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Medikamenten-Mangel in Baden-Württemberg: Auch Fiebersaft für Kinder knapp

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Von: Tobias Becker

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In der Erkältungszeit ist Fiebersaft für Kinder ein wichtiges Medikament für Eltern. Doch es herrscht ein Medikamenten-Mangel durch Lieferengpässe. Auch Nurofen ist knapp.

Baden-Württemberg hat ein Medikamenten-Problem! Denn gerade in der Zeit, in der in Heilbronn und anderen Regionen Krankheiten wie das RS-Virus ihre Kreise ziehen, kommen die Menschen teilweise nicht mehr an Medikamente, die sie seit Jahren kennen. Ein prominentes Beispiel: Nurofen, ein Fiebersaft für Kinder.

Medikamenten-Mangel in Baden-Württemberg: Fiebersaft für Kinder ist wichtig für Eltern

Wenn die Kleinen krank sind und hohes Fieber haben, sind auch hartgesottene Eltern schnell in der Apotheke und fragen nach einem fiebersenkenden Medikament. Sehr bekannt ist Nurofen, das es in unterschiedlichen Geschmäckern gibt. Der „Fiebersaft“ senkt nicht nur die hohen Temperaturen, sondern lindert auch Schmerzen und wirkt entzündungshemmend. Als Mittel während einer Erkrankung mit dem RS-Virus ist es bei vielen Eltern beliebt, um das Fieber der Kinder rasch zu senken.

Für viele Eltern zählt Nurofen sogar zum Bestand der Hausapotheke. Doch wenn die Flasche Fiebersaft mal leer ist, ist der Gang in die nahegelegene Apotheke unumgänglich. Dort kann es derzeit den Schock geben: Es gibt kein Nurofen mehr! Dabei liegt zu Hause das Kind mit 39,7 Fieber, hat Schmerzen und der Fiebersaft könnte helfen. Doch warum wird Nurofen derzeit zur Nullnummer?

Medikamenten-Mangel in BW: „Es ist ein Zustand, der sich fortschreitend verschlechtert!“

„Wir sprechen grundsätzlich über Lieferengpässe. Da gibt es zahlreiche Beispiele, aber fiebersenkende Säfte für Kinder sind ein prominentes Beispiel“, sagt Frank Eickmann, stellvertretender Geschäftsführer und Pressesprecher des Landesapothekenverbandes Baden-Württemberg, gegenüber echo24.de. Die Gründe dafür sind vielfältig, hängen aber meist mit den Inhalts- und Wirkstoffen zusammen – und sind nicht unbedingt neu.

Bereits in den vergangenen Monaten war schon der Wirkstoff Paracetamol knapp, inzwischen gehört auch Ibuprofen dazu. Für Experten war das wohl absehbar. So erklärt Eickmann: „Es ist ein Zustand, der sich fortschreitend verschlechtert. Wir beklagen das seit 15 Jahren, dass wir in bestimmten Bereichen Engpässe haben. Wir sprechen ja nicht einzig über Kindersäfte, es geht auch um Antibiotika, Schmerzmittel, Impfstoffe oder Asthmasprays und mehr.“

Das größte Problem: Die Wirkstoffe kommen nicht mehr aus Deutschland und kaum noch aus Europa, sondern meist aus Indien oder China. Betroffen sind auch nicht einzelne Medikamente, sondern viele Bereiche. Der Medikamenten-Mangel betrifft laut einer Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rund 300 Arzneimittel. Die Dunkelziffer ist noch höher, zumal auf der Liste nur verschreibungspflichtige Medikamente stehen.

Medikamenten-Mangel in Baden-Württemberg: Warnung vor Klopapier-Mentalität

Apothekern sind die Hände gebunden und dennoch rudern sie, um aus dem Lieferengpass keinen Versorgungsengpass werden zu lassen. Eine Möglichkeit: Baugleiche Medikamente. Das geht bei vielen Medikamenten, so dass zwar ein anderer Name darauf steht, aber dieselben Inhaltsstoffe darin stecken. Bei Fiebersaft für Kinder scheint es nicht so leicht zu sein, denn: Es gibt kaum Alternativen – Eickmann: „Wir haben die Möglichkeit statt eines Saftes ein Zäpfchen zu geben, aber das ist nicht optimal.“

So bleibt Eltern nur eins übrig: Hoffen, dass es den gewünschten Kindersaft gibt. Dennoch rät der Vize-Chef des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg nicht zu Hamsterkäufen. Eickmann gegenüber echo24.de: „Durch die vielen Meldungen zum Mangel kommt die Klopapier-Mentalität hervor. Das ist verständlich, aber aktuell nicht sinnvoll, da es eben Lieferengpässe gibt.“ Oder anders gesagt: Auf Vorrat kaufen geht nur dann, wenn der Vorrat vorhanden ist.

Doch aufgrund der hohen Nachfrage werden die Lieferengpässe teils noch verschlimmert. Das RS-Virus und die ohnehin herrschende Krankheitszeit, gegen die auch kaum die üblichen Hausmittel helfen, sorgen dafür, dass an allen Ecken und Enden Medikamente benötigt werden.

Medikamenten-Mangel in BW: Apotheken brauchen Zeit – Ruhe bewahren

„In einem Industriestaat wie Deutschland nicht zu erklären, dass solche Standardmedikamente nicht ausreichend vorhanden sind“, so Frank Eickmann zu echo24.de. Die Gefahren und Ursachen kennt er zur Genüge und Lösungen? Ansätze gibt es wohl bereits in der Politik, die das Problem erkannt haben soll. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach forderte zuletzt rasche Hilfe für überlastete Kinderkliniken.

Eine andere Lösung ist Zeit. Das gilt vor allem für planbare Medikationen - Eickmann: „Wenn ich Patient in Dauermedikation bin, sollte ich mich rechtzeitig beim Arzt melden. Nicht bis zur vorletzten Tablette warten, sondern bis zu zwei Wochen vorher das Rezept holen und in die Apotheke bringen.“ Bei Fiebersaft für Kinder ist es schwieriger, wegen der fehlenden Planbarkeit. Aber auch da hat Eickmann einen Tipp: „Ruhe bewahren. Apotheken machen alles, um die Versorgung sicherzustellen.“

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