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Die Tradition hinter Weihnachten: Ein Fest zwischen Kirche und Kommerz

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Von: Dominik Jahn

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Christmas at Rockefeller Center in New York
Weihnachten und die Tradition: Zwischen Kirche und Kommerz © dpa

Weihnachten ist das wohl beliebteste Fest des Jahres. Über die Jahrhunderte sind viele unterschiedliche Bräuche entstanden. Doch es gibt auch Kritik an der kommerziellen Entwicklung, weg vom christlichen Gedanken.

Winterzeit ist Weihnachtszeit. In Deutschland feiern die Menschen üblicherweise Weihnachten am 24. Dezember. Doch das wohl beliebteste Fest mit all seinen Traditionen und Bräuchen wird von den Menschen auf der ganzen Welt in ganz unterschiedlichen Arten und zu unterschiedlichen Zeiten gefeiert.

Dabei spielen für viele Familien die eigentlich christlichen Wurzeln inzwischen fast keine Rolle mehr. Für die meisten ist Weihnachten vielmehr einfach ein Fest der Familie und des Zusammenkommens. Mit der etwas freieren Auslegung kommen immer neue Bräuche dazu. Unterschiedliche Kulturen bringen Neues mit ein.

Weihnachten und die Geschichte der Geburt Jesus Christus

Laut dem Wissenschaftsmagazin National Geographic wird das Geburtsdatum von Christi Geburt in der Bibel nicht erwähnt. Es werde lediglich „von Marias unbefleckter Empfängnis und den bescheidenen Umständen der Geburt berichtet“. Die Jungfrau Maria wurde der Erzählung nach von Gott auserwählt, seinen einzigen Sohn auf die Welt zu bringen.

In einigen Ausführungen dazu ist die Rede davon, dass Marias Verlobter Josef, nachdem er davon erfahren hatte, sie nicht mehr heiraten wollte. Dann aber, so heißt es, sei ihm im Traum ein Engel erschienen, der ihm sagte, er solle sich nicht fürchten. Was allen Erzählungen gleich ist, ist die Tatsache, dass Maria und Josef sich auf eine lange, anstrengende Reise nach Bethlehem aufmachten, um an einer Volkszählung teilzunehmen.

25. Dezember: Tag der Geburt Christi und Weihnachten – Historiker sind uneins

Angekommen in Bethlehem, konnten Maria und Josef keine Unterkunft finden. So musste der Mann mit seiner hochschwangeren Frau im Stall eines Gasthauses übernachten. Dort kam dann auch der Sohn Gottes zur Welt. Maria legte ihn in eine Krippe. Den Erzählungen zufolge sahen die Engel und ein heller Stern ging am Himmel über der Scheune auf.

A Roman Feast (Saturnalia)
Gemälde eines klassichen römischen Fests Saturnalia im Jahr 336 n. Christus. © dpa/ Fine Art Images/Heritage Images

Laut National Geographic sind sich die Historiker aber „uneinig darüber, warum ausgerechnet der 25. Dezember mit der Geburt Christi verknüpft wird“. Was dem Bericht nach aber bekannt ist, ist die Tatsache, dass die christliche Kirche Roms bereits im Jahr 336 n. Chr. Weihnachten an diesem Tag feierte. Der Tag fiel mit dem römischen Bauernfest Saturnalia, das zu Ehren von Saturn zur Wintersonnenwende gefeiert wurde, zusammen. Der 24. Dezember, wird als auch Heiligabend oder Weihnachtsabend bezeichnet und ist der Vorabend des Weihnachtsfestes.

Erste Weihnachtsfeste und Winterfeste

Zahlreiche Überlieferungen zeigen, dass die Menschen schon immer auf der ganzen Welt Winterfeste gefeiert haben. Mit den Jahren und Jahrhunderten wurden viele der Bräuche ein Teil der weihnachtlichen Traditionen von heute.

