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Ab 1. September Heizkostenzuschuss: „Nicht nur Rentner gehen leer aus“

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Von: Jason Blaschke

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Ab 1. September wird in Baden-Württemberg der Heizkostenzuschuss von mindestens 270 Euro ausbezahlt – doch nicht alle Geringverdiener sind berechtigt.

Die Folgen der Coronavirus-Pandemie, die Sanktionen gegen Russland im Ukraine-Krieg, aber auch die dadurch gedrosselten Gaslieferungen sind Gründe, warum viele Verbraucher in Baden-Württemberg und ganz Deutschland ihren Gürtel enger schnallen müssen. Alltags-Produkte, Kraftstoffe, Energie – nahezu jeder ist in einer Form betroffen. Und gerade Verbraucher mit geringem Einkommen treffen die Preisexplosionen besonders extrem.

HeizkostenzuschussBetrag in Euro (EUR)
Single-Haushalte270
Zwei- Personen-Haushalte350
für jedes weitere Haushaltsmitglied70

Baden-Württemberg zahlt Heizkostenzuschuss an mehr als 70.000 Haushalte aus

Im Frühjahr 2022 wurde daher als eine erste Reaktion das Entlastungspaket mit Energiepauschale, 9-Euro-Ticket und Tankrabatt von der Ampel-Koalition auf den Weg gebracht, das Problem: Die Maßnahmen laufen zum 1. September aus. Und eine Energiepauschale von 300 Euro soll nur einmalig im September ausbezahlt werden, ebenso der Heizkostenzuschuss. Im Unterschied zur Pauschale ist der Zuschuss allerdings auf einige wenige Bürger begrenzt, Rentner können aber auch an die Energiepauschale kommen.

Wie aus einer Mitteilung der Landesregierung in Stuttgart hervorgeht, sollen rund 74.000 Wohngeld-beziehende Haushalte von der Entlastung profitieren. Die Höhe dieser Heizkostenzuschuss-Zahlung ist abhängig von der Anzahl der Personen in einem Wohngeld-berechtigten Haushalt. Wohngeld berechtigt ist in Baden-Württemberg, wer „nicht über ein ausreichendes Einkommen verfügt, um seinen Wohnraum zu bezahlen“, heißt es auf service-bw.de dazu.

Die Bundesregierung verdoppelt den Heizkostenzuschuss.  (Symbolbild)
Der Heizkostenzuschuss (Symbolbild) soll die Verbraucher von den teuren Energiepreisen entlasten. © Jens Büttner/dpa

Heizkostenzuschuss ist in Baden-Württemberg gestaffelt – mindestens 270 Euro

Die Leistung muss separat beantragt werden und wird normalerweise 12 Monate lang ausbezahlt. Der Heizkostenzuschuss soll ab 1. September automatisch mit der Wohngeldzahlung auf die Konten der Berechtigten überwiesen werden. Genau wie das Wohngeld orientiert sich der Heizkostenzuschuss an der Größe der Haushalte. Sprich, je mehr Personen in einem Haushalt leben, desto größer fällt der Heizkostenzuschuss aus, eine Übersicht:

Ein Wohngeld berechtigtes Paar mit zwei Kindern kann im September somit 490 Euro Heizkostenzuschuss beziehen, welcher nicht auf das Wohngeld angerechnet wird. Sind die Eltern berufstätig, kommt im September jeweils noch die Energiepauschale von 300 Euro pro Arbeitnehmer hinzu, die anders als der Heizkostenzuschuss versteuert werden muss. Die grün-schwarze Landesregierung um Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) lobt die Entlastung.

Kritik an Heizkostenzuschuss auf Facebook: Viele Verbraucher gehen leer aus

„Der Zuschuss ist angesichts der stark steigenden Energiepreise eine wichtige Maßnahme, um einkommensschwächere Bürger, die Wohngeld erhalten, spürbar zu entlasten“, sagte Wohnungsbauministerin Nicole Razavi. Ihr zufolge können in Baden-Württemberg „voraussichtlich etwa 73.911 Wohngeld-beziehende Haushalte vom Heizkostenzuschuss profitieren“. Deutschlandweit wird die Zahl der Berechtigten auf etwa 710.000 Haushalte geschätzt.

Deutliche Kritik am Heizkostenzuschuss gibt es von der Facebook-Community. „Ich finde es sehr traurig, dass nur Menschen diesen Zuschuss bekommen, die Gelder vom Amt oder einer Behörde beziehen“, textet etwa eine Userin. Dazu ergänzt eine andere, dass auch Haushalte, die kein Wohngeld bekommen, von den enormen Kosten belastet sind. „Nicht nur Rentner und Azubis gehen leer aus“, ergänzt dazu eine weitere Facebook-Userin.

Opposition in Baden-Württemberg will mit „Energiegeld“ gezielt unterstützen

Kritik kommt zudem aus der Opposition im Landtag von Baden-Württemberg, der die Maßnahmen nicht weit genug gehen. „Wir müssen den Menschen unter die Arme greifen – nicht mit der Gießkanne, sondern ganz gezielt“ twitterte dazu der SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch. Seine Partei setzt sich für ein Energiegeld ein, das all jene bekommen sollten, die drohen in die Armut zu stürzen – unabhängig anderer Bezüge, wie Wohngeld.

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