Besonders Rehe sind häufig in Unfälle verwickelt

Gefahr für Autofahrer: Wildunfälle drohen nach Zeitumstellung – richtig verhalten

  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
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Die Zeitumstellung bringt Gefahren für Autofahrer und Wildtiere mit sich: Experten geben Tipps für den Umgang mit Unfällen.

Am 27. März ist Zeitumstellung in Deutschland. Es stellt sich aber nicht nur die Frage: Wie muss ich nochmal die Uhr umstellen? Vor oder zurück? Es stellt sich auch die Frage, wie kommen Mensch und Tier mit der Umstellung zurecht? Gerade der veränderte Biorhythmus der Tiere birgt im Straßenverkehr Gefahren für Autofahrer. Die Wildunfälle häufen sich.

Also nicht nur der Herbst liefert mit dem Jahreszeitenwechsel durchaus tödliche Gefahren für Autofahrer und Tiere. Auch im Frühling ist Vorsicht geboten. Auswertungen haben laut Deutschem Jagdverband (DJV) gezeigt, dass im April und Mai besonders viele Wildtiere auf der Straße sterben. Experten erklären, worauf man jetzt achten muss.

Wildunfälle nach Zeitumstellung: Probleme mit Berufsverkehr

Rehe, Hirsche und Wildschweine verhalten sich mit Beginn der Sommerzeit eigentlich nicht anders als sonst. Das Problem ist die zeitliche Veränderung des Berufsverkehrs. Mit der Zeitumstellung fällt demnach „der morgendliche Berufsverkehr wieder in die Dämmerung. Da viele Tiere dämmerungsaktiv sind, lauern hier Gefahren für Mensch und Tier“

Die größte Gefahr einer Kollision besteht laut Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) dabei mit Rehen. Sie sind im Frühjahr extrem aktiv und auf Futtersuche unterwegs. Außerdem sind zahlreiche Wildschweingruppen mit ihren Frischlingen auf Tour. Straßen sind ihnen dabei komplett egal. Sie kreuzen sie häufig und kollidieren mit Autos oder Motorrädern. Die Fachleute machen klar: die Gefahr von Wildunfällen nimmt nach der Zeitumstellung zu.

Mit Zeitumstellung: Jagdverband nennt dramatische Zahlen zu Wildunfällen

Der DJV sieht‘s genauso. In einem offiziellen Statement dazu heißt es: „Mit die gefährlichsten Monate für Wildtiere und Autofahrer gleichermaßen sind April und Mai. Dann kommt es zu besonders vielen Zusammenstößen auf Straßen, vor allem zwischen 6 und 8 Uhr morgens“. Trauriger Unfall-Spitzenreiter ist das Reh.

Was Autofahrer jetzt beachten müssen: Nach der Zeitumstellung drohen mehr Kollisionen mit Wildtieren.

Dem Bericht zur Folge ist es in knapp der Hälfte aller Wildunfälle verwickelt: „Feldhasen und Kaninchen machen zusammen 10 Prozent der Kollisionen aus. Ebenso häufig ist insgesamt die Gruppe kleinerer Säuger wie Igel, Marder oder Hauskatze betroffen“. Grundlage der Daten sind über 22.000 Fälle aus dem Tierfund-Kataster, die Verkehrsteilnehmer vom 1. April 2020 bis 16. März 2022 gemeldet haben.

Wildunfälle: Rehe besonders gefährdet in den Morgenstunden

Die Zeit von April bis Mai ist für Rehe am tödlichsten. Wie die Statistik des DJV zeigt, sterben fast ein Viertel alle Rehe um die Zeitumstellung herum. Kritische Tagesphasen sind in beiden Monaten von 6 bis 7 Uhr - im Mai kommt demnach noch 21 bis 22 Uhr dazu.

Rehe leben als Pflanzenfresser im Winter im Sparmodus, im Frühjahr sind sie daher verstärkt auf Futtersuche. Optimal ist für die Wildtiere dabei der Schutz der Dämmerung. Doch genau hier liegt das Problem: „Die Zeitumstellung ist für viele Menschen wie ein Mini-Jetlag: Sie schlafen schlecht, es fällt ihnen schwer, sich zu konzentrieren - und dann fällt plötzlich auch noch der Berufsverkehr von einem Tag auf den anderen wieder in die Dämmerung“.

Tipps bei Wildunfällen: So verhindern Autofahrer die Kollision

Die Experten des ADAC und DJV klären auf, wie Autofahrer Wildunfälle gerade nach der Zeitumstellung vermeiden können oder eine Unfallstelle sichern müssen. Entscheidend ist vorausschauendes Fahren und erhöhtes Gefahrenbewusstsein. Die Tiere überqueren Straßen besonders häufig „in Waldabschnitten und an Feldrändern“ - vor allem in den Abend- und frühen Morgenstunden während der Dämmerung. Also: Runter vom Gas und bremsbereit bleiben.

Die Tiere überqueren Straßen besonders häufig in Waldabschnitten und an Feldrändern. Autofahrer müssen bremsbereit sein.

Ein großes Problem ist, dass Wildtiere „die Geschwindigkeit von Autos nicht einschätzen und warten nicht am Fahrbahnrand, bis Sie vorbeigefahren sind“. Wenn Autofahrer ein Tier am Straßenrand erkennen, sollten sie unverzüglich langsamer werden. Das Fernlicht muss ausgeschaltet werden, um das Tier nicht zu blenden - sonst bleibt es stehen. Zusätzlich auf die Hupe drücken hilft auch.

Wildunfall: So müssen Autofahrer reagieren

Wichtig: Alle Experten raten Autofahrern im Falle einer unvermeidlichen Kollision mit dem Wildtier auf keinen Fall auszuweichen. Damit würde sich die Gefahr für sich und andere nur erhöhen. Außerdem immer darauf achten, dass die Tiere meist nicht alleine unterwegs sind.

  • Wildunfall vermeiden:
  • Wer Tiere am Straßenrand entdeckt: Abblenden, Hupen, Bremsen
  • Autofahrer sollten stets mit weiteren Tieren rechnen
  • Gefahr droht besonders in der Dämmerung: Tempo runter in Waldgebieten und an Feldrändern
  • Was tun nach einem Wildunfall:
  • Unfallstelle sichern: Warnblinkanlage anschalten, Warnweste anziehen, Warndreieck
  • Nach dem Unfall die Polizei anrufen
  • Sollten lebende Tiere vor Ort sein - Abstand halten
  • Das Wildtier nicht mitnehmen - gilt als Wilderei
  • Sollte das Tier flüchten, nicht folgen. Die Fluchtrichtung aber mit angeben
  • Den Wildunfall unbedingt von Jäger und Polizei für die Versicherung bestätigen lassen.

Während das Reh besonders im Frühjahr nach der Umstellung auf die Sommerzeit bei den Wildunfällen mit Autofahrern betroffen ist, stoßen Wildschwein, Dam- und Rothirsch laut Jagdverband „in den Herbstmonaten besonders häufig mit Fahrzeugen zusammen“.  Insgesamt kommen die meisten Wildtiere auf Landstraßen zu Tode.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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