Wie sich gezeigt hat, waren große Festessen schon ein Teil des nordeuropäischen Julfests zur Wintersonnenwende. Damals wurde über zwei Tage gefeiert und die Häuser mit Stechpalme und Mistel geschmückt. Dazu wurden Kerzen angezündet.

Weihnachten im Mittelalter

Ein Blick auf das Mittelalter zeigt einen hohen Stellenwert von Weihnachten. Wie das Fachmagazin schreibt, war das christliche Fest nicht nur sehr beliebt, „sondern auch reich an unterschiedlichen Bräuchen“. In England feierten die Menschen demnach die Geburt Jesu Christi gleich ganze zwölf Tage lang. Schauspiel, wilde Gelagen und Festzüge gehörten zur Tradition. Musik, Geschenke und festliche Dekoration wurden die Norm.

Dazu heißt es: „Die extravagantesten Feste fanden natürlich bei Hofe statt: Den Gästen des englischen Königs Heinrich III. wurden bei einem Weihnachtsfest im 13. Jahrhundert insgesamt 600 Ochsen serviert. Die Universitäten krönten jedes Jahr einen Weihnachtskönig, der während der Festtage über seine Mitstudenten herrschte. Hymnen und Lieder waren Teil jeder noch so bescheidenen Festivität.“

Deutschland nimmt Einfluss auf Weihnachten

Neben den Engländern liebte man auch in Deutschland Weihnachten. Hier wurden die Bräuche des ursprünglichen Winterfestes besonders gerne mit dem christlichen Feiertag zusammengebracht. Laut National Geographic hat eines der bekanntesten Weihnachtssymbole seinen Ursprung in Deutschland – der Weihnachtsbaum.

Dazu heißt es: „Er entwickelte sich aus dem heidnischen Brauch, Tannenzweige zu schmücken. In Deutschland etablierte sich der mit Kerzen und kleinen Geschenken geschmückte Tannenbaum im 19. Jahrhundert.“ Zu einem weltweiten Brauch wurde der Tannenbaum, als „die englische Königsfamilie, die deutsche Wurzeln hatte, ihren eigenen Weihnachtsbaum aufstellte“. Auch Adventskränze, Nussknacker und Weihnachtsmärkte wurden in Deutschland erfunden.

Weihnachten hatte in den USA einen schweren Start

Während in England und Deutschland die Menschen frei und ungezwungen Weihnachten feiern konnten, gab es in den USA in Massachusetts ein Weihnachtsverbot. Die Puritaner setzten dieses im Jahr 1659 in Kraft. Erst im Jahr 1681 wurde es wieder abgeschafft.

Puritanismus

Der Puritanismus war laut Definition eine vom 16. bis zum 17. Jahrhundert wirksame Bewegung in England, Schottland und später in Neuengland. Puritaner gelten grundsätzlich als besonders sittentreue Menschen. Die Bezeichnung ist allerdings oft eher abwertend behaftet und soll ausdrücken, dass die Ansichten, Sitten und Überzeugungen nicht mehr zeitgemäß, kleingeistig oder überzogen sind.

Dem Wissenschaftsartikel zufolge spielte „das Weihnachtsfest in den Vereinigten Staaten ohnehin erst mit dem Beginn des Bürgerkriegs eine größere Rolle, als vielerorts eine Rückbesinnung auf die Bedeutung von Heimat und Familie stattfand. Im Jahr 1870, nach Ende des Kriegs, erklärte der Kongress Weihnachten zum ersten nationalen Feiertag der USA“.

Im Jahr 1890: Der Weihnachtsmann entsteht in Amerika

Weihnachten kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts endgültig mit den Immigranten und der großen Einwanderungswelle in die Vereinigten Staaten. Sie brachten ihre eigenen Weihnachtstraditionen mit. Wie National Geographic schreibt, steht in der „Weihnachtsenzyklopädie“ des Historikers William D. Crump, dass dadurch „eine Art Schmelztiegel der Weihnachtsbräuche, in dem die Einflüsse unterschiedlicher Kulturen sich zu einheitlichen Feierlichkeiten verbanden, die zu Hause mit der Familie begangen wurden.“ Und so entstand auch Santa Claus, die amerikanische Version des Weihnachtsmanns.

