.

Diese können dort lange infektiös bleiben. Frisst ein Wildschwein ein solches Wurstbrot und steckt sich damit an, ist die Übertragung auf andere Schweine beinahe nur eine Frage der Zeit. Bei vielen Ausbruchsorten der ASP wird menschliches Fehlverhalten als Ursache angenommen.

Afrikanische Schweinepest: Tödlich für Tiere, ungefährlich für den Menschen

So gefährlich die Afrikanische Schweinepest auch für Schwarzwild und Hausschweine ist, sie hat weder Auswirkungen auf den Mensch, noch auf Hunde oder Katzen. Sie alle können aber Überträger sein.

Seit 2014 tritt die Afrikanische Schweinepest auch in Europa auf. In der EU gilt eine sogenannte Bekämpfungspflicht. Ein Auftreten der ASP in der Region hätte weitreichende Folgen: So zum Beispiel drastische Einschnitte in den Handel oder die Einrichtung von strikten Schutzzonen.

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