Kunden uneinig

Neues Lidl-Buch scharf kritisiert „realitätsfernen Propaganda schon an kleinen Kindern“

Lehrreich und obendrein unterstützend für die regionale Landwirtschaft: Das Wimmelmax-Buch von Lidl.
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Lehrreich und obendrein unterstützend für die regionale Landwirtschaft: Das WimmelMax-Buch von Lidl.
  • Anna-Maureen Bremer
    VonAnna-Maureen Bremer
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Lidl will die regionale Landwirtschaft unterstützen. Das soll nun mit einem ganz besonderen Buch gelingen.

Erinnert ihr euch noch an die Zeit im Wartezimmer – als es dort für Kinder furchtbar langweilig war? Ein Glück, dass es bei vielen ein Wimmelbuch gab, das wenigstens für einige Minuten ein Zeitvertreib war. Lidl bringt nun ein WimmelMax-Buch auf den Markt, das nicht nur ein lustiger Zeitvertrieb für Kinder sein soll, sondern auch viel nützliches Wissen vermittelt. Und: Das Buch unterstützt zudem die regionale Landwirtschaft. Aber ganz Friede, Freude, Eierkuchen scheint es nicht bei allen auszulösen.

Lidl: Neues Kinderbuch soll Landwirtschaft unterstützen

„Ob zur Maisernte, im Schweinestall oder beim Sammeln von Hühnereiern: Das Bilderbuch „WimmelMax und Wimmel-Biene“ nimmt Kinder und Erwachsene mit auf eine Reise durch die moderne Landwirtschaft in Deutschland. Ab heute ist das Buch in allen über 3.200 Lidl-Filialen zum Preis von 19,99 Euro erhältlich, wovon fünf Euro in einen Fonds zum Erhalt der deutschen Landwirtschaft fließen“, so steht‘s in der offiziellen Pressemitteilung des Mega-Discounters.

Das Buch soll nicht nur über die „moderne Landwirtschaft informieren, sondern auch den Verbrauchern die Wertschätzung der heimischen Landwirtschaft und der regionalen Lebensmittel wieder näher bringen“, heißt es auf der Homepage des Buches.

Neues Buch von Lidl: „Diese Idylle täuscht“

Der Discounter schreibt: „Als Partner der heimischen Landwirtschaft will Lidl mit dem Verkauf des Wimmelbuches die Wertschätzung für die deutschen Bauernhöfe und ihre Produkte fördern. Dazu zeigt das XXLBilderbuch auf 34 Seiten, wie regionale Lebensmittel produziert werden, wie der Arbeitsalltag in verschiedenen landwirtschaftlichen Berufen aussieht und welche Maßnahmen Landwirte für Tierwohl und Umweltschutz ergreifen. Das integrierte Smartphone-Hörbuch mit der Stimme von Schauspieler Ralf Richter ergänzt die Bilder mit interessanten Hintergrundinformationen und Fakten über Produktionsabläufe und neue, landwirtschaftliche Technologien.“

Auch bei Facebook ist das WimmelMax bereits vertreten. Dort reagieren die Kunden unterschiedlich. Einige bekunden großes Interesse am Buch und bemängeln, wenn es in der Lidl-Filiale in ihrer Nähe noch nicht erhältlich ist. Andere riechen Augenwischerei: „Die Agrarlobby scheints ja echt nötig zu haben, jetzt schon kleine Kinder mit ihrer realitätsfernen Propaganda zu infiltrieren“, schreibt eine Userin. Eine weitere schließt sich an: „Diese Idylle täuscht. Schaut mal hinter die Kulissen der „Nutztierhaltung.“

Wo geht der Erlös aus dem neuen Lidl-Buch hin?

Es ist natürlich nicht das erste Mal, dass Lidl für eine Aktion kritisiert wird: Lidl schaltet kürzlich eine vermeintlich harmlose Werbung. Doch aus einem bestimmten Grund schmeckt die einer Kundin überhaupt nicht. Manchmal kommt die Intension gar nicht vom Discounter direkt: Zum Jahreswechsel stehen regelmäßig bundesweite Gesetzesänderungen an - so auch zum Januar 2022. Eine Neuerung betrifft Plastikverpackungen und Recycling – und ist, wie sollte es anders sein, umstritten.

Im Netz finden sich aber neben den Kunden auch andere kritische Stimmen: turi2.de schreibt zum Beispiel: Hinter dem Lidl-Kindercomic Wimmel-Max und Wimmel-Biene entdecken Deutschlands Bauernhöfe steckt die Bauern-Bewegung „Land schafft Verbindung“, meldet der Spiegel. Die habe zuletzt u.a. mit Traktor-Protesten gegen Discounter, darunter Lidl, Schlagzeilen gemacht. Je fünf Euro vom Buch-Verkaufspreis sollen in einen „Fonds zum Erhalt der deutschen Landwirtschaft“ fließen. Rainer Seidl, Chef vom Wimmel-Max Verlag und zugleich Vorsitzender der Bewegung, bestreitet, man habe sich von Lidl einwickeln lassen.

Und was passiert mit den fünf Euro, die pro Buch in einen Fond kommen sollen? Topagrar.de hat sich bei Lidl schlau gemacht. „Landwirtschaftliche Vereine und Gruppen könnten sich mit gemeinnützigen Projekten direkt beim Verlag dafür registrieren. Als Beispiel nennt der Verlag zur Verwendung des Geldes: „Wenn zur Rehkitzsuche eine Drohne benötigt wird, unterstützt WimmelMax diese Anschaffung gerne“, heißt es im Artikel zum neuen Lidl-Buch.

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