Der Ursprung des Weihnachtsmanns

Der Weihnachtsmann, wie man ihn heute kennt, entstand nach mehreren Überlieferungen nach dem Heiligen Nikolaus von Myra, einem griechischen Bischof, der im 3. Jahrhundert lebte. Der beleibte Mann mit dem weißen Bart und rentiergezogenen Schlitten, der Kindern auf der ganzen Welt zu Weihnachten Geschenke bringt.

Förmlich zur Vollendung brachten die Idee mit dem Weihnachtsmann die amerikanischen Dichter wie Washington Irving und Clement Clarke Moore. Inspiriert wurden diese, nachdem deutsche und niederländische Einwanderer ihren Glauben im 18. und 19. Jahrhundert in die USA gebracht hatten.

Weihnachtsmann
Ein Foto eines Santa Claus, wie man ihn noch heute kennt. © dpa/ Alexander Becher

Der National Geographic schreibt dazu: „Sein unverwechselbares Aussehen prägte der Zeichner Thomas Nast, dessen Illustrationen europäischer Volksweisen den Weihnachtsmann bald überall auf der Welt bekannt machten. Im Jahr 1890 war der Kaufmann James Edgar der Erste, der sich mit rotem Mantel und weißem Bart als Weihnachtsmann verkleidete, um die Kinder in seinem Kaufhaus in Brockton, Massachusetts, zu begrüßen.“ 

Weihnachten mit Lichterketten und Geschenken

Was mit Kerzen begann, wird heute mit Lichterketten fortgeführt. Der Erste, der einen Weihnachtsbaum mit einer Lichterkette schmückte, war laut Artikel Edward H. Johnson. Johnson war Geschäftspartner von Thomas Edison, dem Erfinder der Glühbirne. Edison entwickelte demnach auch die erste Lichterkette. Und Johnson hängte diese im Jahr 1882 erstmals in einen Weihnachtsbaum.

Auch alles Weitere an Dekoration, Geschenke und Karten sind nicht mehr wegzudenken vom Weihnachtsfest. Interessanterweise wurden Geschenke bis ins 20. Jahrhundert nur ganz einfach in braunes Packpapier gewickelt. Buntes Geschenkpapier kam erst dazu, als dem Kaufmann Rollie B. Hall in seinem Geschäft zur Weihnachtszeit das Papier ausging. Er griff dann laut National Geographic „auf das bedruckte Innenfutter von Briefumschlägen“ zurück.  

Bei heute bekannten Leckereien zu Weihnachten, half ein Märchen nach. Nachdem, so heißt es, „die Gebrüder Grimm im frühen 19. Jahrhundert die Geschichte von Hänsel und Gretel veröffentlicht hatten, wurden in Deutschland Lebkuchenhäuser beliebt“

Kritik am heutigen Weihnachten: Das Fest wird zum Kommerz

Eine Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Gallup aus Amerika hat im Jahr 2019 gezeigt, dass etwa nur „neun von zehn Amerikanern Weihnachten feiern würden – aber nur 35 Prozent von ihnen gaben an, dass das Fest für sie eine ‚stark religiöse‘ Bedeutung hätte.“ Kritiker sehen darin die ganz klare Abkehr vom Feiertag christlichen Ursprungs, hin zum kommerzialisierten Fest.

Der weniger religiöse Gedanke, kann laut National Geographic aber auch positiv betrachten: „Mit seiner Mischung aus heidnischen, religiösen und modernen Traditionen ist Weihnachten inzwischen ein Fest für alle geworden“.

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