Spurwechsel, Alternativrouten und Überholen: Nicht alles ist hilfreich

Stau auf der Autobahn: Diese Irrtümer sollten Autofahrer kennen

  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
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Auf der Autobahn: Gerade in der Ferienzeit drohen Staus. Experten klären darüber auf, was definitiv keine Vorteile bringt.

Stau. Wer gerade in der Ferienzeit mit dem Auto unterwegs ist, der muss nicht nur die Zahlen und ihre Bedeutung auf den Autobahnschildern kennen. Man muss vor allem wissen, dass in der Regel immer auch zähfließender bis stehenden Verkehr droht. Oft geht einfach nix mehr. Jetzt gilt es, Ruhe zu bewahren. Es gibt zehn Stau-Irrtümer, die Autofahrer kennen müssen.

Laut dem Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) und der Staubilanz für 2021 gab es 346.500 Stunden Stillstand auf deutschen Autobahnen. Die Stunden verteilen sich dabei auf 685.000 Staus. Das waren laut Angaben rund ein Drittel mehr als 2020. Insgesamt reihten sich die Autos damit auf eine Gesamtlänge von 850.000 Kilometer. Am häufigsten kam es zu Staus auf der A12 zwischen Berlin und Frankfurt.

Stau-Irrtum auf der Autobahn: So steht‘s um den Spurwechsel

Wer mit seinem Auto in den Ferien auf einer Autobahn in einen Stau gerät, muss einige Dinge beachten. Laut Experten gibt es zahlreiche Irrtümer, die, anders als gedacht, nicht helfen, besser aus der Nummer wieder herauszukommen. Hektik ist dabei grundsätzlich nicht angebracht. Wer anfängt und ständig wie wild versucht, die Spur zu wechseln, weil es auf der anderen Spur gefühlt immer schneller vorangeht, der sorgt unwissentlich für noch mehr stockenden Verkehr auf der Autobahn.

Die Anzahl der Staus im Jahr 2021

Gegenüber dem Nachrichtenportal Der Westen erklärt Stauforscher Professor Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen ständiges Wechseln als „Fehler“: „Ständige Spurwechsel sind für den Verkehrsfluss hinderlich, weil Einzelpersonen dadurch die Stauwelle nach hinten noch verstärken.“ Schneller ist man zudem auch nicht. Schrenkenberg: „In der Regel hat man auch nach einer halben Stunde die gleichen Fahrzeuge um sich.“

Autobahn: Vorteil durch das Umfahren des Staus - Irrtum

Viele Autofahrer vertrauen bei Staumeldungen häufig auf ihr Navigationsgerät. Eine Tatsache, die sich allzu häufig als Fehler erweist. Dass eine alternative Route immer besser ist, ist ein klassischer Stau-Irrtum. Auch die Experten vom Automobil-Club Verkehr (ACV) erklären dazu, dass es sich in vielen Fällen nicht lohnt, von der Autobahn abzufahren.

Solange es keine Vollsperrung sei, „kann sich ein Stau schneller wieder auflösen als man denkt. Wenn man sich dazu entscheidet abzufahren, ist es oft ein Glücksspiel, ob man schneller ist oder nicht“. Auch auf den Alternativstrecken kann es plötzlich zu stark erhöhtem Verkehrsaufkommen kommen. Nicht nur das eigene Navi bietet diese Strecke an. Diese Routen sind dabei meist nicht für viel Verkehr ausgelegt.

Dem Bericht zur Folge gilt: „Wenn nur ein Zehntel der Fahrzeuge einem Autobahnstau ausweichen, kann das den Verkehr der nachgeordneten Straßen zum Erliegen bringen. Knackpunkt auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen sind dabei besonders die Kreuzungen und Ampeln.

Wenn es sich auf der Autobahn staut: Lücken sollten zugefahren werden

Ein großes Problem ist der Umgang der Autofahrer untereinander. So macht der Fachmann deutlich, dass es im Stau meist mehr um Konkurrenz, denn um Kooperation geht. Ergibt sich eine Lücke in der eigenen Spur, dann wird versucht, diese möglichst schnell wieder zu schließen. Lücken müssen nicht schnell gefüllt werden – ein absoluter Stau-Irrtum.

Es gilt: Je konstanter die Geschwindigkeit gehalten wird, desto besser läuft der Verkehr. Schreckenberg: „Jede Tempoveränderung ist für ein Gesamtsystem schädlich. Am besten wäre es, alle Fahrzeuge würden sich gleichmäßig bewegen.“ Die Realität sieht anders aus, es ist ein Gasgeben und Bremsen.

Autobahn: Stau verhindern durch schnelles Einfädeln nach Überholen – Irrtum

Bei den Gründen für einen Stau auf einer Autobahn liegt laut dem Stauforscher der Universität Duisburg-Essen das Hauptproblem nicht bei Baustellen und Unfällen. Bis zu 60 Prozent „entstehen durch Überlastung auf der Straße“. Laut Schreckenberg kann eine Fahrspur auf der Autobahn etwa 1.500 Fahrzeuge pro Stunde verkraften.

Zu Staus kommt es dann, wenn Autofahrer unachtsam werden. Häufig werden Sicherheitsabstände nicht ausreichend eingehalten. Gerade „beim Wiedereinscheren nach dem Überholen“ kommt es immer wieder zu Problemen. Die Formel für den Sicherheitsabstand lautet grundsätzlich: halber Tacho. Bei 100 Kilometern pro Stunde wären das 50 Meter Abstand – dem Bericht nach auch etwa zwölf Auto-Längen. Oft wird sich bereist gefühlt auf Höhe des Kühlergrills wieder reingedrängt. Der Überholte muss bremsen. Es folgt eine Reihe von Bremsungen – und dann der Stau.

Kilometerangaben für den Stau: Einschätzung ist ein Irrtum

Eine Angabe der Staulänge in Kilometern ist trügerisch. Wie Michael Schreckenberg erläutert, sagen diese Angaben nichts aus: „Beim Stau kommt es auf die interne Geschwindigkeit an.“

Ein Stau mit Pendlern lässt sich laut Experten besser verkraften, als ein Stau mit Urlaubern. Schreckenberg erklärt gegenüber Der Westen: „Ortskundige oder Pendler verhalten sich effektiv.“ Reisende verhalten sich dagegen „nicht so optimal“. Wer auf den bekannten Urlaubsautobahnen unterwegs ist, der wird zwangsläufig in einem Stau landen. Lange Fahrtzeiten führen zu Unkonzentriertheiten, die zu Staus führen.

Im Stau stehen vermeiden: Dazu rät der Stauforscher

Wer seinen Urlaub plant, der sollte den Start in die Ferien nicht an einem Wochenende beginnen. Der Fachmann rät dazu, unter der Woche die Fahrt über die Autobahnen anzugehen. Zu diesen Zeiten sind eben mehr Pendler unterwegs – die Stau-Profis. Am Wochenende sieht Schreckenberg zu viel Freizeitverkehr auf den Straßen.

Rubriklistenbild: © Peter Steffen/dpa

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