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Zecken-Zeit: So schlimm wird die Plage 2021 – trotz Frost-Wetter

Die Zecken-Zeit in Baden-Württemberg beginnt früher als erwartet. Trotz des schlechten Wetters warten die Tiere in Gräsern und Wäldern auf ihre Beute. Besonders in Corona-Zeiten ist das gefährlich:

Baden-Württemberg – Sie gehören trotz ihrer winzigen Größe wohl zu den meist gefürchtetsten Tieren: Zecken! Die lästigen Biester, die heimtückisch in Feldern und hohen Gräsern auf ihre Beute warten, können schwere Krankheiten bei Mensch und Tier verursachen. Neben Hunden und Pferden haben es Zecken besonders auf Menschen abgesehen. Wer jetzt aber glaubt, dass durch den kalten April und den vielen Schnee in Baden-Württemberg in diesem Jahr mit weniger Zecken zu rechnen ist, liegt leider falsch. Wie HEIDELBERG24* berichtet, drohen in diesem Jahr sogar mehr Zeckenbisse als die Jahre zuvor. Das liegt nicht nur am Wetter, sondern auch am Coronavirus*.

TierZecke
MerkmaleBis zu 16 mm groß, weiß marmoriertes Rückenschild, rotorangefarbener Außenrand
Lebensdauer3 bis 10 Jahre

Baden-Württemberg: Trotz Kälte und Schnee – Zecken-Zeit hat schon längst begonnen

Viele Menschen gehen davon aus, dass Zecken bei niedrigen Temperaturen verenden. Allerdings haben sich die Tiere bereits an unsere milden Winter angepasst und überleben die eisige Jahreszeit ohne Probleme. „Zwar können Insekten wie Mücken und Zecken in ihrer Entwicklung zurückgeworfen werden. Die Insektenarten sind jedoch auch an frostige Phasen im April und Mai angepasst“, schreibt Wetter.com. Zecken verfallen bei einem Kälteabsturz einfach in Winterruhe und überdauern die frostigen Tage.

Auch Plantopedia geht davon aus, dass 2021 wieder eine heftige Zeckensaison zu erwarten ist. In der Regel sind die Tiere von April bis Oktober aktiv, aufgrund des Klimawandels kann der Zeitraum aber auch schon früher starten. Grundsätzlich sie ab einer Temperatur von 7 Grad aktiv. Die sogenannte Auwaldzecke ab 4 Grad sogar im Winter unterwegs. Während diese Zeckenart jedoch als nicht besonders gefährlich für den Menschen gilt, ist der Gemeine Holzbock besonders tückisch. Vor allem im Frühjahr und Herbst geht dieser Plagegeist auf die Jagd.

Zecken: Baden-Württemberg ist DAS Risikogebiet

Laut dem Robert-Koch-Institut sind Zecken vor allem in Baden-Württemberg* und Bayern aktiv. Die Bundesländer gelten als Risikogebiete. „Ein Kreis wird als FSME-Risikogebiet definiert, wenn die Anzahl der übermittelten FSME-Erkrankungen in mindestens einem der 15 Fünfjahreszeiträume im Zeitraum 2002 – 2020 im Kreis ODER in der Kreisregion (bestehend aus dem betreffenden Kreis plus allen angrenzenden Kreisen) signifikant (p < 0,05) höher liegt als die bei einer Inzidenz von 1 Erkrankung pro 100.000 Einwohner erwartete Fallzahl“, definiert das RKI ein Risikogebiet.

FSME-Risikogebiete in Deutschland

Neben dem Wetter spielt auch die Corona-Pandemie eine große Rolle bei Zeckenbissen. So wurden 2020 so viele FSME-Fälle wie noch nie gemeldet. Laut dem RKI sind 535 Erkrankungen bis Anfang September bestätigt worden, das sind 14 Prozent mehr als noch 2018. 89 Prozent der Erkrankten kommen aus Baden-Württemberg (270) und Bayern (207). Dabei fällt auf, dass es in Baden-Württemberg einen deutlich größeren Anstieg als im Nachbarland gab. Kreise mit besonders hoher Fallzahl sind in Baden-Württemberg die Landkreise Calw, Freudenstadt, Ortenaukreis, Ravensburg, Reutlingen, Rottweil, Sigmaringen und Zollernalbkreis als auch der Stadtkreis Stuttgart.

