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Preise bei Kaufland und Co. in der Krise zu hoch? Die harten Vorwürfe – und Reaktion

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Von: Dominik Jahn

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Die Lebensmittelhändler zwischen Preiskampf und Preistreiber? Kaufland, Lidl und Co. sollen die Krisen-Gewinner sein. Verbraucherzentrale übt Kritik an den stetigen Preissteigerungen für die Kunden.

Preissteigerungen um bis zu 80 Prozent – die Lebensmittelbranche steht in den vergangenen Wochen wieder im Blickpunkt, wie echo24.de berichtet. Aber sind die hohen Preise im Supermarkt und Discounter immer gerechtfertigt? Kaufland, Lidl und Co. haben auf Nachfragen der Redaktion reagiert. Bei Experten und unterschiedlichen Verbänden stehen die Händler in der Kritik.

In den Medien wurde zuletzt aber auch immer wieder über einen heftigen Preiskampf zwischen Händlern und Herstellern berichtet. Im Mai 2022 hatte dazu echo24.de bereits bei Kaufland, Lidl, und auch Unilever nachgehakt. Das britische Unternehmen ist weltweit einer der größten Hersteller von Verbrauchsgütern und regierte bei der Preissteigerungen mit einer klaren Ansage an die Händler und Kunden. Und wie fallen die Reaktionen jetzt aus? Wer macht sich in der Krise zum Gewinner?

Verbraucherzentrale kritisiert Preissteigerungen bei Kaufland und Co.

Dass die Preise in den vergangenen Monaten immer wieder dramatisch weiter steigen, ist für die Kunden spürbar. Wie die Verbraucherzentrale dazu schreibt, ist das auch durch die Daten des Statistischen Bundesamtes belegt. Außerdem gehen die Experten davon aus, dass Prognosen nicht einfach sind, aber die Lebensmittelpreise vermutlich erst mal hoch bleiben werden und sogar noch weiter steigen.

Unternehmen:Kaufland
Hauptsitz:Neckarsulm
Gründung:1984, Neckarsulm
Branche\tLebensmitteleinzelhandel

Laut Verbraucherzentrale spielen dabei viele Faktoren eine Rolle. Dazu heißt es: „Die Kosten für Energie, Düngemittel und Futtermittel sind stark gestiegen, Arbeitskräftemangel und Mindestlohn verteuern die Personalkosten“. Doch auch hier wird man deutlich. Denn nicht immer sind alle Preissteigerungen transparent und basieren auf höheren Herstellungskosten.

Kaufland, Lidl, Aldi als Preistreiber in der Krise? So reagieren die Unternehmen

Auf eine Anfrage von echo24.de geben die Lebensmittel-Riesen wie Kaufland, Lidl und Aldi nur sehr spärlich Auskunft. Bei Kaufland möchte man sich grundsätzlich zur eigenen Preisgestaltung nicht äußern. Bei Aldi Süd heißt es dazu: „Bevor es zu Preisanpassungen unserer Artikel kommt, prüfen wir alle Möglichkeiten, Mehrkosten anderweitig – auch durch Reduktion unserer Marge – aufzufangen“. Man werde dem Discount-Prinzip treu bleiben und man werde selbstverständlich auch Verkaufspreise reduzieren, „wenn Einkaufspreise sinken“.

Lidl äußert sich gar nicht. Auch auf die Anfragen des BR-Politikmagazins Kontrovers haben sich die Unternehmen entsprechend geäußert. Dabei begründet Rewe „die Teuerungen bei Lebensmitteln unter anderem mit gestiegenen Rohstoffkosten. Von Edeka heißt es, ein Grund seien die hohen Energiepreise“.

Handelsverband und Markenverband äußern sich zum Thema

Beim Handelsverband Deutschland hält man sich raus. Eine Anfrage zum Thema der Preissteigerungen beim Einkauf und dem Preiskampf zwischen Kaufland, Lidl und Co. mit den Herstellern beantwortet der Verband wie folgt: „Die Preisgestaltung und die Preis-Verhandlungen sind zentraler Teil der unternehmerischen Entscheidungen, da können wir uns als Verband, der – auch aus kartellrechtlichen Gründen – keinen Einblick in die Verhandlungen oder Verträge hat, nicht äußern.“

Markenverband

Laut eigener Definition bietet der Markenverband in Zusammenarbeit mit seinen verbundenen Organisationen – die Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM), die Gesellschaft zur Erforschung des Markenwesens (G·E·M) oder der VKE-Kosmetikverband – ein vielfältiges Informations-, Beratungs- und Dienstleistungsangebot zum Thema Marke. Die Arbeitsschwerpunkte sind zudem der Schutz von geistigem Eigentum und die Bekämpfung von Marken- und Produktpiraterie ebenso wie auch die Stärkung des Leistungswettbewerbs und die Entwicklung des Markenrechts und der Markenadministration.

Der Markenverband hat dagegen eine klare Meinung zur aktuellen Situation im Lebensmittelhandel. Dazu heißt es: „Wir rufen dazu auf – bei allem harten Verhandeln – nunmehr zu lösungsorientierten und faktenbasierten Gesprächen zurückzufinden. Der Vorwurf von Teilen des Handels, die Industrie sei der Inflationstreiber, widerspricht eklatant den Tatsachen. Wir haben den Zeitraum seit März 2022 betrachtet und stellen einen erheblichen Preisanstieg auch bei Handelsmarken fest. Er dürfte den wirtschaftlichen Notwendigkeiten geschuldet sein. Die Preissteigerung der Handelsmarken liegt allerdings kontinuierlich über derjenigen von Markenartikeln.“

Kritik an den Preise bei Kaufland, Lidl und Co.: Bundeskartellamt führt Ermittlungen

Wie der Sender BR und das Politikmagazins Kontrovers berichten, hat auch das Ifo-Institut in Dresden „die Entwicklung der Lebensmittelpreise untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass die gestiegenen Kosten die Preiserhöhungen nicht rechtfertigen“. Dem Bericht nach prüft derzeit sogar das Bundeskartellamt einige Beschwerden über Lebensmittelpreise und ein womöglich „abgestimmtes Verhalten“ unter den Handelsketten.

Auch bei der Verbraucherzentrale Bayern sieht man demnach Hinweise, „dass der Handel über die gestiegenen Kosten hinaus höhere Lebensmittelpreise durchsetzen will“. Eine Preisbremse für Grundnahrungsmittel, wie es sie in einigen EU-Ländern bereits gibt, lehnt der Präsident des Handelsverbandes Bayern laut BR-Artikel ab. Damit bleibt es für Kunden von Kaufland, Lidl, Aldi und Co. erstmal weiter teuer beim Einkaufen.

Kaufland, Lidl und Co. zwischen Preiskampf und Preistreiber?

Dem Bericht des BR zufolge weisen die Handelsketten es von sich, „aus der Krise Kapital schlagen zu wollen und schieben die Schuld auf die Hersteller von Markenprodukten“. Mit diesen befindet sich der Handel aktuell teilweise in einem Preiskampf. Und bringt weitere Probleme für die Kunden mit sich. Neben Preissteigerungen bei zahlreichen Produkten, fehlen dann zahlreiche Marken derzeit in den Regalen der Supermärkte, wie echo24.de bereits berichtet hat. Dazu warnt jetzt auch der Bundesverband Ei (BVEi) vor einem Eier-Engpass.

Und auch die Papierbranche hat bereits Alarm geschlagen. Kaufland hat sich bereits zu einer möglichen Klopapier-Knappheit geäußert und über Folgen gesprochen.

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