Öl-Embargo gegen Russland

Benzin-Knappheit im Juni wegen Spritpreis-Bremse? Ansturm „wird historisch“

Das Öl-Embargo der EU gegen Russland könnte für deutsche Tankstellen schwerwiegende Folgen haben. Das fürchtet der Vorsitzende des Bundesverbands Freier Tankstellen.

Der Vorschlag zum Öl-Embargo der EU sieht ein vollständiges Einfuhrverbot für sämtliches russisches Öl vor. Das könnte für Verbraucher und Unternehmen in Deutschland und Europa problematisch werden. Außerdem soll im Zuge des Entlastungspakets der Bundesregierung wegen des Ukraine-Konflikts am 1. Juni der Tankrabatt kommen. An den Tankstellen soll Benzin dann um 36 Cent, Diesel 17 Cent günstiger werden. Das hört sich für Verbraucher erst einmal gut an. Doch der Vorsitzende des Bundesverbandes Freier Tankstellen, Duraid El Obeid, fürchtet Lieferengpässe.

El Obeid ging im Interview mit der Wirtschaftswoche davon aus, dass von den Raffinerien in Schwedt und Leuna zeitweise weniger Öl zu erwarten sein könnte. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) fürchtet ebenfalls eine Benzin-Knappheit und steigende Preise in Deutschland und nannte in diesem Zusammenhang die Raffinerie in Schwedt, wie er bereits am Mittwoch (4. April) in der Fernsehsendung RTL Direkt sagte.

Die PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt verarbeitet hauptsächlich russisches Öl, der Mehrheitseigentümer ist der russische Staatskonzern Rosneft, das Öl kommt über die Ölpipeline Druschba aus Russland. Wie der MDR berichtet, hatte der französische Energieriese schon im März angekündigt, bis zum Jahresende kein russisches Erdöl mehr zu kaufen.

Im Zuge des Entlastungspakets soll Benzin günstiger werden. Das könnte zu einem Ansturm an Tankstelle führen.

Spritpreis-Bremse: Tankstellen müssen Anfang Juni mit hohem Andrang rechnen

Duraid El Obeid, der 140 Tankstellen unter der Marke Sprint im Großraum Berlin betreibt, habe sich auf die möglichen Einschnitte bei Öl-Lieferungen vorbereitet. Denn auch die Sprit-Tankstellen würden zum Großteil mit Öl aus den Raffinerien in Schwedt und Leuna versorgt. Die Transportkapazitäten seien gesichert, zum Beispiel auf Binnenschiffen und Kesselwagen. „Damit haben wir vor vier Wochen begonnen. Das würde es uns erlauben, Mineralöl etwa aus Hamburg nach Berlin zu transportieren“, sagte El Obeid der Wirtschaftswoche. So sollen Tankstellen in Berlin weiterhin mit Kraftstoff versorgt werden können.

Trotzdem fürchtet El Obeid einen Ansturm auf deutsche Tankstellen, wie hna.de berichtet. Am 1. Juni führt die Bundesregierung den Tankrabatt im Zuge des Entlastungspakets ein. Damit sollen die wegen des Angriffs Wladimir Putins auf die Ukraine gestiegenen Energiekosten ausgeglichen werden. Der Vorsitzende des Bundesverbandes Freier Tankstellen geht davon aus, dass Verbraucher deshalb nicht Ende Mai tanken werden, sondern im Juni, wenn der Benzinpreis niedriger ist. „In dieser Zeit brauchen alle Tankstellen noch mehr Kraftstoff. Der Run auf die Tankstellen wird historisch“, wird El Obeid zitiert. Vor allem für Kleinunternehmer könnte die Spritpreis-Bremse zu einem Problem werden.

MonatDieselSuper E10
April 2020108,2 Cent/Liter117,1 Cent/Liter
April 2021130,9 Cent/Liter146,6 Cent/Liter
April 2022202,4 Cent/Liter197,0 Cent/Liter
Quelle: ADAC

Die Benzinpreise könnten wegen des Öl-Embargos gegen Russland wieder steigen

Kleinunternehmen kaufen Diesel und Benzin meist über Spotmärkte und nicht über Jahresverträge, erklärt El Obeid. Doch der Spotmarkt sei seit zwei Monaten geschlossen worden, was den Benzin- und Dieselkauf erheblich erschwere. Kleine Unternehmen, die nur eine handvoll Tankstellen betreiben, müssten deshalb Mineralöl von Händlern oder direkt von Mineralölkonzernen beziehen. Sie seien aber darauf angewiesen, was am Markt gerade verfügbar ist. „Die Einkaufspreise sind hoch, die Banken fordern für Kredite zur Vorfinanzierung mehr Sicherheiten.“

Wegen des Öl-Embargos gegen Russland könnte der Sprit trotz Tankrabatt an einigen Tankstellen teurer werden.

Einige Tankstellen könnten schon bald zeitweise nicht genug Mineralöl einkaufen, wird El Obeid zitiert. Ob das aber dazu führen würde, dass Tankstellen gar kein Benzin oder Diesel mehr anbieten könnten, sei unklar. Allerdings könnten dadurch die Spritpreise wieder steigen. Ein Grund dafür: Der Transport. Müsste Tankwagen, die den Kraftstoff transportieren, einen weiten Weg zurücklegen, mache sich das im Benzinpreis bemerkbar. El Obeid rechne bald wieder mit Preisen über zwei Euro pro Liter für Benzin. Es gibt aber einige Tipps, mit denen günstig Tanken möglich ist. (Natascha Terjung)

Rubriklistenbild: © Sebastian Willnow/dpa

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