1. echo24
  2. Leben
  3. Verbraucher

Strompreis-Skandal: Verbraucher zahlen, Unternehmen machen mehr Gewinn

Erstellt:

Von: Tobias Becker

Kommentare

Ab Oktober steigt der Strompreis, doch Energie-Riese EnBW spricht von stabilem Ergebnis zum Halbjahr. Für viele Menschen ist das ein Skandal.

Mitte August gab es für viele Stromverbraucher in Heilbronn und der Region den Schock: Energieriese EnBW verschickte Briefe und E-Mails, in denen über die Preiserhöhung ab 01. Oktober informiert wurde. Dabei handelt es sich um stolze 10,02 Cent pro Kilowattstunde. Die Beschaffungspreise sind zum Teil schuld an der Misere, aber es gibt noch einen ganz anderen Skandal im Strom- und Gasgeschäft.

UnternehmenEnBW Energie Baden-Württemberg AG
BrancheEnergieversorgung
HauptsitzKarlsruhe
Gründung1997

EnBW erhöht Preise: Deshalb ist es ein Strompreis-Skandal

Am 05. August vermeldete EnBW die Strompreis-Erhöhung per Pressemitteilung mit dem Titel „Massive Kostensteigerung bei der Strombeschaffung zwingen EnBW zur Preiserhöhung beim Haushaltsstrom“. Eine Woche später gab es eine Mitteilung des Konzerns, der bei vielen Familien Fragen aufwerfen dürfte: „EnBW mit stabilem Ergebnis zum Halbjahr 2022 trotz großer Schwankungen an den Energiemärkten“.

Der „Skandal“, wie Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW es gegenüber Wirtschaftswoche nennt, liegt im Vorgehen und den Gewinnaussichten der Energie-Unternehmen. So beanspruchen Gas-Importeure über die Gasumlage Geld, halten jedoch ihre Gewinnprognose aufrecht, heißt es dort. Ganz vorne mit dabei: Die EnBW, die trotz der Schwankungen am Markt mit rund drei Milliarden Euro rechnen. Und zusätzlich auch noch den Strompreis erhöhen!

Strompreis-Skandal: Das Problem mit der Gasumlage

Ein Schlag ins Gesicht für alle Privatkunden, die ohnehin schon unter der Mega-Inflation leiden. Doch liegt das Problem wirklich bei der EnBW oder doch eher an einer Lücke im Gesetz? Die Antwort: An beidem zum Teil, denn der Karlsruher Stromanbieter müsste keine Vorteile aus der Lücke ziehen, die es aber erst möglich macht. Das Problem am reformierten Energiesicherungsgesetz (EnSiG) liegt an der Regelung der Umsetzung – oder vielmehr: der nicht-Regelung.

So heißt es, dass die Verordnung zwar vorsieht, Insolvenzen zu verhindern, allerdings gibt es darin keinerlei Andeutung, dass keine Gewinne auf Kosten der Verbraucher gemacht werden dürfen. Eine Insolvenz zu verhindern und Gewinne zu steigern oder Risiken doppelt und dreifach abzusichern, sind zwei völlig unterschiedliche Ziele. EnBW soll laut Wirtschaftswoche auch deshalb in der Kritik stehen, da der Konzern über die Tochterfirma VNG in den Gasumlagen-Genuss kommen soll.

Strompreis-Skandal: Das Problem beginnt schon bei der Verordnung

Nur wird das denn alles gar nicht geprüft? Es gibt eine ganze Menge Fragen auf der Checkliste. Die einzige Frage, die anscheinend nicht gestellt wird, aber so wichtig wäre für den Bezug der Gasumlage, lautet: Ist das Unternehmen tatsächlich in Gefahr? Nun ist es sicher nicht einfach für EnBW und ähnliche Unternehmen, offen und direkt eine mögliche Notsituation zuzugeben. Die Erklärung der Preiserhöhung seitens EnBW ist auch sinnvoll formuliert.

Der Aufschrei aus der Bevölkerung sowie die Angst wären vermutlich groß. Die Verordnung könnte jedoch noch mal überarbeitet werden. So erklärt Verbraucherschützer Udo Sieverding gegenüber Wirtschaftswoche: „Offenbar ist die Verordnung der Bundesregierung nicht so formuliert, dass sie Missbrauch verhindern kann. Die Bundesregierung sollte die Verordnung prüfen und überarbeiten.“ Ob das jedoch der Fall sein wird, ist eher unwahrscheinlich.

Auch interessant

Kommentare