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Galeria Kaufhof: Filialen vor dem Aus – Studie und Insider geben Prognose

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Von: Dominik Jahn

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Bei Galeria Karstadt Kaufhof rückt die Entscheidung über einzelne Filialen und Standorte näher. Zahlen und Fakten einer Studie sollen schon jetzt zeigen, für welche Warenhäusern es eng wird.

Schlechter als jede Aldi-Filiale – eine derart düstere Analyse zur Lage von Galeria Karstadt Kaufhof gab es bereits Anfang November 2022 vom Wirtschaftswissenschaftler Gerrit Heinemann, wie echo24.de berichtet hat. Jetzt könnte eine Studie aus dem Jahr 2012 und Insider-Informationen Hinweise dazu geben, welche Galeria-Filialen schließen müssen.

Welche Standorte eine Chance haben, dazu wollten die Verantwortlichen im Insolvenzverfahren bisher nichts sagen. Allerdings steht fest, die Entscheidung soll noch in diesem Monat fallen. Dazu erklärte Galeria-Kaufhof-Sanierer Arndt Geiwitz Ende 2022: „Wir gehen davon aus, dass es im Laufe des Januars des kommenden Jahres Klarheit darüber geben wird.“

Studie analysiert alle Galeria-Filialen

Dem Ergebnis der Gespräche mit möglichen Investoren und Interessenten will jetzt die „Süddeutsche Zeitung“ vorgreifen. In einem Bericht über das insolvente Warenhaus wurde in einem Beitrag (Artikel hinter der Bezahlschranke) anhand einer Studie und eigenen Informationen eine Liste zu den Standorten und den Filialen erstellt. Sie soll zeigen, wo es weitergehen könnte und wo es besonders eng wird für Galeria Kaufhof.

Unternehmen:Galeria Kaufhof
CEO:Miguel Müllenbach
Gründung:1879, Stralsund
Gründer:Leonhard Tietz

In seinem Buch „Zukunft der Warenhausstandorte in Deutschland“ aus dem Jahr 2012, beschreibt der Wissenschaftler und Immobilienunternehmer Gerd Hessert eine Studie zu den damals noch etwa 196 Standorten von Galeria Kaufhof. Er analysierte dabei die Orte und Filialen nach betriebswirtschaftlicher Kennzeichnung und gab eine Prognose ab.

Insider gehen von 60 Filialen aus, die vor dem Aus stehen

Laut Hessert hätten Warenhäuser besonders in Städten unter 100.000 Einwohner kaum eine Zukunftsperspektive. Besser sieht es demnach noch in den Groß- und insbesondere den Millionenstädten aus. Auch Gerrit Heinemann, Professor für BWL, Management und Handel an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach, sieht es ähnlich. Wie echo24.de im November 2022 berichtet hat, hat er gegenüber einem Fachportal dazu eine klare Aussage getroffen: „Aktuelle Studien gehen von maximal 50 Warenhausstandorten aus – vornehmlich in Metropolen beziehungsweise Großstädten mit über 500.000 Einwohnern.“

Neben den Hessert-Erkenntnissen von 2012 stützt sich der „SZ“-Artikel auch auf Aussagen aus Unternehmenskreisen. Hier wurde von etwa 60 Filialen berichtet, die geschlossen werden sollen. Zusammen mit weiteren Recherchen der Zeitung und den Marktentwicklungen ergibt sich ein gutes Bild zu den Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof. Zudem, so heißt es, „sollen 40 Prozent der Kosten alleine am Sitz in Essen eingespart werden“. Damit könnten von den dort 1.200 Mitarbeitern bis zu 600 ihre Arbeit verlieren.

Diese Standorte von Galeria Kaufhof gelten als gesichert

Filialen, die dem Artikel zufolge als sehr gesichert gelten, zählen vor allem jene, die besonders erfolgreichen Galeria Kaufhof-Standorte und die, die zu den 22 Filialen gehören, welche sich im Besitz der Signa-Gruppe befinden. Dazu schrieb auch echo24.de bereits im Dezember 2022: „Auch Heilbronn darf sich Hoffnungen machen auf einen Weiterbetrieb von Galeria Kaufhof. Denn, so heißt es dazu, der Eigentümer, die Signa Holding ist noch an knapp 50 Warenhäusern als Miteigentümer beteiligt.“

Galeria-Filialen mit gutem Umsatz oder die im Besitz der Signa-Gruppe sind:

Die „SZ“ nennt als weitere Filialen von Galeria, die sich Hoffnungen machen können auf eine Fortführung: Erlangen, Karlsruhe oder Konstanz.

