Verkehrssicherheit

Neues Verkehrsschild: Überwachung auf Autobahn kann richtig teuer werden

  • VonJulian Kaiser
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Um gegen die Nutzung des Smartphones am Steuer vorzugehen, hat die Polizei ein neues Überwachungssystem getestet. Das sollten Autofahrer ernst nehmen.

Ein Griff zum Handy und schon ist es zu spät – immer häufiger ereignen sich Unfälle durch Handynutzung am Steuer. Mit den bekannten „tipp tipp tot“ oder „Finger weg vom Handy“-Plakaten warnen der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) und das Bundesverkehrsministerium davor, während der Fahrt zum Handy zu greifen. Mit einem neuen Überwachungssystem und einem neuen Verkehrsschild im Straßenverkehr wird Smartphone-Nutzern am Steuer nun erneut der Kampf angesagt.

Wer bei der Autofahrt zum Handy greift, um „mal eben“ eine so verlockend aufleuchtende Nachricht zu lesen oder eine neue zu schreiben, bringt nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer in Lebensgefahr.

Straßenverkehr: Immer mehr Autounfälle durch Handynutzung am Steuer

Das belegen auch die Zahlen, wenngleich Corona laut auto-motor-und-sport im Jahr 2021 insgesamt für weniger Verkehr und damit auch weniger Verkehrsunfälle gesorgt hat: Laut besmart-mobil ereignen sich „mehr und mehr Unfälle durch das Handy am Steuer.“ Allein 100.000 Zusammenstöße pro Jahr, 500 Tote und 25.000 Verletzte soll der Griff zum Handy beim Fahren verursacht haben.

In der Vergangenheit gab es schon Initiativen, um Autofahrer über die Gefahren bei der Nutzung des Smartphones am Steuer aufzuklären. Der TÜV Süd und der Automobilclub „Mobil in Deutschland e.V.“ haben dafür die Verkehrssicherheitskampagne „BE SMART! Hände ans Steuer – Augen auf die Straße“ ins Leben gerufen.

Straßenverkehr: Neues Überwachungssystem soll Smartphone-Nutzer schnappen

Dadurch sollten vor allem junge Autofahrer laut besmart-mobil für einen „bewussten Umgang mit dem Smartphone im Straßenverkehr“ sensibilisiert und angesichts der damit verbundenen Gefahren wachgerüttelt werden. Doch nun ergreift die Polizei im Raum Trier eine Maßnahme, die über die Informations- und Aufklärungsarbeit hinausgeht, wie RUHR24 berichtet.

Wie die DPA berichtet, will die Polizei ab dem 1. Juni durch ein in den Niederlanden an der Universität Utrecht entwickeltes Kamera-Überwachungssystem Handynutzer am Steuer auf frischer Tat ertappen und zur Kasse bitten. Dabei erkennt das 20.000 Euro teure System „Monocam“, wenn ein Autofahrer zum Handy oder Tablet greift.

Hat das System im Livestream einen Autofahrer mit Handy am Steuer durch eine entsprechende Handhaltung erkannt, macht die Kamera, die laut ADAC hochauflösend, mobil einsetzbar und zu jeder Tageszeit funktionsfähig sind, automatisch ein Foto des Verkehrssünders. Dieses wird dann direkt an einen in der Nähe stehenden Polizeiwagen übertragen.

Straßenverkehr: Handy-Autofahrern droht ein Bußgeld und ein Punkt in Flensburg

Anschließend werden die Bilder von geschulten Polizisten an einem Hochleistungs-Laptop ausgewertet und die Fahrer mit einem Bußgeld von 100 Euro und einem Punkt in Flensburg im Fahreignungsregister bestraft. Wer mit dem Handy am Steuer einen Unfall verursacht, muss sogar unter Umständen ins Gefängnis.

Ganz ins offene Messer fahren Autofahrer allerdings nicht: Durch Verkehrsschilder, auf denen ein Kamera-Piktogramm, der Hinweis „Überwachung Handyverbot“ sowie eine Kilometer-Angabe zu sehen sind, werden Autofahrer auf die Kontrolle hingewiesen.

Nach diversen Kampagnen gegen Handynutzung am Steuer, folgt nun ein neues Überwachungssystem aus den Niederlanden. Hier an der A60.

Vom neuen Pilotprojekt, das zunächst für drei Monate im Raum Trier und dann genauso lang in Mainz zur Anwendung kommt, versprechen sich die Initiatoren sehr viel. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) formulierte bei der Vorstellung des Projekts das ambitionierte Ziel „Vision Zero: null Verkehrstote bis 2050“.

Straßenverkehr: Pilotprojekt in den Niederlanden entwickelt

Dass der Griff zum Handy beim Fahren für viele Autofahrer verlockend sei, ist den Initiatoren durchaus bewusst. „Jeder weiß, dass man das besser nicht machen sollte. Aber das Bedürfnis nach dem Handy zu greifen, ist halt doch zu groß“, erklärt Marcel Masselink von der niederländischen Polizei.

In den Niederlanden sind laut der Zeit bereits 20 Überwachungsgeräte im Einsatz, andere Länder seien auch schon an der Technik interessiert.

Dass das halbe bis ein Prozent aller Autofahrer, die laut Masselinks Schätzung das Handy am Steuer nutzen, auch in Zukunft durch das System wirklich erfasst werden können, zeigt ein erster Test. Bei dichtem Verkehr an der Autobahn 60 bei Mainz seien Mitte Mai bereits 20 Verstöße pro Stunde festgestellt worden – ein erster Erfolg für die Polizei und die Projektentwickler.

Rubriklistenbild: © Manngold/Imago

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