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9-Euro-Ticket in BW: Nach Gäubahn-Verbot - jetzt reagiert der Verkehrsminister

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Von: Nadja Pohr

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Gäubahn auf brücke
Nach Gäubahn-Verbot für 9-Euro-Ticket reagiert der Verkehrsminister. © Felix Kästle/dpa

Mit dem 9-Euro-Ticket kann ab 1. Juni durch ganz Deutschland gereist werden. In Baden-Württemberg galt das Ticket bisher nicht für Reisen in beliebte Gebiete.

Update vom 26. Mai: Geht doch! Zuletzt hatte es einige Unstimmigkeiten rund um das 9-Euro-Ticket in Baden-Württemberg gegeben. Die besonders bei Touristen beliebte Gäubahnstrecke zwischen Stuttgart und dem Bodensee war nicht für den Spar-Fahrschein vorgesehen. Die Planung stieß auf mächtig Unverständnis. Jetzt folgte die Reaktion der Minister.

In einer offiziellen Mitteilung des Landes Baden-Württemberg heißt es dazu: „Verkehrsminister Winfried Hermann und Thorsten Krenz, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für das Land Baden-Württemberg, haben sich am Mittwochnachmittag darauf verständig, dass das Neun-Euro-Ticket auch auf der Gäubahnstrecke zum Bodensee gilt.“

Beide Verantwortlichen erklärten dazu: „Wir sind sehr froh, dass wir im Sinne der Fahrgäste diese Lösung gefunden haben. Das Neun-Euro-Ticket gilt damit auch in den für den Nahverkehr zugelassenen Intercity-Zügen.“  Die touristisch beliebte Strecke von Stuttgart nach Singen gehört zu einer Reihe von Fernverkehrsstrecken in Deutschland, auf denen regulär Nahverkehrstickets gelten – und im Fall der Gäubahn nun auch das Neun-Euro-Ticket.

9-Euro-Ticket in Baden-Württembergs teils ungültig – „Vorprogrammierter Ärger“

Erstmeldung vom 24. Mai: Nachdem das 9-Euro-Ticket kurzzeitig auf der Kippe gestanden hatte, weil sich Bund und Länder um die Finanzierung stritten und sogar einige Verkehrsminister mit einem Stopp drohten, hat der Bundesrat dem Sonderticket nun jedoch endgültig zugestimmt. Ab dem 1. Juni können Bürger vergünstigt quer durch Deutschland fahren.

In Stuttgart hat der Vorverkauf für das 9-Euro-Ticket bereits vor wenigen Wochen begonnen. Eine erste Zwischenbilanz zeigt, dass das Sonderangebot bei den Bürgern in der Region durchaus gefragt ist. 23.000 Menschen haben sich das Ticket laut der Stuttgarter Straßenbahn AG schon gekauft. Unklar ist derweil jedoch noch, ob man damit auch zum Bodensee fahren kann. Das Ticket gilt bisher nämlich noch nicht für die beliebte Gäubahn-Strecke, berichtet BW24.

Gäubahn: Sonderregelung verhindert Gültigkeit des 9-Euro-Tickets

Die Gäubahn gilt als wichtigste Bahnverbindung zwischen der Region Stuttgart und den Touristengebieten am westlichen Bodensee, im Südschwarzwald sowie in der Schweiz und in den Alpen. Eine Sonderregelung, die Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) mit der Bahn vor fünf Jahren ausgehandelt hatte, steht dem 9-Euro-Ticket nun im Weg.

Auf der Strecke fahren seit 2017 Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn. Vom Land Baden-Württemberg werden sie allerdings als Nahverkehr bezuschusst, wodurch Fahrgäste auch mit Nahverkehrstickets einsteigen dürfen, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten. Damit handelt es sich um eine Grauzone für das 9-Euro-Ticket, denn dieses darf lediglich für den Nahverkehr genutzt werden. In der App der Deutschen Bahn wird für die Gäubahnzüge bereits darauf hingewiesen, dass Nahverkehrstickets anerkannt werden, das 9-Euro-Ticket jedoch nicht.

Experten befürchten, dass 9-Euro-Ticket großen Ärger provozieren wird

Wenn die Gäubahn aus dem Geltungsbereich des 9-Euro-Tickets falle, könne es zu großem Ärger und Problemen kommen, befürchten Experten. Matthias Gastel, Bahnexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, sagte, er wolle dann „angesichts des vorprogrammierten Ärgers nicht in der Haut derer stecken, die für die DB die Fahrkarten kontrollieren müssen“. Es werde außerdem schwierig, den Kunden zu vermitteln, warum das Sonderticket für die Gäubahn nicht gelte, äußerte Stefan Frey, Referent für Umwelt und Verkehr beim Landesnaturschutzverband.

Der Fahrgastverband PRO BAHN Baden-Württemberg äußerte bereits gegenüber BW24, dass das 9-Euro-Ticket mehr Schaden, als Nutzen bringe. Der Vorsitzende Matthias Lieb ist gegen die Freigabe der Strecke. Vor allem am Wochenende wären die Züge dann von 9-Euro-Fahrgästen überfüllt und Fernverkehrskunden mit Sitzplatzreservierungen hätten keine Chance mehr, warnt er. „Die Leute sollten das 9-Euro-Ticket nicht auf weiten Strecken, sondern lieber im regionalen Bereich und beim Busfahren ausprobieren“, sagt Matthias Lieb. Eine endgültige Entscheidung steht allerdings noch aus - das Land und die Bahn seien weiterhin Verhandlungen, sagte ein Sprecher des Landesverkehrsministeriums.

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