Filialen, die bereits 2020 auf der Streichliste standen

Mit dem erneuten Pleite-Schock bei Galeria Karstadt Kaufhof stehen natürlich besonders jene Standorte im Blickpunkt, die bereits 2020 auf einer Streichliste zu finden waren. Diese Filialen waren bereits 2020 auf der Liste:

Ein weiteres K.-o.-Kriterium für einzelne Standorte des Unternehmens könnten jetzt im aktuellen Insolvenzverfahren auch wieder die Doppel-Standorte sein. Laut dem Artikel sollen dann auch Filialen aus dem Signa-Eigentum keinen automatischen Schutz genießen. Dazu heißt es: „In Duisburg etwa stand die Filiale in der Düsseldorfer Straße dennoch zum Verkauf.“ Doppel-Standorte von Galeria sind: Darmstadt, Duisburg, Düsseldorf, Frankfurt, Freiburg, Heidelberg, Münster, Nürnberg, Regensburg, Saarbrücken, Trier, Wiesbaden und München.

Galeria Kaufhof: Komplizierte Situation in München

In der bayerischen Landeshauptstadt München ist die Lage laut der „Süddeutschen Zeitung“ etwas komplizierter. Das Geschäft zwischen Hauptbahnhof und Stachus gilt als eines der größten Warenhäuser in Europa, liegt aber sehr nah an weiteren Standorten der Signa-Gruppe in der Innenstadt. Und dennoch, so heißt es im Bericht, wird dies nicht als Doppel-Standort eingestuft.

Grundsätzlich werde aber auch in „kauftkraftstarken“ Städten wie München (fünf Filialen) die Stadtteil-Standorte auf den Prüfstand gestellt. Als gefährdet gilt dabei die Filiale im Olympia-Einkaufszentrum. Sie stand 2020 mit einem dicken Fragezeichen kurz vor der Schließung.

Stadt Berlin trifft viele Sondervereinbarungen mit der Warenhauskette

Auch in Berlin könnte es demnach etwas komplizierter werden. Insgesamt zehn Warenhäuser werden hier von Galeria betrieben. Aus der Zählung herausgenommen wird dabei das Kadewe. Besonders interessant wird es bei der Filiale in Tegel. Sie wurde erst im Oktober 2022 eröffnet.

Was laut „SZ“ weiter für Probleme sorgen wird, sind die zahlreichen Sondervereinbarungen, die mit dem Berliner Senat für Standorte getroffen wurden. In Charlottenburg gibt es damit eine Betriebs-Garantie, die bis 2023 zugesichert ist. Für Wedding wurde festgelegt, dass diese nach 2023 anderweitig genutzt werden soll.

Neues Konzept Galeria 2.0 seit Oktober 2022

Wie echo24.de bereits berichtet hatte, setzt man beim angeschlagenen Warenhaus-Unternehmen zudem auf ein neues Konzept. Gegenüber unserer Redaktion haben sich die Verantwortlichen zu Galeria 2.0 geäußert. Mit dem Konzept wurden seit Oktober 2022 die ersten rund zehn Galeria-Filialen im Rahmen der neu implementierten Strategie neu gestaltet.

Auch deren Zukunft könnte unter Umständen im Rahmen der aktuellen Verhandlungen nochmals geprüft werden. Die Verantwortlichen erklärten zur aktuellen Situation bei Galeria 2.0: „Es werde sich von Häusern zu trennen sein, die inzwischen aufgrund dieser neuen Bedingungen nicht mehr profitabel zu betreiben sind“. 

Unternehmen vermeldet wichtige Einigung zwischen Management und Betriebsrat

Als positive Meldung gab es von der Unternehmenskommunikation erst am Dienstag eine Nachricht über eine getroffene Einigung zwischen Galeria Management und dem Gesamtbetriebsrat. Einige wichtige Eckpunkte im Insolvenzverfahren wurden dabei festgelegt.

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