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Rekord-Anzahl an Mogelpackungen gemeldet – „Verbraucher hinters Licht führen“

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Von: Fabian Pieper

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Im Zuge der Inflation haben viele Hersteller die Preise ihrer Produkte angehoben. Häufig geschieht das aber nicht transparent: Es gibt immer mehr Mogelpackungen.

Das Jahr 2022 war ein Jahr der Inflation: Durch die Energiekrise, ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit verbundenen Import-Stopps für Gas und Öl, verteuerte sich das Leben in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt teils erheblich. Bei zwischenzeitlich mehr als zehn Prozent Inflationsrate zogen viele Hersteller die Preise ihrer Produkte teils kräftig an, berichtet kreiszeitung.de.

Doch nicht immer wird an der offensichtlichen Preisschraube gedreht, um die höheren Kosten bei der Produktion wieder reinzuholen. „Shrinkflation“ nennt sich das Phänomen, bei dem nicht der Preis des Produktes steigt, sondern die Verpackungsgröße und damit die Füllmenge sinkt. „Shrinkflation“ ist ein Kofferwort aus dem englischen Wort „to shrink“ (deutsch: „schrumpfen“) und Inflation.

Verbraucherschützer kritisieren versteckte Preiserhöhungen und Mogelpackungen

Das ist für den Verbraucher jedoch problematisch, da eine kleinere Packungsgröße oftmals nicht direkt auffällt. Der Kunde merkt mitunter gar nicht, dass das Produkt damit teurer geworden ist. Kein Wunder, dass Hersteller häufig statt zur Preiserhöhung zur kleineren Packung greifen.

Die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) behält diese Entwicklung genau im Auge. Sie sammelt Beschwerden von Verbrauchern über Preissteigerungen. Demnach seien in den Monaten August, September und Oktober 2022 mehr als 700 Beschwerden über kleinere Packungsgrößen bei gleichbleibendem Preis bei der Zentrale eingegangen. Die Dunkelziffer könnte hoch sein, vermutet VZHH-Experte Armin Valet: „Was bei uns ankommt und erfasst wird, ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.“

Auf Basis der Einsendungen erstellt die Hamburger Verbraucherzentrale einmal im Jahr eine Liste mit fünf besonders dreisten Fällen von versteckter Preiserhöhung. Sie lässt die Verbraucher anschließend im Internet darüber abstimmen, wer den zweifelhaften Titel „Mogelpackung des Jahres“ erhält. Im Jahr 2022 haben sich diese fünf Produkte laut Ansicht der Verbraucherschützer besonders hervorgetan:

Mogelpackung des Jahres 2022: Das sind die Kandidaten

Abstimmen können Verbraucher über die Webseite der Verbraucherzentrale Hamburg bis zum 22. Januar 2023. Das Ergebnis soll am 23. Januar bekanntgegeben werden. Ihre Stimme können Sie HIER abgeben.

Verbraucherschützer kritisieren Praktiken der Hersteller und sehen die Politik in der Pflicht

Die Verbraucherschützer kritisieren die Geschäftspraktiken der Hersteller: „Die derzeitigen Gesetze geben Unternehmen viel Freiraum, um Verbraucherinnen und Verbraucher hinters Licht zu führen“, sagt Valet. In anderen Nationen – etwa in Brasilien – sei das anders: Dort müssen Hersteller auf den Verpackungen über neue Füllmengen und Verpackungsgrößen informieren sowie die alte und die neue Füllmenge samt prozentuale Schrumpfung angeben. Und das für mindestens sechs Monate nach der Anpassung.

Valet fordert konkrete rechtliche Vorgaben für die Reduzierung der Füllmengen und sieht die Politik in der Pflicht. Zudem plädiert er für strengere Regeln bezüglich des Luftanteils von Verpackungen: „Packungen müssen grundsätzlich voll befüllt sein.“

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