1. echo24
  2. People

Boris Becker nach Landung in Stuttgart: „Es war kein Mensch am Flughafen“

Erstellt:

Von: Julia Cuprakowa

Kommentare

Liebe, Familie, Knasterfahrung: Mehr als zwei Stunden berichtet Boris Becker in seinem ersten Interview über seine Haft in Großbritannien, die Erfahrungen, einen Mordanschlag und seine Landung in Stuttgart.

Auf der großen TV-Bühne ist der Weltstar Boris Becker nach 231 Tagen in britischer Haft ganz bei sich. Vor den Augen von 1,55 Millionen Zuschauern zeigte sich der deutsche Tennis-Star bei seinem ersten Auftritt in der Öffentlichkeit wiederholt emotional.

Äußerlich sichtbar verändert erzählte der einstige Ausnahmesportler – immer wieder von Tränen und Momenten der Rührung unterbrochen – am Dienstagabend (20. Dezember) im Sat.1-Interview von lebensgefährlichen Situationen, sehr persönlichen Momenten mit seiner Partnerin Lilian De Carvalho Monteiro und von einem neuen spirituellen Weg.

Boris Becker im Interview mit Sat.1: „Natürlich war ich schuldig“

Dass Sat.1 dem dreifachen Wimbledonsieger für das Gespräch Geld bezahlt hatte, stellte Moderator Steven Gätjen gleich zu Beginn klar, wie die „Deutsche Presse-Agentur“ (dpa) berichtet. Becker war Ende April zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er seinem Insolvenzverwalter Vermögenswerte in Millionenhöhe verschwieg, was er nun freimütig einräumte. „Natürlich war ich schuldig“, sagte er und zeigte sich selbstkritisch.

„Vielleicht habe ich nicht genügend Reue gezeigt im Zeugenstand“, sagte er. Seine Anwälte hätten alles versucht, sein „Leben zu retten“. Er sei beraten worden, was er auszusagen habe und was nicht. „Es hätte besser laufen können – aber es hätte auch viel schlechter laufen können.“

Nach seinem Gefängnisaufenthalt braucht Becker jetzt Geld, um sich ein neues Leben aufzubauen. In seine Wahlheimat London kann er für längere Zeit nicht zurückkehren, nachdem er abgeschoben wurde. Dass er überhaupt bereits nach siebeneinhalb Monaten in Freiheit kam, ist aber kein Promibonus, sondern liegt an einer Sonderregel für ausländische Häftlinge.

Baden-Württemberger berichtet über Morddrohungen und neue Freunde im Gefängnis

Während des Interviews sprach der aus dem baden-württembergischen Leimen stammende Becker voller Respekt über seine Erlebnisse hinter Gittern. Immer wieder betont er seine guten Kontakte zu einigen anderen Häftlingen – und die seien es dann auch gewesen, die ihm in einigen schwierigen Situationen zu Hilfe eilten. Doch wovor musste der ehemalige Profisportler beschützt werden?

Wie er weiter im Interview berichtet, hatte Becker Morddrohungen erhalten. „Da hatte ich mal wirklich eine sogenannte Altercation (heftige Auseinandersetzung) mit einem Häftling, der wollte mich umbringen“. Kontrahent sei ein Mann gewesen, der als 18-Jähriger zwei Menschen umgebracht habe. „Der wollte mir an die Wäsche und hat mir auch verbal erklärt, was er mit mir machen will.“ Doch auch in diesem Fall seien ihm andere Häftlinge zur Hilfe geeilt. Immer wieder erzählt Becker auch von engen Freundschaften zu Mitgefangenen, die ihn geschützt und gestärkt hätten.

Tennis-Star hat sich äußerlich verändert: Sieben Kilo abgenommen

Auch äußerlich habe sich der ehemalige Sportstar verändert, wie die „dpa“ weite berichtet. Er sah deutlich schlanker aus, die Haarfarbe etwas dunkler als früher, unter dem schwarzen Sakko trug er ein ebenfalls schwarzes Shirt. „Ich hab natürlich sehr viel Gewicht verloren“, sagte er. „Ich bin mit 97 Kilo ins Gefängnis gekommen und hatte dann mal knapp 90 Kilo.“ 

Steven Gätjen und Boris Becker weint
Am 20. Dezember 2022 führte Steven Gätjen das erste TV-Interview mit Boris Becker. © SAT1

Becker fügte hinzu: „Ich hab zum ersten Mal in meinem Leben Hunger gefühlt, also bin hungrig ins Bett gegangen. Ich dachte, dass ich mit 54 Jahren schon alles erlebt habe, aber das war neu.“ Im Gefängnis habe er außerdem keinen Alkohol getrunken, nicht geraucht und wochen- oder vielleicht auch monatelang sehr wenig gegessen. Und wie steht es um sein Privatleben? Seine Freundin und die Kinder?

Seine Partnerin Lilian habe immer zu ihm gehalten

Im Interview zeigte der 55-Jährige deutlich die Liebe zu Partnerin Lilian und seinen vier Kindern. Die Beziehung zu seinen älteren Kindern Noah, Elias sowie Anna, mit der er häufig telefoniert habe, sei während der Haft enger geworden. Immer wieder, wenn es um seine Liebsten geht, muss Becker unter Tränen innehalten.

Seine Partnerin, die ausgerechnet am Tag seiner Verurteilung – dem 29. April – Geburtstag hatte, habe stets zu ihm gehalten. „Ich hatte nicht einen Moment, wo ich das Gefühl hatte, da bricht jetzt was auseinander oder sie verliert die Geduld oder die Lust oder die Liebe“, sagte Becker. Ob er sie heiraten wolle – solche Details aus dem Privatleben, habe ihm Lilian verboten. Doch hoffe er, dass er „für immer und ewig“ mit ihr zusammen bleiben werde. Auf die Frage nach weiteren Kindern lässt er sich entlocken: „Ich hoffe, es kommen noch ein paar dazu.“

Boris Becker nach Abschiebung in Stuttgart gelandet – „Es war kein Mensch am Flughafen“

Abschließend erzählt der Tennis-Star über seine Abschiebung. Er sei nach seiner Abschiebung in Stuttgart gelandet und dann bei Freunden nahe Heidelberg untergekommen sei. „Es war kein Mensch am Flughafen“, erzählte Becker. Die Polizei habe dann seine Papiere kontrolliert und gesagt: „Willkommen zurück.“ Zu seiner Ankunft bei den Freunden sagte der 55-Jährige: „Ich habe dann mein erstes Bier getrunken und – glaube mir – das war das beste Bier in meinem Leben.“ Das erste Essen in Freiheit sei Sushi, Sashimi und Miso-Suppe gewesen.

Zu seiner Zukunft äußerte sich Becker zurückhaltend. In Deutschland leben wolle er eher nicht, weil seine Privatsphäre hier nicht gesichert sei. Er habe gerne in Miami gelebt. „Ich bin auch ein Fan von Dubai“, sagte Becker. „Ich habe Ideen, aber ich bin vorsichtig geworden mit meinen Aussagen für die Zukunft.“ Becker betonte: „Ich freue mich, ich bin motiviert, ich muss arbeiten.“

Auch interessant

Kommentare