Baden-Württemberg: Wegen Corona – so viele Zecken-Bisse wie noch nie

Doch warum steigt im Corona-Jahr die FSME-Fallzahl so stark an? Grund sind die Corona-Maßnahmen und Lockdowns. Die Menschen in Deutschland sitzen nur noch im Home-Office und es gibt kaum Freizeitmöglichkeiten. Bei schönem Wetter geht es deshalb nach draußen in den Wald oder auf die Felder. „Bedingt durch die empfohlenen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19, verbringen die Menschen möglicherweise Ihre Freizeit häufiger im Freien und haben somit ein erhöhtes Expositionsrisiko. Auch werden im Jahr 2020 an Orten, die regelmäßig beprobt werden, hohe Zahlen von Zecken beobachtet,“ schreibt das RKI. Es ist also davon auszugehen, dass auch in diesem Corona-Jahr wieder mehr Menschen von Zecken gebissen werden.

Baden-Württemberg: Zecken übertragen Krankheiten – Impfung einzige Rettung vor FSME

Zecken können eine Vielzahl an Krankheiten auf den Menschen übertragen. Die Krabbeltiere können unter anderem Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) verursachen. Dabei ist aber zu beachten, dass rund 30 Prozent der Zecken den Borreliose-Erreger in sich tragen und nur 0,1 bis 5 Prozent den FSME-Erreger.

Während Borreliose meistens behandelt werden kann, ist dies bei FSME schwieriger. Gegen diese Krankheit hilft nur eine Impfung, eine Behandlung gibt es bislang nicht. Nur 10 bis 30 Prozent der FSME-Erkrankten leiden an Symptomen wie Fieber – bei den meisten läuft die Krankheit asymptomatisch ab. FSME kann Gehirn- und Hirnhautentzündungen verursachen, was zu schweren Krankheitsverläufen führt. Wer also von einer Zecke erwischt wird, muss die Bissstelle genau beobachten. „Sollte nach einigen Tagen bis Wochen eine deutliche ringförmige Hautrötung, typischerweise im Zentrum blasser als am Rand, entstehen und sich ausweiten, sollte ein Arzt zwecks weiterer Abklärung aufgesucht werden“, so das RKI. Treten 7 bis 14 Tage nach einem Biss grippeähnliche Symptomen auf, sollte man ebenfalls einen Arzt benachrichtigen.

Baden-Württemberg: Schutz vor Zecken – So kann ein Biss verhindert werden

Neben der Impfung gibt es andere Schutzmaßnahmen vor einem Zeckenbiss. Wer durch Gräser, im Wald oder durchs Gebüsch läuft, sollte feste Schuhe, lange Hosen und Ärmel tragen. Es empfiehlt sich auch die Hose in die Socken zu stecken, damit die Zecke nicht wandern oder gar zubeißen kann. Wer helle Kleidung trägt, kann die Spinnentiere außerdem schneller entdecken.

Saisonstart der gefährlichen Zecken

Man kann auch ein Zeckenspray benutzen, aber hier wird die Wirkung irgendwann nachlassen. Nach einem Spaziergang sollte man seinen Körper immer nach Zecken absuchen und diese sofort entfernen. Die Tiere bevorzugen Haaransatz, Ohren, Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, Genitalbereich oder Kniekehle.

Baden-Württemberg: So wird eine Zecke richtig entfernt

Eine Zecke sollte möglichst schnell entfernt werden. Dafür sucht man entweder einen Arzt auf oder benutzt eine Zeckenzange. Wichtig: Das Tier muss vollständig entfernt werden. Man sollte deshalb direkt am Kopf ansetzen und den Achtbeiner herausziehen. Reißt der Kopf ab, sollte man ebenfalls zum Arzt. Die Zecke muss gerade und langsam aus der Haut entfernt werden. Bitte nicht drehen oder am dicken Körper anfassen. Dadurch könnte der Speichel in die Haut gedrückt werden. „Falls kein Zeckenentfernungsinstrument oder Desinfektionsmittel zur Hand ist sollte die Zecke trotzdem sofort entfernt werden“, so das RKI. (jol) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Daniel Reinhardt/dpa

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