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„Shrinkflation“: So dreist werden Kunden bei Kaufland, Lidl und Co. abgezockt

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Von: Kathrin Kuna

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Einkaufen im Supermarkt
Um die Preiserhöhungen im Supermarktregal zu kaschieren, setzen viele Hersteller auf Mogelpackungen. © Jens Kalaene/dpa

Dass die Preise für manche Produkte steigen, ist manchmal gar nicht mal so offensichtlich. Denn viele Hersteller tricksen mit Mogelpackungen, um die Preiserhöhungen zu kaschieren. Davon betroffen sind auch Kunden von Kaufland, Lidl und Co.

Angesichts der hohen Inflation müssen Kundinnen und Kunden an der Kasse im Supermarkt seit geraumer Zeit immer tiefer in die Tasche greifen. Auch an den Supermarktkassen von zum Beispiel Kaufland und Lidl. Laut Statistischem Bundesamt sorgen vor allem die steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise für einen neuen Höchststand der Inflationsrate – von ganzen 10,4 Prozent!

Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes, erklärt: „Hauptursachen für die hohe Inflation sind nach wie vor enorme Preiserhöhungen bei den Energieprodukten.“ Aber auch bei vielen anderen Waren und Dienstleistungen beobachte die Behörde zunehmend Preisanstiege. „Besonders spürbar für die privaten Haushalte sind mittlerweile die steigenden Preise für Nahrungsmittel“, so Thiel.

„Shrinkflation“: Dreiste Preiserhöhung in den Supermarkt-Regalen von Kaufland, Lidl und Co. betrifft vor allem Chips und Snacks

Doch damit nicht genug: Manche Hersteller scheinen die allgemeinen Preissteigerungen dreist auszunutzen und legen sogar kräftig nach! Auf den ersten Blick ist das aber in den Supermärkten und Discountern wie Kaufland und Lidl oft gar nicht sichtbar. Denn einige Marken tricksen mit Mogelpackungen. Laut Verbraucherzentrale Hamburg sind vor allem Snacks und Chips betroffen: Die Preise bleiben gleich, die Füllmenge sinkt.

Diese dreiste Masche hat auch einen Namen: „Shrinkflation“, ein Kofferwort aus dem Englischen „to shrink“ für schrumpfen und „Inflation“. Die Hersteller versuchen dabei, durch die Reduzierung der Warenmenge die Inflation zu verbergen. Ein ähnlicher Trick: Sogenannte „Luftpackungen“, also Verpackungen, die zum Großteil mit Luft gefüllt sind – die Verbraucherzentrale spürte sogar ein Produkt auf, das zu 95 Prozent mit Luft gefüllt war!

Einkaufen im Supermarkt
Der Wocheneinkauf wird immer teurer. Die Inflationsrate liegt aktuell bei 10,4 Prozent. © Fabian Sommer/dpa

Verbraucherzentrale Hamburg: Vor allem der Hersteller Intersnack trickst mit Mogelpackungen

Im Interview mit der „WirtschaftsWoche“ erklärt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg: „Wir haben es bei Pringles als erstes festgestellt, das war schon im April. Dann kamen Lays, die gehören zu PepsiCo. Dazwischen waren es Chio und Funny-frisch von Intersnack, jetzt haben wir es bei Crunchips von Lorenz.“ Doch die versteckte Preiserhöhung betrifft nicht nur Chips bei Kaufland, Lidl und anderen Lebensmittel-Händlern: „Wir sehen das auch bei etlichen Tortillas-Sorten und bei ummantelten Erdnüssen, also etwa NicNac‘s“, so Valet.

Besonders dreist agiert laut Valet der Hersteller Intersnack, zu dem Marken wie Ültje, Chio und Funny-frisch gehören. „Funny-frisch hat bis zu 25 Prozent versteckte Preiserhöhung mit der Füllmengenreduzierung durchgesetzt“, so Valet, „für den Viererpack mit den kleinen Tüten mit jetzt vier mal 40 Gramm statt 50 Gramm. Das war die größte Teuerung.“ Kunden von Lidl oder auch Kaufland werden also massiv getäuscht.

„Shrinkflation“: Chips von Funny-Frisch werden zur Mogelpackung des Monats gekürt

Die Verbraucherzentrale Hamburg kürt regelmäßig die Mogelpackung des Monats. Im November geht dieser fragwürdige Preis an die besagten Chips von Funny-frisch. Auf der Website der Verbraucherzentrale heißt es aber auch: „Neben Intersnack wenden auch die Hersteller Pepsico (Lay‘s und Doritos), Kellogg (Pringles) und Lorenz Snack-World (Crunchips und Nicnac‘s) die Weniger-drin-Preis-gleich-Masche an.“ Verkauft werden diese Marken auch bei Kaufland und Lidl.

Fast das gesamte Chips-Sortiment sei mittlerweile von versteckten Preiserhöhungen durch Mogelpackungen betroffen, teilt die Verbraucherzentrale Hamburg mit. Dass die Teuerungen die Verbraucherinnen und Verbraucher hart treffen, beweist der Trend, dass No-Name-Produkte momentan immer beliebter werden.

Person nimmt Kartoffel-Chips aus Schale
Vor allem bei Snacks und Chips tricksen die Hersteller häufig mit Mogelpackungen. © picture alliance/dpa | Daniel Karmann

„Shrinkflation“: Intersnack rechtfertigt versteckte Preiserhöhung mit „enormen Kostensteigerungen“

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat bei Intersnack wegen der Mogelpackungen nachgefragt. In der Antwort des Unternehmens heißt es, dass „enorme Kostensteigerungen“ in fast allen Bereichen für die Preiserhöhungen verantwortlich seien. Gestiegene Preise würden etwa die Rohstoffe, die Verpackung, die Logistik und die Energiekosten betreffen.

Ganz andere Töne dagegen von der Verbraucherzentrale: Diese spricht klar aus, dass im letzten halben Jahr mindestens 63 Snacks ihre Preise versteckt erhöht hätten. „Und die Händler, die sich vermeintlich gegen ungerechtfertigte Preiserhöhungen im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher einsetzen, machen mit und profitieren davon“, kontert die Zentrale. Für Kunden von Kaufland oder auch Lidl ein echtes Ärgernis.

Chips und Sekt wird wohl fast jeder für seine Silvester-Party eingeplant haben. Und da kommt schon die nächste Klatsche: Die Preise für Sekt steigen vor dem Jahreswechsel deutlich. Auch hier sind es die enormen Energiepreise, die das Produkt teurer machen, berichtet „RUHR24“.

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