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Verbraucherschutz rät: Kunden sollten ihre nächsten Gas-Abrechnungen genau prüfen

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Von: Tom Markert

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Kurz vor ihrem geplanten Inkrafttreten wurde die Gasumlage zurückgenommen. Stattdessen gibt es staatliche Einmalzahlungen und künftig die Gaspreisbremse. Nun raten Verbraucherschützer dazu, bei den Abrechnungen der Gasversorger genau hinzuschauen.

Nach kurzfristiger Rücknahme der Gasumlage prüft die Bundesregierung weiter, wie sich die Energierechnungen von Verbrauchern und Wirtschaft im Winter in einigermaßen erträglichem Rahmen halten lassen. Ein Alternativmodell ihrer Expertenkommission steht bereit, doch noch ist das neue Konzept aus Abschlagsübernahme und Preisbremse politisch nicht beschlossen. Aber schon zur Erstattung der zurückgezogenen Umlage gibt es unter Versorgern verschiedene Vorgehensweisen. Verbraucherschützer empfehlen nun, genau hinzuschauen.

Gasversorger konnten nicht schnell genug auf das Hin und Her der Politik reagieren

Ursprünglich war die Gasumlage für den 1. Oktober geplant. Da sie erst kurz vor Inkrafttreten gekippte wurde, hatten manche Versorger zu diesem Zeitpunkt längst begonnen, ihre Kunden über die Mehrkosten zu informieren und das Geld einzuziehen. Die Abgabe sollte zunächst verwendet werden, um große Gaseinkäufer zu stützen, die wegen der enorm gestiegenen Weltmarktpreise seit Beginn des Ukraine-Kriegs in Schieflage geraten waren.

Vor allem die Rettung von Uniper mit Steuermilliarden verschärfte die Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Umlage. Einige Gasversorger konnten in der Kommunikation mit Verbrauchern und der Anpassung ihrer Kalkulationen nicht so schnell auf das Hin und Her der Politik reagieren. In der Folge gibt es nun ein Sammelsurium unterschiedlicher Abrechnungsmodi. 

Unternehmen nutzen bundesweit unterschiedliche Abrechnungsvarianten

Etliche Unternehmen hatten darauf verzichtet, die Umlage schon vorab zu kassieren beziehungsweise in die Abschlagspläne einzubeziehen. Dies trifft etwa auf die Energie Baden-Württemberg (EnBW) zu, wie ein Sprecher mitteilte – deshalb müsse nichts zurückerstattet werden. Die Pfalzwerke in Ludwigshafen ließen die Umlage ebenso weg.

Auch Enercity in Hannover, Rheinenergie in Köln und Mainova in Frankfurt versicherten, dass Gaskunden vorerst keine höheren Abschlagszahlungen im Grundversorgungstarif in Kauf nehmen müssen, auch wenn sie zum Teil bereits über die höheren Kosten informiert wurden. Die Mainzer Stadtwerke erhöhten zum 7. Oktober die Abschläge, um die Kosten für die Umlage abzudecken – alle betroffenen Kunden seien per Post informiert worden und können jetzt eine Senkung des Abschlags wünschen. Ansonsten würden die höheren Abschlagszahlungen als Guthaben bei der Jahresrechnung verbucht.

In Leipzig hatten die Stadtwerke die Abschläge wegen der Gasumlage zum 1. Oktober erhöht, in der Jahresabrechnung sollen die Preise nun rückwirkend wieder reduziert werden. Der Dresdner Versorger Sachsen Energie stoppte Mitte September die Abschlagsanpassungen, als die Umlagedebatte Fahrt aufnahm. Die Stadtwerke Erfurt, Gera und Jena-Pößneck haben eigenen Angaben zufolge auf das Aus für die Gasumlage sofort reagiert und diese nicht bei ihren Kunden eingezogen.

Im brandenburgischen Cottbus seien alle Tarife umlagebereinigt, teilten die örtlichen Stadtwerke dort mit. Auch die Städtischen Werke SWM Magdeburg wollen die Gasumlage nicht einziehen. Bei den Stadtwerken Neubrandenburg wurden die Abschläge zum 1. Oktober erhöht - alle Kunden sollen im Januar in der 2022er Abrechnung jedoch genauso „sämtliche bis dahin rechtlich fixierten Entlastungen“ berücksichtigt bekommen.

