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Weniger Promille dank Pille? Anti-Kater-Mittel soll bei Hangover helfen

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Von: Tobias Becker

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Nach dem Feiern folgt der Kater, aber damit könnte bald Schluss sein. In Großbritannien wurde eine Anti-Kater-Pille zugelassen. Was steckt dahinter?

Am Wochenende im Kleinen, mit Freunden oder auf der Party in Heilbronn, in der Kneipe nebenan oder auf einem Konzert oder Fußballspiel des VfB Stuttgart – es passiert immer wieder mal, dass es doch ein Bier oder Wein zu viel wird. Der Kater am folgenden Tag ist wiederum die sanfte Erinnerung des Körpers daran, beim nächsten Mal vielleicht doch etwas weniger zu trinken. Doch was wäre, wenn man mehr trinken könnte, ohne einen Kater zu riskieren?

Schneller Alkohol abbauen: So soll die Anti-Kater-Pille funktionieren

In Großbritannien wurde nun eine Pille auf den Markt gebracht, die einem Kater vorbeugen soll. Gehören Übelkeit, Kopfschmerzen und Karussellfahren der Vergangenheit an oder ist es doch Pillepalle? Das „Wundermittel“, wenn es denn wirklich eines ist, nennt sich „Myrkl“ und kommt aus Schweden. Sie wird als „die Pille vor dem Trinken, die funktioniert“ beworben. Heißt auch: Man muss sie VOR dem Trinken anwenden. Ein spontanes Bechern wird also schwer möglich sein.

Zwei Anti-Kater-Pillen rund zwölf Stunden vor dem Genuss sollen reichen, dann baut sich in einer Stunde rund 70 Prozent des Alkohols ab. „Das bedeutet, dass bei einem Alkoholkonsum von 50 Millilitern 40-prozentiger Spirituose, die 20 Milliliter reinen Alkohol enthält, nur 6 Milliliter des Alkohols in die Blutbahn gelangen. Das ist dasselbe, als hätte die Person nur 15 Milliliter Spirituosen getrunken“, wie fitbook.de vorrechnet.

Briten lassen Anti-Kater-Pille zu: Inhaltsstoffe und Schwächen in der Studie

Klingt wahrscheinlich ziemlich gut für alle, die dem Alkohol hin und wieder frönen. Doch wirkt die Anti-Kater-Pille „Myrkl“ nun? Beim Betrachten des Inhalts fallen einige bekannte Stoffe auf. So ist die Aminosäure L-Cystein enthalten, auch Vitamin B12 steckt drinnen. Das soll ja bekanntlich den Stoffwechsel antreiben. Hinzu kommen einige darmfreundliche Bakterien, die den Alkohol schneller in Kohlenstoffdioxid und Wasser abbauen sollen.

Doch fitbook.de schreibt auch, dass die Studie einige Mängel aufweist. Zum Beispiel soll die Kater-Studie mit nur 24 Testpersonen durchgeführt worden sein, die im Durchschnitt 25 Jahre alt waren. Auch wurden wohl nur 14 der 24 Personen letztlich berücksichtigt. Klingt also nicht wirklich nach einer wissenschaftlichen Grundlage.

Experte sieht Möglichkeit auf positiven Effekt durch Anti-Kater-Pille

Auch stern.de hat sich die Anti-Kater-Pille angeschaut und bezieht sich auf die britische Nachrichtenseite „i“, die den Inhaltsstoff von „Myrkl“ einem Pharmakologen und Spezialisten für Alkoholstoffwechsel, Paul Skett, gegeben hat. Der erklärt, dass es wohl unmöglich sei, die Alkohol-Ausscheidung aus dem Körper schneller vonstattengehen zu lassen, aber: Die Pille könnte dennoch einen positiven Effekt haben, wenn sie die Alkoholabsorption verlangsamt.

Es scheint in den Forschungsarbeiten so, dass die Alkoholaufnahme des Körpers verringert werden würde. Das könne laut Skett sehr wohl dazu führen, dass der Kater am Folgetag nicht mehr so schlimm ist. Sorgen über die Inhalte muss man sich laut Hersteller nicht machen, da alle von der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zugelassen seien, wie stern.de berichtet.

Alkohol
Ein gemütlicher Abend kann manchmal auch ausarten. Am nächsten Tag folgt der Hangover. © Bodo Schackow/dpa/Symbolbild

Anti-Kater-Pille mit „Nebenwirkung“ beim Betrinken

Außerdem hat die Anti-Kater-Pille „Myrkl“ auch eine „Nebenwirkung“: Das Trinken – oder vielmehr das Betrinken – wird teurer, da nicht nur der Kater verringert werden soll, sondern auch der Rauschzustand schwerer zu erreichen ist. Klar, denn der Alkohol soll ja schneller abgebaut werden. Das soll auch die britische TV-Ärztin Dawn Harper gegenüber „Independent“ geäußert haben. Es wird ein Streitpunkt bleiben, wie sinnvoll die Anti-Kater-Pille wirklich ist, ähnlich also wie beim Thema Homöopathie.

Und hinzu kommt, dass auch der Hersteller das Produkt nicht als Freibrief sieht. Alkoholkonsum sollte in Maßen stattfinden, „Myrkl“ soll keine Entschuldigung dafür sein, mehr zu trinken. Übrigens: Ganz neu ist die Anti-Kater-Pille nicht, denn sie wurde wohl schon 1990 erfunden, nun gibt es sie auch in Großbritannien. Ob sie nach Deutschland kommen wird, bleibt abzuwarten.

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