Sie hat bis heute geschwiegen

Neue Missbrauchsvorwürfe gegen Filmemacher Roman Polanski

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Gegen Starregisseur Roman Polanski werden neue Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen laut: Eine Frau warf dem Filmemacher vor, sie 1973 als 16-Jährige missbraucht zu haben.

Los Angeles - Gegen Starregisseur Roman Polanski werden neue Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen laut: Bei einer Pressekonferenz in Los Angeles warf eine Frau am Dienstag (Ortszeit) dem französisch-polnischen Filmemacher vor, sie 1973 als 16-Jährige missbraucht zu haben. Sie reagierte damit darauf, dass die als Jugendliche von Polanski vergewaltigte Samantha Geimer kürzlich um eine Einstellung des Verfahrens gegen den Filmemacher gebeten hatte.

"An dem Tag, nachdem es passierte, habe ich einem Freund/einer Freundin gesagt, dass Herr Polanski mir das angetan hat", hieß es in der vorbereiteten Stellungnahme, die die von ihrer Anwältin als "Robin" vorgestellte Frau vorlas. Davon abgesehen habe sie bislang nie wieder darüber gesprochen, weil sie nicht gewollt habe, dass ihr Vater etwas tue, "das ihn für den Rest seines Lebens ins Gefängnis bringt".

Die Tat ereignete sich demnach in Südkalifornien. "Ich bin immer noch nicht darüber hinweg", sagte Robin. Über Details wollte sich die Frau nicht äußern. Weil die Verjährungsfrist bereits abgelaufen sei, sei keine Klage vorgesehen, sagte Robins Anwältin Gloria Allred. Doch sei ihre Mandantin zu einer Aussage unter Eid bereit, sollte es jemals einen Strafprozess gegen Polanski geben.

Polanski, der am Freitag 84 Jahre alt wird, hatte 1977 den Missbrauch der damals 13-jährigen Samantha Geimer zugegeben. Demnach hatte er im Alter von 43 Jahren die damals 13-Jährige im Haus des Schauspielers Jack Nicholson in Los Angeles unter Drogen gesetzt und Sex mit ihr.

Polanski war zunächst wegen Vergewaltigung angeklagt, später lautete der Vorwurf auf unerlaubten Sex mit einer Minderjährigen. Polanski bekannte sich schuldig und saß nach einer Vereinbarung mit der Staatsanwalt mehrere Wochen in Haft.

Nach Angaben von Polanskis Anwalt ließ der Richter dann jedoch den Deal platzen und forderte eine 50-jährige Haftstrafe für den polnisch-französischen Regisseur. Polanski floh daraufhin vor der Urteilsverkündung nach Europa und kehrte seitdem nicht mehr in die USA zurück. Das Verfahren gegen ihn wurde bis heute nicht eingestellt - trotz der ausdrücklichen Bitte des Missbrauchsopfers, den Fall nach 40 Jahren endlich ad acta zu legen.

Dass Geimer im Juni vor Gericht selbst um Einstellung des Verfahrens gebeten habe, habe sie "wütend gemacht", sagte Robin. Sie breche nun ihr Schweigen, "damit Samantha und die Welt wissen, dass sie nicht das einzige minderjährige Opfer von Roman Polanski" sei. Der Regisseur müsse für sein "kriminelles Verhalten gegenüber Samantha Geimer" zur Rechenschaft gezogen werden.

2010 hatte die ebenfalls von Allred vertretene britische Schauspielerin Charlotte Lewis erklärt, sie sei mit 16 von Polanski zu einer sexuellen Beziehung gezwungen worden.

Für eine Stellungnahme zu den neuen Vorwürfen war Polanskis Anwalt zunächst nicht zu erreichen.

Der Filmemacher ist mit der französischen Schauspielerin Emmanuelle Seigner verheiratet und hat mit ihre zwei Kinder. Trotz des Vergewaltigungsverfahrens gelang ihm eine große Filmkarriere. Er wurde acht Mal mit dem renommierten französischen César ausgezeichnet. Für sein Holocaust-Drama "Der Pianist" bekam er 2003 den Oscar als bester Regisseur, den er allerdings nicht persönlich entgegennahm.

afp

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