Herstellungskosten für kleine Betriebe extrem

Teures Eis: Zwei Euro pro Kugel – darum ist das nicht ungewöhnlich

KINA - Kostbare Vanille
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Eis wird immer teurer: Zwei Euro pro Kugel - darum ist das nicht ungewöhnlich.
  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
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Preise für Speiseeis steigen: Kunden müssen eine wichtige Entscheidung treffen in diesem Sommer.

Endlich Frühling. Endlich machen die Eisdielen wieder auf. Doch gerade für zahlreiche Familien mit Kindern folgt beim Bezahlen der Eispreis-Schock. Zwei Euro pro Kugel sind keine Seltenheit mehr. In ganz Deutschland schnellen die Kosten für die kalte Süßspeise in die Höhe. Aber ist es wirklich so extrem? Sind die Preise gerechtfertigt?

Schon 2017 gingen die Preise für eine Kugel Eis nach oben. Die Wirtschaftszeitschrift Capital schrieb dazu in einem Bericht: „Heute zahlt man in Metropolen wie Berlin, München, Frankfurt schnell 1,50 Euro. Also rund das Zehnfache von anno dazumal“. Gemeint sind die D-Mark-Zeiten in der Eis für 30 Pfennig (15 Cent) zu haben war.

Preis für Eiskugel steigt weiter: Zwei Euro-Marke fällt

Aus der Landeshauptstadt Baden-Württemberg kommen Berichte über Eisdielen, bei denen seit einigen Tagen in Stuttgart* erstmals zwei Euro für die Eiskugel verlangt werden. So schreibt die Stuttgarter Nachrichten über die Preis-Probleme der Eisdielen-Besitzer. Die Rohstoffpreise seien „exorbitant nach oben gegangen“. Einzelne Komponenten könne man zwar ersetzen, heißt es in dem Artikel, aber „Johannisbrotkernmehl brauche man nun mal für die Bindung“.

Eine Aussage, die unter dem Strich für alle bleibt, die sich über ihre Preisliste fürs Eis Gedanken machen: „Alles wird teurer, und auf ein Eis kann man als Erstes verzichten.“ Viele Optionen haben die Besitzer nicht. Und darum geht die Eiskugel-Preisskala in Stuttgart aktuell von 1,20 Euro über 1,50 Euro bis rauf auf zwei Euro.

Inhaber haben große Probleme: Kosten für Eisherstellung extrem erhöht

Sicher ist auch hier die aktuelle Lage im Ukraine-Krieg* inzwischen spürbar. Neben den extrem hohen Spritpreisen* sind eben auch die Energiekosten gestiegen – Gas und Strom werden immer teurer*. Einige Eisdielen, wird im Beitrag der Stuttgarter Nachrichten deutlich, beziehen eben auch viele Rohstoffe aus Italien. Die Transportkosten erhöhen sich in der aktuellen Situation immer weiter.

Eine Eisdielen-Inhaberin erklärt hierzu, dass der Waffellieferant habe ihr geraten, möglichst viel Ware zu bestellen und einzulagern: „Der Weizen kommt aus der Ukraine und es kann sein, dass es im Sommer gar keine Waffeln mehr gibt.“ Für die meisten wird sich dem Text zur Folge in diesem Sommer wohl eine „Mischkalkulation“ durchsetzen. Heißt: Alle Sorten kosten gleich.

Steigende Eispreise: Experten erklären Hintergründe der Kosten

Auch die Experten der Union der italienischen Speiseeishersteller (UNITEIS) blicken mit Sorge auf die Kosten-Entwicklung und besonders auch auf die Sichtweise der Bevölkerung. Was man nicht vergessen dürfe, sei die Lagerung und Herstellung von Eis. Für kleine Unternehmen ist dies zudem noch immer echtes Handwerk.

UNITEIS erklärt dazu: „Eismacher sind extrem abhängig von den Strompreisen. Die Produktion braucht ebenso Strom, wie auch die Lagerung und der Verkauf – der Stromverbrauch in einer Eisdiele ist nicht niedrig.“ Eis sei in Bezug auf den Preis zudem zu betrachten, wie ein normales Lebensmittel. Es ergibt sich ein „Endpreis aus einer Betriebskalkulation“.

Heißt, auch die Lage spielt immer eine Rolle. Die Laden-Miete in München sei eben anders mit einzuberechnen, als die Miete in einem kleinen Dorf auf dem Land. Dazu kommen Faktoren wie Personal, eine mögliche Außenterrasse und eine tägliche Produktion.

Hoffen auf mehr Verständnis: Preise für Eiskugeln oft ein Muss

Interessant ist in diesem Zusammenhang sicher auch das Kaufverhalten vieler Kunden. Ein Eis am Stiel der Marke Magnum wird mal eben schnell und ohne mit der Wimper zu zucken für rund 2,40 Euro bei 60 Gramm mitgenommen. Bei einem handwerklich hergestelltem Eis mit guten Zutaten und entsprechender Qualität, wobei eine Kugel auf etwa 90 Gramm kommt, kommen den Leuten dann aber Zweifel.

Auch die immer größer werden Vielfalt und die damit verbundenen aufwendigen Herstellungen der Eissorten spielt laut UNITEIS sicher eine Rolle: „Früher gab es acht Sorten wie unter anderem Vanille, Schokolade und Zitrone. Jetzt gibt es Papaya oder Mango, veganes Eis und vieles mehr.“ Die Nachfrage bestimmt eben das Angebot. Wer bestimmte Sorten möchte und immer neue Eiskreationen sucht, der muss für das Handwerk Geld liegen lassen.

Nach den Jahren der Pandemie sind zudem zahlreiche Eisdielen von der Existenz bedroht und müssen dazu jetzt noch die steigenden Herstellungskosten decken. Die Union der italienischen Speiseeishersteller hofft auf das Verständnis der Menschen: „Die kleinen Betriebe müssen eben auch in dem finanziellen Rad mitlaufen.“ *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.