2023 Produkt viel teurer?

Engpass beim Einkaufen: Geht uns als Nächstes der Senf aus? Hersteller warnen

  • Anna-Maureen Bremer
    VonAnna-Maureen Bremer
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Hamsterkäufe bei Mehl und Speiseöl dauern an. Experten rechnen jetzt damit, dass bis zum Herbst auch Senf knapper werden könnte.

Während sich andere um ihre Angehörigen sorgen, die im Krieg in der Ukraine um ihr Leben fürchten oder sogar kämpfen, geht in Deutschland der im Verhältnis harmlose Ärger an der Zapfsäule weiter und auch der Run auf Mehl und Speiseöl scheint für viele noch nicht beendet. Lidl reagiert bereits und begrenzt den Verkauf einiger Produkte wegen Knappheit. Jetzt scheint bald noch ein ganz anderes Lebensmittel von Engpässen betroffen zu sein. 80 Prozent der Importe kommen aus Russland und der Ukraine.

Markus Weck ist Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbandes Kulinaria. Er rechnet damit, dass Senf ab Herbst dieses Jahres knapp werden kann. Der Verband vertritt rund 130 Unternehmen, die unter anderem Senf herstellen. Noch reichen Silo-Vorräte bei vielen Herstellern aus, um einige Wochen oder Monate zu überbrücken. Aber ab der zweiten Jahreshälfte 2022 und im ersten Halbjahr 2023 wird‘s knapp.

Engpässe beim Senf: Noch reichen die Vorräte in den Silos

Grund: Das neue Saatgut müsste in den kommenden zwei Wochen in der Ukraine ausgesät werden. Dort liegt der Fokus aktuell sicher woanders und im Ackerbau eher bei lebensnotwendigen Produkten. Durch die Verknappung könnte Senf in Deutschland bald deutlich teurer werden.

Probleme mit Senfsaat hat Deutschland auch schon vor Kriegsbeginn gehabt. Deutschland beziehe Senfsaat auch aus Kanada, sagte der Verbandschef. „Das Land kann aber sicherlich nicht alle ausgefallenen Waren auf dem Weltmarkt in diesem Jahr auffangen.“ Aufgrund einer Dürre hatte es im vergangenen Jahr bereits nur die Hälfte der üblichen Erntemenge gegeben.

Wegen Krieg in der Ukraine: Bald Senf-Knappheit beim Einkaufen?

Senfsaaten werden auch regional in Deutschland angebaut. Aber die Menge ist überschaubar. Franz Wunderlich, Inhaber des Regensburger Senfherstellers Händlmaier, sagte der Welt, dass er zwar auch mit deutschen Landwirten zusammen arbeite, die Menge für seine Produktion aber nicht ausreichen könne.

Woher bekommen wir dann unseren Senf? „Rettet“ uns Kanada? Händlmaier: „Wir haben per Luftfracht noch kurzfristig kanadische Senfkörner bekommen, allerdings zu den höchsten Preisen, die wir je für Rohware bezahlt haben.“ Mittlerweile gibt es auf dem Weltmarkt keine Senfkörner mehr zu kaufen. Händlmaier stelle daher die ersten Maschinen ab, reduziert die eigene Senf-Produktion und könne dadurch wohl bis August lieferfähig bleiben.

Cool bleiben! Ein Grund zu hamstern besteht wirklich nicht, denn der Senfkonsum geht in Deutschland ohnehin seit Jahren zurück. Laut Kulinaria lag der Pro-Kopf-Konsum in Deutschland 2010 noch bei rund 1,18 Kilogramm. 2020 waren es nur noch 805 Gramm Senf. 2020 wurden rund 80.769 Tonnen Senf in Deutschland produziert. Klingt viel, sind aber fast neun Prozent weniger als im Jahr davor.“ Ausgehen wird uns die gelbe Paste vermutlich ohnehin nicht, teurer könnte sie aller Voraussicht nach allerdings schon werden.

Rubriklistenbild: © Benjamin Nolte/dpa-tmn