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Kaufland und Lidl mit Ansage an Kunden: Strafbar – Ware in eigener Tasche zur Kasse tragen?

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Von: Dominik Jahn

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weinflasche in eigener tasche
Ist das schon Strafbar für Kunden? Ware in eigener Tasche zur Kasse tragen © dpa/ Highwaystarz

Kaufland, Lidl, Aldi und Co.: Bei dieser alltäglichen Handlung schauen Discounter und Supermärkte ganz genau hin.

Einkaufen kann unter Umständen so seine Tücken haben. Kunden von Kaufland, Lidl, Aldi und den vielen anderen Lebensmittelhändlern, können sich mit einer bestimmten Aktion schnell strafbar machen. Und es bleibt wohl nicht bei einer strafbaren Aktion. Wie echo24.de berichtet, soll eine weitere ganz alltägliche Handlung im Supermarkt durchaus problematisch sein.

Wer kennt es nicht? Die Hände sind bereits voll, auf einen Einkaufswagen hat man aber verzichtet. Jetzt muss die Milch eben mal kurz in den Rucksack gepackt werden. Und genau jetzt wird‘s kritisch für Kunden.

Kaufland/Lidl und Co.: So definiert das Gesetz Diebstahl

Kunden die bei Kaufland, Lidl und Co. etwas sorglos die Ware für den Transport zur Kasse in den eigenen Taschen verstauen, begehen laut Strafgesetzbuch (StGB) § 242 Diebstahl. Dazu heißt es: „Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Der Versuch ist strafbar“.

Alle Produkte in Supermärkten und Discountern sind für Kunden grundsätzlich fremde Sachen. Bis man an der Kasse bezahlt hat, sind sie im Eigentum des Inhabers. Kaufland erklärt dazu auf Nachfrage von echo24.de die Sichtweise des Lebensmittel-Riesen: „Das Einstecken eines Produktes in die Tasche alleine erfüllt noch nicht den Tatbestand des Diebstahls. Zur Vollendung des Diebstahls muss ebenfalls ein Vorsatz vorliegen. Das bedeutet, der Kunde muss die Absicht haben, das Produkt ohne vorheriges Bezahlen aus der Filiale zu entwenden.“

Ware zum Transport in die Jacke stecken: Jetzt könnten Kaufland, Lidl und Co. handeln

Auch das Versicherungsportal ergo.de beschäftigt sich mit der vermeintlichen Kleinigkeit im Alltag. Die Rechtsexperten raten dringend davon ab, Ware einfach in die Jacke zu stecken, wenn man keine Hand mehr frei hat. Dazu heißt es: „Sie und Ihre Kleidung bilden vielmehr eine eigene Privatsphäre. Der Ladeninhaber hätte keine tatsächliche Sachherrschaft mehr über die Sachen. Zwar müssen Sie auch mit Vorsatz und der Absicht gehandelt haben, den Laden ohne zu bezahlen zu verlassen. Verschwinden allerdings Artikel in Ihrer Jackentasche, wird es schwer, das Gegenteil zu beweisen“

Körbe und Beutel: Hier unterscheiden Supermärkte und Discounter wie Kaufland und Lidl

Wer auf einen Einkaufswagen verzichten möchte, der hat dennoch gute Alternativen. Bei Einkaufstaschen und Körben sehen Rechtsexperten weniger Probleme. Gerade bei offenen Einkaufskörben handelt es sich demnach „noch nicht um eine vollendete Wegnahme“.

Bei Stoffbeuteln und Einkaufstaschen geht es dann für Kunden bereits in einen Graubereich beim Warentransport. Die Praxis zeigt aber, dass Taschen und Beutel bei Kaufland, Lidl und Co. toleriert werden. Probleme gibt‘s aber auch hier noch. Ergo schreibt dazu: „Sie laufen aber auch Gefahr, dass sich ein kleineres Teil im Beutel verfängt und Sie es versehentlich nicht bezahlen.“

Kaufland/Lidl: Kunden müssen „gute Absicht“ beweisen

Kunden, die mit Ware im Rucksack oder in der Jackentasche erwischt werden, stehen vor einer entscheidenden Herausforderung: Sie müssen laut Gesetz glaubhaft nachweisen, dass sie in „guter Absicht“ gehandelt haben. Nur wer den Vorsatz hatte an der Kasse nicht zu bezahlen, kann als Dieb bestraft werden.

Bei Kaufland wartet man daher ab und beobachtet in den Filialen das Geschehen genau: „Kunden, die ein Produkt in ihre Tasche gesteckt haben, werden daher nicht direkt angesprochen. Erst, wenn die Ware nicht bezahlt wird, erfolgt eine Ansprache durch unsere Kollegen vor Ort.“

Die eigene Unschuld nachzuweisen kann schwieriger sein, als man im ersten Moment denkt. Auch tatsächliche Ladendiebe sind schon auf die Idee gekommen, am Ende zu behaupten, sie wollten doch an der Kasse zahlen.

Kunden sollten bei Kaufland und Co. lieber auf den Einkaufswagen setzen

Wer komplett auf Nummer Sicher gehen möchte, der sollte einfach auf den Einkaufswagen setzen. Kaufland, Lidl, Aldi und Co. haben in der Regel ausreichend davon vor ihren Filialen abgestellt. Nebenbei können Kunden auch immer wieder spannende Neuerungen entdecken. So rätselten einige zuletzt über ein ganz spezielles Loch.

Nur bei einer Sache sollten Kunden auch beim Einkaufswagen nicht zu sorglos sein. Die Frage, Einkaufswagen ausleihen und später zurückbringen lässt keinen rechtlichen Spielraum, wie echo24.de bereits berichtet hat.

 

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