Bundesverband der Verbraucherschützer warnt vor „verkappten Krediten“ bei Versorgern 

Das Vorkassieren der Umlage war bereits auf Kritik gestoßen, denn die Kunden geben ihren Versorgern damit de facto einen verkappten Kredit. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) äußerte Verständnis, dass Anbieter nach dem Zickzackkurs der Regierung einige Zeit brauchen, um die ständigen Veränderungen in der Verwaltung und Abrechnung zu verdauen.
Es könne aber nicht sein, dass das zu erstattende Geld lange auf den Konten der Versorger bleibe, warnte der vzbv. Man erwarte, dass die Unternehmen jedenfalls nicht bis zum Jahresende warteten. Die Kunden sollten ihre nächsten Abrechnungen detailliert durchgehen. Auch die Mehrwertsteuer-Senkung müsse so rasch wie möglich eingepreist werden.

Wie wird die geplante Mehrwertsteuer-Senkung eingerechnet? 

Bis Ende März 2024 sollen für Gas nur 7 statt 19 Prozent erhoben werden, um den Kunden zusätzliche Entlastung zu bringen. Bei EnBW ist dies „jetzt schon ausgewiesen“. Manche Versorger wie Rheinenergie warten noch den letzten Schritt des gesetzgeberischen Vollzugs ab: „Es ist alles vorbereitet, die gesenkte Mehrwertsteuer umgehend weiterzugeben, sobald sie im Bundesanzeiger veröffentlicht ist.“

Bei den Leipziger Stadtwerken wird sie nicht eingerechnet, solange die Bekanntmachung aussteht. In Mainz sollen in der Jahresabrechnung 2022 für Januar bis September 19 Prozent und für Oktober bis Dezember dann 7 Prozent veranschlagt werden. Auch die Pfalzwerke wollen bis zur Gesamtschau warten. Enercity in Hannover betonte im Grundsatz: „Die Umsatzsteuer-Senkung verrechnen wir sehr wohl, und die Abschläge werden reduziert.“ So äußerten sich auch die Stadtwerke Erfurt, Gera und Jena-Pößneck. In Cottbus soll es rückwirkend ab dem 1. Oktober eine stichtagsgenaue Berechnung geben. Der Berliner Versorger Gasag will den Kunden „garantieren, dass in den Rechnungen mit Leistungszeitraum ab Oktober 2022 auf jeden Fall der neue Umsatzsteuersatz berücksichtigt werden kann“.

Ausblick auf die Gaspreisbremse im Dezember 

Bereits im Dezember soll der Staat für die Verbraucher laut Kommissionsvorschlag eine Einmalzahlung auf Basis des Abschlags zum September-Verbrauch leisten. Der zeitliche Bezug zum Frühherbst soll verhindern, dass der Konsum im Winter extra hochgetrieben wird, um mehr Unterstützung zu erhalten. Möglichst ab März soll dann die eigentliche Preisbremse für Haushalte und kleine Firmen greifen: Für 80 Prozent des Verbrauchs aus dem September 2022 wird ein Grundkontingent zu 12 Cent je Kilowattstunde übernommen. Darüber hat der deutlich höhere vertragliche Arbeitspreis Bestand.

Wie genau sie dieses zweistufige Modell in ihre Abrechnungspraxis übertragen sollen, ist bei vielen Versorgern noch unklar - etwa in Mainz oder Leipzig. Teils wird ein nochmals erhöhter Aufwand erwartet. In Cottbus gibt man sich skeptisch: „Wir sehen derzeit noch keinen klaren Weg, wie das Ganze funktionieren soll.“ EnBW erklärte: „Sobald die Vorschläge konkret ausgestaltet und gesetzlich verankert sind, wird die EnBW diese in der Preisgestaltung berücksichtigen.“ (dpa)

echo24.de berichtet außerdem, was Kunden von EnBW bald zahlen müssen und ob das Wetter im November uns bereits zum starken Heizen zwingen wird, .

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