Vorsicht, Schnäppchenfalle!

Tricks bei Lidl, Aldi und Rewe: Nicht auf diese Preisschilder reinfallen

  • VonJulian Kaiser
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In Zeiten der Inflation locken Discounter mit vermeintlich günstigen Angeboten. Ein Psychologe erklärt die Verkaufstricks der Supermarktbetreiber.

Wer kennt das nicht? Man will „mal eben noch ein bisschen was einkaufen gehen“ und ehe man sich versieht, ist der Einkaufswagen voll. Vor den Tricks der Supermarktbetreiber Aldi, Rewe und Lidl sind die wenigsten gefeit. Vor welchen Verkaufsfallen sich Kundinnen und Kunden in Acht nehmen sollten, hat der Experte für Neuromarketing und Diplom-Psychologe Hans Georg Häusel im Interview mit der Welt verraten.

Beliebteste Supermärkte 2021Edeka, Rewe, Schwarz-Gruppe (Lidl & Kaufland), Metro, Aldi
Umsatzstärkster DiscounterAldi-Gruppe (2020)
Ältester DiscounterAm 26.9.1957 von Herbert Eklöh in Köln eröffnet (2000qm)

Um den Geldbeutel zu schonen, gibt es einfache Tricks, wie RUHR24 berichtet. Machen sich Verbraucher diese in Zeiten der Inflation und der damit verbundenen Preisanstiege von Lebensmitteln bewusst, kann das Konsumverhalten besser kontrolliert werden, ist sich der Experte sicher. Denn die Betreiber von Supermärkten wie Aldi, Lidl oder Rewe wüssten genau, wie sie Verbraucher „überreden“ müssen, damit der Einkaufswagen am Ende besonders voll ist.

Lidl, Aldi und Rewe: Supermärkte und Discounter lauern auf ungeplante Einkäufe

Geht ein Kunde ungeplant einkaufen, begibt er sich also in die Höhle des Löwen. Schließlich lasse man sich dann schneller „durch das Angebot inspirieren“, verrät Häusel. Vor allem die zahlreich angebotenen Genussmittel landen so schneller im Einkaufswagen, denn das menschliche Gehirn ist auf Belohnung aus. Wer zudem hungrig einkaufen geht, kaufe durchschnittlich 20 Prozent mehr, als er eigentlich bräuchte, ist sich der Experte sicher.

Einkaufen bei Aldi, Lidl und Rewe: Experte empfiehlt Bückware statt Markenware auf Augenhöhe

Die Lösung: Ein Einkaufszettel. Wer nur das einkauft, was er sich vorher überlegt hat, ist sicherer vor Schnäppchen-Fallen. Der Experte empfiehlt, nur dann bei Sonderangeboten zuzugreifen, wenn es sich dabei um Waren handelt, die man sowieso immer wieder kauft. Andernfalls sei der Einkaufswagen schnell der Schnäppchen halber mit Waren gefüllt, die man sonst gar nicht gekauft hätte.

Die meisten Verbraucher wissen, dass sich die teuren Markenprodukte bei Discountern wie Aldi, Lidl oder Rewe auf Augenhöhe befinden. Häusel erklärt, dass ein Regal dadurch „doppelt so attraktiv“ wirke „wie in der Bückzone, wo sich die preiswerten Artikel mit gleicher Qualität“ befänden. Qualitativ gebe es zwischen den günstigeren Waren von Eigenmarken der einzelnen Supermärkte und den teureren Markenartikeln also häufig keinen Unterschied.

Einkauf: Rote Preisschilder bei Aldi, Lidl und Co. bedeuten nicht immer reduzierte Ware

Besondere Vorsicht sei aber bei den Preisschildern geboten! Gerade die roten Schilder, die stets auf reduzierte Ware hinweisen sollen, seien eine der gängigsten Verkaufsfallen. Denn die vermeintlich heruntergesetzten Waren seien häufig gar nicht günstiger als zuvor.

Allein die rote Farbe reiche aber, um Kunden zugreifen zu lassen, weiß Häusel. Über ein besonders perfides Beispiel berichtete hna.de im vergangenen Jahr, als ein Aldi-Kunde beim Blick aufs Preisschild berechtigterweise irritiert reagierte.

Sicherheitsdenken und Dominanzsystem beeinflussen das Konsumverhalten und führen zu Hamsterkäufen.

Hamsterkäufe entstehen durch Sicherheitsdenken und Dominanzsystem

Auch der Hamsterreflex sei ein weiterer Grund, weshalb der Einkaufswagen am Ende deutlich voller werden könnte als geplant. Häusel zufolge seien die durch den Ukraine-Krieg und die damit durch Lieferengpässe und Preisanstiege losgetretenen Hamsterkäufe durch zwei Faktoren erklärbar.

Einerseits signalisiere ein Sicherheitsdenken den Kunden, dass man Vorräte für schlechte Zeiten anlegen solle. Andererseits springe ein Dominanzsystem an, wenn Verbraucher befürchten, dass ihnen etwas „vor der Nase“ weggekauft werden könnte.

Rewe, Aldi und Lidl tricksen beim Einkauf mit Wagen-Größe, Musik und Marktaufbau

Blindes Einkaufen setze dann ein, wenn sich ein Ladenregal schnell leert und sich Kunden selbst unter Druck setzten, rasch noch etwas davon zu ergattern. Besonders deutlich werde das, wenn Kunden so Hemmungen verlieren und gewalttätig würden, so Häusel.

Zwar erwähnt der Experte diese Tricks nicht, doch auch große Einkaufswagen, ruhige, entspannende Musik sowie der Aufbau der Supermärkte von Aldi, Lidl und Rewe können Kunden schnell zu einem größeren Einkauf und einer längeren Verweildauer im Geschäft verleiten.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa/Symbolbild

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