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RS-Virus, Grippe und Co.: Corona-Maßnahmen schuld an der Krankheitswelle?

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Von: Tobias Becker

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Das RS-Virus, die Grippe, Corona – Baden-Württemberg wird von einer heftigen Krankheitswelle heimgesucht. Über die Gründe wird viel diskutiert. Ein Argument: Die Corona-Maßnahmen der letzten Jahre haben das Immunsystem geschwächt. Aber was ist da dran?

Eine Krankheitswelle fegt über Baden-Württemberg. Das RS-Virus, die Grippe, Corona und die üblichen Erkältungen ziehen ihre Kreise und sorgen für massive Krankheitsstände. Teilweise war jeder Neunte in Deutschland von einer Krankheit betroffen. Das sorgt auch in der Wirtschaft für Verluste, in Familien für Probleme bei der Kinderbetreuung, im Sport für Spielerausfälle.

Der Medikamenten-Mangel in Apotheken macht die Situation nicht besser. Doch hat die extreme Krankheitswelle etwas mit den Corona-Maßnahmen der letzten Jahre zu tun, wie es derzeit häufig diskutiert wird?

RS-Virus, Grippe und Co.: Sind die Corona-Maßnahmen schuld an der Krankheitswelle?

Die Diskussion ist in vollem Gange. Ob in der Familie, im Verein, bei der Arbeit - überall sind die Krankheiten von RS-Virus bis Grippe ein Thema. Oftmals sind die Corona-Maßnahmen ein Argument für die heftige Welle. Heißt: Durch Maskenpflicht, Abstand und Lockdowns wäre das Immunsystem schwächer geworden und nichts mehr gewohnt. Doch ist das wirklich so?

Die „Verkümmerung des Immunsystems“, so lässt sich in den sozialen Medien häufig lesen, ist für einige Experten jedoch kein Grund für die Krankheitswelle, die aktuell in Baden-Württemberg ihr Unwesen treibt. So seien Krankheitswellen mal stärker, mal schwächer. Aktuell gibt es demnach viele Infekte, aber Spekulationen, woher diese kommen, bringen einen nicht weiter. Anders als beispielsweise Grippe-Impfungen oder Hygieneregeln, wie Frank Eickmann vom Landesapothekerverband gegenüber echo24.de erklärt hat.

RS-Virus, Grippe und Co.: Viren in diesem Jahr aggressiv

Der Pressesprecher und stellvertretende Geschäftsführer des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg sagt ebenfalls: „Die Virusgrippe ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich.“ So gibt es Jahre, in denen kaum etwas stattfindet, da das Virus nicht so aggressiv ist. Dafür gibt es aber auch die Jahre, in denen es viele Fälle gibt – so wie 2022.

Hinzu kommt, dass die Krankheitswelle bereits vergleichsweise früh dran ist. Ob ein Höhepunkt der Krankheitswelle nach dem Jahreswechsel noch kommt, sei aber nicht abzusehen. Aber: Die Ansteckungsgefahr ist erhöht, weil es derzeit viele erkrankte Menschen in Baden-Württemberg gibt. Ob die Corona-Maßnahmen der letzten Jahre daran schuld sind oder nicht, ist wieder eine andere Sache.

BundeslandBaden-Württemberg
LandeshauptstadtStuttgart
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann
Bevölkerung11,07 Mio.

RS-Virus, Grippe und Co.: Kinder mit schwachem Immunsystem wegen Coronazeit?

Gerade Eltern blicken in die Kindertagesstätten, Kindergärten und Schulen, wo die Kleinen in Kontakt mit anderen kommen. Vor allem in Kindergärten werden Kinder häufig auch mit Rotznase und Husten geschickt, da die Betreuung zu Hause kaum gegeben ist, wenn beide Elternteile arbeiten müssen. Das RS-Virus ist vor allem für Kinder gefährlich, bei einer Grippe sollten sich alle - auch jetzt noch - mit einer Impfung schützen, vor allem aber ältere Menschen.

Die Diskussion, ob die Corona-Maßnahmen der vergangenen Jahre an der jetzigen Krankheitswelle schuld ist, dürfte Kinder kaum betreffen. Denn: Kinder mussten bis zum sechsten Lebensjahr keine Maske tragen, wurden also dennoch Viren ausgesetzt, auch wenn weniger im Umlauf waren.

Krankheitswelle in Deutschland: Kam die Immunitätsauffrischung zu kurz?

Etwas anders sieht es beispielsweise Ralf van Heek, schleswig-holsteinischer Vorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Er sagte dem „NDR“ bereits Ende November, dass es zur Entwicklung des Menschen dazugehöre, sich mit Viren und Bakterien auseinanderzusetzen.

„Nach einer ersten Infektion mit einem bestimmten Virus bleibt dann eine gewisse Immunität, die dann jährlich in den Infektionswellen immer wieder aufgefrischt wird“, so van Heek. Aber: Da auch die Maskenpflicht den Kontakt mit Viren und Bakterien eingeschränkt hat, sei die Auffrischung dieser Immunität in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen.

Krankheitswelle in Baden-Württemberg: Risiko der Ansteckung senken

Eine „akademische Diskussion“, wie sie der Heilbronner Ärztesprecher Martin Uellner nannte, hilft letztlich auch nicht gegen die Krankheitswelle in Baden-Württemberg. Ganz im Gegensatz zum Einhalten diverser Hygieneregeln, die zumindest das Risiko einer Ansteckung etwas einschränken.

So sieht es auch der Präsident des Robert-Koch-Institutes (RKI) Lothar Wieler. Auf Twitter schreibt er: „RSV, Grippe und Covid-19 führen aktuell zu vielen Krankheitsausfällen. Covid-19 und Grippe-Impfung nach Stiko-Empfehlungen, bei Krankheit möglichst wenig Leute treffen, bei Treffen Maske tragen sowie gute Handhygiene - das alles reduziert die Krankheitslast.“

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