Bessere Klimabilanz

Kaufland und Lidl: Plastiktüten beim Einkauf verboten – diese Ausnahmen bleiben

  • Anna-Maureen Bremer
    VonAnna-Maureen Bremer
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Seit Januar ist Schluss mit Plastiktüten im Supermarkt. Es gibt Ausnahmen. Und ausgerechnet der Nabu zieht hier Plastik der Papier-Alternative vor. Wie kann das sein?

Es ist eine ganz heiß diskutierte Änderung beim Einkauf, die Verbraucher seit Januar des neuen Jahres trifft: Plastiktüten sind im Supermarkt und beim Discounter raus. Zwar hatten viele Filialen bereits freiwillig auf die Einweg-Tragehilfen verzichtet, doch jetzt sind sie auch gesetzlich verboten. Aber wie immer: Es gibt Ausnahmen, auch bei Kaufland und Lidl. Und dabei verblüfft, dass ausgerechnet Umweltschützer sich für Plastik und gegen Papier aussprechen.

Wenig überraschend ist, dass es auch vom Plastik-Verbot Ausnahmen gibt und eben nicht pauschal alle Tüten verschwinden müssen. Erlaubt bleiben dicker verarbeitete Mehrwegtragetaschen und die kleinen dünnen Tüten, die meist an der Obst- und Gemüsetheke zu finden sind.

Kaufland und Lidl: Plastiktüten sind beim Einkauf ab jetzt verboten – diese Ausnahmen gibt es

In Zahlen: Ausschließlich Standard-Tüten mit einer Wandstärke zwischen 15 und 50 Mikrometern werden jetzt gänzlich verboten. Einige Supermärkte bieten fürs Obst und Gemüse auch Papiertüten an. Klingt super und umweltfreundlich? Eben nicht. Umweltschützer sprechen sich jetzt für die leichten Plastiktüten aus und gegen die Papier-Alternativen. Warum ist das so?

Bei der dpa heißt es dazu: „Die Alternative Einweg-Papiertüte hat eine schlechtere Öko-Bilanz als der Einweg-Plastikbeutel, da das Papier ein achtmal höheres Gewicht habe, erläutert der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Das Mehr an Material ist nötig, um die Papiertüten stabil zu machen. Auch werden daher lange und chemisch behandelte Fasern eingesetzt, so der Nabu. Und es gibt noch einen Grund gegen die Papiertüte: Die Herstellung von Zellulose ist äußerst energie- und wasseraufwendig.“

Alternative nach Verbot für Plastiktüten: Viele greifen zu Papier, aber es gibt viele Nachteile

Umweltexperten gehen davon aus, dass eine derart aufwendige Papiertüte mindestens dreimal häufiger wiederverwendet werden müsste, damit ihre Klimabilanz wirklich besser als die der dünnen Plastiktüten werden könnte. Weiterer Nachteil: Die meisten Papiertüten sind nicht aus Altpapier hergestellt, sondern aus Frischfaser.

Wer‘s immer noch nicht wahrhaben möchte, dass Plastik besser sein kann als vermeintliche Papiertüten: Eine Frage bleibt auch „Wie viel Papier steckt in der Papiertüte - und wie viel anderes Material ist noch drin?“ So ist laut Nabu in vielen Verpackungen innen eine Kunststoff- oder Alufolie verklebt, um das Papier zum Beispiel bei Kontakt mit Feuchtigkeit nicht reißen zu lassen oder um zu verhindern, dass die Druckfarben in die Lebensmittel übergehen. Recyclen und neu verwerten wird so kaum möglich.

Mancher fühlt sich mit Papier einfach wohler. Dafür hat das Bundesumweltministerium einen Tipp: Dann möglichst darauf achten, auch Papiertüten mehrmals zu nutzen. Das Plastiktüten-Verbot ist nicht die einzige Neuerung, die ab 2022 auf Verbraucher zukommt.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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