„Kein Mythos“

Eisheilige in Baden-Württemberg: Frost-Peitsche im Mai – jetzt dringend Pflanzen schützen!

Kurz vor Sommerbeginn kommen die Eisheiligen vorbei und bringen niedrige Temperaturen nach Baden-Württemberg. Was das für unseren Garten bedeutet:

Baden-Württemberg – „Es reicht mit der Kälte“ – Wir alle freuen uns wohl nach dem frostigen April, wenn endlich die Sonne etwas rauskommt und die Temperaturen über 15 Grad ansteigen. Der diesjährige April ist so kalt, dass er Wetter-Rekorde vor über 90 Jahren schlägt. Doch so langsam scheint sich das frühlingshafte Wetter gegen den Winter-Wahnsinn durchzusetzen und es beschert uns schöne, sonnige Tage in Baden-Württemberg*. Doch wie jeder weiß wird es im Mai nochmal ziemlich kalt, denn dann kommen die Eisheiligen zu Besuch. Was bedeutet das aber für den heimischen, gepflegten Garten? Könnten dadurch Pflanzen erfrieren?

Eisheiligen in Baden-Württemberg: Wann drohen die kalten Tage im Mai?

Aber zunächst einmal, muss die Fragen geklärt werden, „wer“ die Eisheiligen überhaupt sind. Die Eisheiligen bezeichnen ein bestimmtes Wetterphänomen im Mai. Sie bringen ein letztes Mal Nachtfrost und Schnee bevor der Sommer startet. Der Name „Eisheiligen“ soll an fünf Bischöfe und Heilige erinnern, die im vierten und fünften Jahrhundert gelebt haben.

In Baden-Württemberg sind die Eisheiligen vom 11. bis 14. Mai. Zum Vergleich: In Norddeutschland dauern die Eisheiligen nur vom 11. bis 13. Mai an, wie HEIDELBERG24* berichtet. An jedem Tag wird an eine bestimmte Person gedacht. Diese Reihenfolge sollte dabei beachtet werden:

  • 11. Mai: Mamertus
  • 12. Mai: Prankratius
  • 13. Mai: Servatius
  • 14. Mai: Bonifatius
  • 15. Mai: Kalte Sofia

In Baden-Württemberg gilt die alte Bauernregel: „Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi. Und zum Schluss fehlt nie die Kalte Sophie.“ Diese Bauernregel kennen vor allem Bauern und Gärtner, die den Wetter*-Umschwung während der Eisheiligen berücksichtigen müssen. Allerdings hat die Genauigkeit dieser alten Bauernregel über die Jahrhunderte etwas nachgelassen. Grund: Der Klimawandel hat die Eisheiligen etwas milder gestimmt. „Die Eisheiligen sind kein Mythos. Es kann natürlich im Mai nochmal zu einem Kaltlufteinbruch kommen inklusive Frost und eventuell sogar Schnee. Das war im Mittelalter übrigens häufiger und intensiver der Fall. Durch den Klimawandel wird das bei uns eher seltener“, so Meteorologin Corinna Borau von Wetter.com. Die Expertin erklärt außerdem, dass die Eisheiligen eigentlich erst später sind als geplant. „Durch die gregorianische Kalender-Reform finden die Eisheiligen eigentlich acht Tage später statt – nämlich vom 19. bis zum 23. Mai“, so Borau weiter.

Eisheiligen in Baden-Württemberg: Was das für den Garten bedeutet

Doch egal, wann die Eisheiligen nach Baden-Württemberg kommen, wichtig ist das „Wie“. Denn je kälter, umso gefährlich könnte das für unsere Blumen- und Pflanzenwelt im Garten werden. Empfindliche oder junge Pflanzen könnten bei einem extremen Temperaturabsturz nämlich erfrieren und kaputtgehen. Ein guter Hobbygärtner weiß deshalb, dass man im Frühling nicht nur seine Pflanzen richtig zurückschneiden und düngen sollte, sondern auch den Garten für die Eisheiligen Wetter-fest machen muss. Doch wie stellt man das am besten an?

Gärtner sollten ihre Pflanzen vor den Eisheiligen schützen – das gilt auch für robuste Sorten. „Aufgrund der eventuell plötzlich auftretenden starken Temperaturschwankungen können enorme Schäden an den Pflanzen entstehen“, berichtet Wetter.com. Als kurzfristige Lösung eignet sich Vlies und Reisig, um Blumen und Co. zu schützen. Vlies sollte auch über Obstbäumen gelegt werden, da sonst Blüten erfrieren können. Wichtig hierbei: Tagsüber muss das Vlies entfernt werden, damit Bienen zu den Blüten gelangen können. Damit das Vlies nachts gut hält, sollte es etwas in die Erde gedrückt und mit schweren Steinen befestigt werden. Ratsam sind auch Mauersteine, die unter das Vlies gelegt werden, damit ein schützendes Luftpolster entsteht. Allerdings benötigen junge Pflanzen viel Licht, damit sie wachsen können. Zudem könnte sich unter der Abdeckung zu viel Feuchtigkeit bilden, was ebenfalls den Pflanzen Schaden anrichten könnte – hier also nicht übertreiben und immer ein Blick auf die Pflanzen werfen.

Es ist zudem ratsam, Gemüse- und Blühpflanzen erst nach den Eisligen ins Beet zu pflanzen. Auch andere nicht winterharten Blumen sollten weiterhin Winterruhe bekommen. Möhren, Erbsen, Spinat und Radieschen sowie Frühblüher wie Maßliebchen, Stiefmütterchen, Tulpen, Maiglöckchen und Ranunkeln können die Eisheiligen jedoch ohne jeglichen Schutz überstehen. Die Eisheiligen gelten für Gärtner außerdem als wichtiger Termin wenn es darum geht, die Pflanzenkübel nach dem Winter wieder nach draußen zu stellen.*

Eisheiligen in Baden-Württemberg: Garten fit machen – So wird das Wetter im Mai

Vom 11. bis zum 15. Mai kann es in Baden-Württemberg tatsächlich kalt werden, wie Corinna Borau erklärt. „Auch die Modelle zeigen uns im Mai ein paar kalte Variante. (…) Viele Wolken und Regen, da wird es mit dem Nachtfrost etwas schwierig“, sagt sie weiter. Es gibt aber auch Wetter-Modelle, die schönere Prognosen für den Mai zeigen. „Es wird uns auch eine Sommer-Variante vorgeschlagen. Auch hier der tiefe Luftdruck nördlich von uns, ein Hoch über dem Mittelmeer“, so die Wetter-Experten. Es ist also noch abzuwarten, ob die Eisheiligen mit einer Frostpeitsche vorbeikommen oder freundlich gestimmt schnell wieder von dannen ziehen. (jol) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa

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