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Strompreis-Erhöhung und Gas-Umlage: Hilft jetzt das AKW Neckarwestheim?

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Von: Tobias Becker

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Die Strom- und Gaspreise steigen und dir Energiekrise droht im Winter. Stimmen nach der Verlängerung des AKW Neckarwestheim werden laut, aber ist das eine Lösung?

Was passiert in diesem Winter? Viele Menschen in Heilbronn und Baden-Württemberg stellen sich diese Frage aktuell. Der Grund: Die Energiekrise droht! Für private Haushalte bedeutet das, die Sparflamme anzuwerfen, wo es möglich ist. Medien titelten bereits, das Wohnungen nicht mehr beheizt werden könnten. Städte wie Stuttgart treten auf die Energie-Bremse. Und in der Politik sowie an Stammtischen wird über eine mögliche Verlängerung der Atomkraftwerke wie Neckarwestheim 2 gesprochen. Doch ist das eine Lösung?

NameKernkraftwerk Neckarwestheim
InhaberEnBW Energie Baden-Württemberg GmbH
BetreiberEnBW Kernkraft GmbH
BundeslandBaden-Württemberg
Stillegung2011 (GKN 1) und 2022 (GKN 2)

AKW Neckarwestheim als Lösung: Gründe für die Energiekrise und hohen Preise

Die Angst vor dem Winter ist nicht unbegründet, dennoch aber vielleicht zu sehr geschürt worden. Der Krieg in der Ukraine und die erfolgte Abkapselung vom russischen Gas, die noch im Gange ist, sorgen für weitere Sorgen und Engpässe. Die gestiegenen Preise auf dem Markt für Strom, Gas und Öl machen den Lieferketten sowie Energie-Konzernen zu schaffen und so hat beispielsweise der baden-württembergische Energie-Riese EnBW bereits deutlich höhere Strompreise angekündigt.

Doch der Strompreis-Hammer trifft den Verbraucher doppelt hart, denn zum einen zahlen Verbraucher teils mehr, während manch Unternehmen sich die Tasche voll macht. Zum anderen sorgen die Mega-Inflation und der anstehende Herbst mit seinen möglichen Corona-Einschränkungen für weiteres Unwohlsein. Und das sind nur einige der Geschehnisse, die es den Menschen im Land kaum möglich machen, sich auf den Winter zu freuen.

Wolken ziehen über das Kernkraftwerk Neckarwestheim. Als letztes Atomkraftwerk in Baden-Württemberg und eines der letzten in Deutschland soll der Meiler Neckarwestheim II im Landkreis Heilbronn bis Ende des Jahres vom Netz.
AKW/GKN Neckarwestheim: Angesichts der drohenden Energiekrise wird eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke in Deutschland diskutiert. © picture alliance/dpa | Christoph Schmidt

Strompreis-Erhöhung und Gas-Umlage: AKW-Verlängerung eine Alternative?

Die Atomkraftwerke scheinen aus diesem Grund eine willkommene Alternative. Vor Jahren verschrien, jetzt plötzlich der letzte Strohhalm? In der Politik und auch in Baden-Württemberg wird darüber heiß diskutiert., wie echo24.de bereits berichtete. Zuletzt haben sogar Bundeskanzler Olaf Scholz und auch die Grünen die Option zumindest nicht verneint, wie in verschiedene Medien berichteten. Aktuell laufen noch drei AKWs: Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim 2.

Letzteres liegt rund zehn Kilometer südlich von Heilbronn entfernt, direkt am Neckar. Warum nun darüber diskutiert wird, lässt sich einfach in Zahlen belegen. So schreibt Inhaber EnBW, dass im vergangenen Jahr (2021) rund 11,2 Milliarden Kilowattstunden Strom von der Anlage in Neckarwestheim produziert wurden. Das würde mehr als die Hälfte des Strombedarfs in privaten Haushalten abdecken, insgesamt sogar ein Sechstel des gesamten Stromverbrauchs in Baden-Württemberg.

Energiekrise in BaWü: AKW Neckarwestheim scheint lukrativ, aber...

Ende der Diskussion? Bei weitem nicht, denn das AKW in Neckarwestheim hochzufahren, um die Strompreis-Erhöhung von EnBW und Co. zu umgehen, scheint zwar auf den ersten Blick lukrativ. Ein genauerer Blick wirft jedoch Fragen auf wie: Ist es wirklich so einfach mit der Verlängerung? Die gewonnene Energie ist vielleicht günstig, allerdings sind der Bau und die Instandhaltung des AKW Neckarwestheim nicht nur gefährlich, sondern auch teuer.

Die Frage der Endlagerung ist weiterhin nicht geklärt. Schiffe, die mit Atommüll über den Neckar schippern, die Umweltverschmutzung und wenn überhaupt, wie lange funktioniert das AKW mit den aktuellen Brennelemente überhaupt noch? „Bislang geht man, wenn überhaupt, nur von wenigen Monaten aus“, erklärt Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg angesprochen auf die Verlängerung gegenüber echo24.de.

Wolken ziehen über das Kernkraftwerk Neckarwestheim. Als letztes Atomkraftwerk in Baden-Württemberg und eines der letzten in Deutschland soll der Meiler Neckarwestheim II im Landkreis Heilbronn bis Ende des Jahres vom Netz.
AKW/GKN Neckarwestheim: Angesichts der drohenden Energiekrise wird eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke in Deutschland diskutiert. © picture alliance/dpa | Christoph Schmidt

Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zu Neckarwestheim: „Wir müssen unsere Energie anders erzeugen.“

Ein Streckbetrieb also, der nur bedingt hilft. Die klare Aussage von Bauer, der im Fachbereich „Bauen, Wohnen, Energie“ tätig ist: „Wir müssen unsere Energie anders erzeugen.“ Das das nicht einfach wird und möglicherweise zu kurzzeitigen Engpässen führt, ist klar. Bauer: „Wir sind immer auf der großen Strom- und Gasautobahn gefahren. Das war zum Teil billiger, aber jetzt kommt die Rechnung dafür.“

Er sieht das Problem vor allem in der Möglichkeit überhaupt weiterzumachen mit dem AKW. Bauer: „Auch die Versorger sagen, sie haben alles angerichtet für den Ausstieg. Da wurden Spezialisten umgeschult oder teilweise in Vorruhestand geschickt. Es ist mehr als fraglich, ob man das Personal wiederbekommt.“ Und was sagt EnBW?

AKW Neckarwestheim als Lösung der Energiekrise? Das sagt die EnBW dazu

Bereits im Mai hat EnBW-Chef Frank Mastiaux betont, dass der Energie-Riese aus Karlsruhe, der vor zwölf Jahren noch fünf AKWs am Netz hatte (Neckarwestheim 1 und 2, Obrigheim, Philippsburg 1 und 2), zum Atomausstieg stehe - trotz der Entwicklungen in Osteuropa. Aber: Schon damals hieß es, man werde „alle Optionen ergebnisoffen“ prüfen, wie ARD berichtete.

Anfang August dann folgende Aussage im Handelsblatt: „Wir stünden für einen solchen befristeten Weiterbetrieb bereit, wenn er gewollt ist.“ Und nur wenige Tage später, als EnBW die Halbjahresbilanz veröffentlichte, erklärte Finanzvorstand Thomas Kusterer: „Ich glaube, das ist eine politische Entscheidung, und da warten wir einfach mal, wie die getroffen wird.“ Eine langfristige Lösung sind AKWs jedoch wohl nicht.

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