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Das Aus für einige Hunderassen? Gesetzesänderung 2022 hat Folgen für Züchter

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Von: Christina Eppel

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Ein Unbekannter hat seinen Schäferhund auf einen Quadfahrer und dessen Begleiter gehetzt. (Symbolfoto)
Hunderassen wie Bulldoggen, Mopse oder auch Schäferhunde werden zu den sogenannten „Qualzuchten“ gezählt. (Symbolbild) © Arno Burgi/dpa

Schnarchen, Röcheln, kaputte Hüften – manche Hunderassen sind dafür bekannt, sogenannte „Qualzucht“-Merkmale hervorzubringen. Ist damit jetzt endgültig Schluss?

Wer in Deutschland einen Hund hat oder darüber nachdenkt, sich einen anzuschaffen, muss derzeit immer mehr Regeln beachten. Denn die Bundesregierung hat die Tierschutz-Hundeverordnung angepasst, um den Tieren in deutschen Haushalten ein besseres Leben zu verschaffen. So schreibt die Novelle der Hundeverordnung beispielsweise neue Gassi-Regeln vor, aber auch für Züchter und Käufer von Rassehunden gibt es neue Richtlinien.

Denn Hunde mit sogenannten „Qualzucht“-Merkmalen wie Röcheln, tränenden Augen oder kaputten Gelenken, dürfen jetzt nicht mehr ausgestellt werden. Explizit heißt es in dem Gesetzestext: „Es ist verboten, Hunde auszustellen oder Ausstellungen mit Hunden zu veranstalten, bei denen Körperteile, insbesondere Ohren oder Rute, tierschutzwidrig vollständig oder teilweise amputiert worden sind.“

Tierschutz-Hundeverordnung: Wird es einige Hunderassen durch strenge Regeln bald nicht mehr geben?

Es ist verboten, Hunde auszustellen oder Ausstellungen mit Hunden zu veranstalten,

1. bei denen Körperteile, insbesondere Ohren oder Rute, tierschutzwidrig vollständig oder teilweise amputiert worden sind oder

2. bei denen erblich bedingt

a) Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten,

b) mit Leiden verbundene Verhaltensstörungen auftreten,

c) jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen bei ihnen selbst oder einem Artgenossen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt oder

d) die Haltung nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden möglich ist oder zu Schäden führt.

Satz 1 gilt entsprechend für sonstige Veranstaltungen, bei denen Hunde verglichen, geprüft oder sonst beurteilt werden.

Außerdem heißt es weiter: „Es ist verboten, Hunde auszustellen oder Ausstellungen mit Hunden zu veranstalten, bei denen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.“ Hier sind Rassen wie Mopse, französische Bulldoggen oder Deutsche Schäferhunde gemeint, aber auch Dackel oder gar Hunde mit speziellen Fellfärbungen, die durch Genveränderungen herbeigeführt werden und ursprünglich nicht als Fellfarbe einer bestimmten Rasse aufgetaucht sind.

Diese Richtlinie bedeutet allerdings noch nicht, dass die Zucht der Tiere mit diesen Merkmalen in Deutschland verboten ist. Stattdessen werden die Hunde „nur“ von Zuchtausstellungen, Zuchtleistungsprüfungen und Hundesportveranstaltungen ausgeschlossen. Der Haken: Ohne Zuchtausstellungen oder Zuchtleistungsprüfungen kann mit diesen Tieren allerdings nicht mehr mit Papieren gezüchtet werden, da sie ohne diese Ausstellungen oder Prüfungen nicht zur Zucht zugelassen werden können.

Wie Jörg Bartscherer, der Geschäftsführer des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH e.V.) gegenüber echo24.de erklärt, sind demnach nicht gleich ganze Rassen von der Zucht ausgeschlossen, sondern immer nur einzelne Hunde mit den entsprechenden Merkmalen.

Das Aus für manche Hunderassen? Neue Regel zur Zucht – das sagen Tierschützer

Bartscherer erläuterte hierzu, jeder Hund müsse vor seiner Zuchtzulassung bestimmte Tests durchlaufen. Ein Mops oder eine französische Bulldogge müsse demnach beispielsweise ein Belastungs-EKG am Laufband absolvieren. Außerdem seien schnarchende oder röchelnde Tiere nicht zuchtfähig und somit die Weitergabe ihrer Gene verboten.

Die Tierschutzorganisation PETA findet diese Regelung in der Novelle in der Tierschutz-Hundeverordnung unzureichend. Auf ihrer Homepage schreibt PETA: „Das Ergebnis fiel unter Bundesministerin Julia Klöckner jedoch enttäuschend: So bleibe […] die Vermehrung von Tieren, die unter den angezüchteten körperlichen Merkmalen gesundheitlich leiden, sogenannte Qualzucht, [erlaubt].“ Der Schutz von Hunden und Katzen vor dem illegalen Handel sei dagegen gar nicht angegangen worden.

Mit dem Ausstellungsverbot sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan, um allerdings das tägliche Leiden der Tiere nicht nur „in kleinen Schritten zu verbessern, sondern endgültig zu beenden“, sei ein Zuchtstopp für diese Hunderassen nötig.

Kauf von Rassehunden: Diese Merkmale müssen beim Hundekauf stimmen

Dennoch ist VDH-Geschäftsführer Bartscherer der Meinung, die Zucht bestimmter Hunderassen komplett zu verbieten, sei falsch. Somit fördere man gerade den von PETA angesprochenen Handel mit diesen Tieren „unter der Hand“ von unseriösen Züchtern oder aus dem Ausland. Er rät stattdessen potenziellen Käufern von Rassehunden, sich vor dem Kauf intensiv mit dem Züchter auseinanderzusetzen.

Wichtig sei demnach, die Elterntiere vor Ort anzuschauen und unbedingt auch die Lebensumstände und Verhaltensweisen der Welpen genau unter die Lupe zu nehmen. Außerdem rät Bartscherer zu Geduld: Ein schnell verfügbarer Hund sei immer mit Vorsicht zu genießen – beim seriösen Züchter müsse man im Normalfall lange auf einen Welpen warten, wenn die Muttertiere nicht nur als Geburtenmaschinen missbraucht werden. Unter allen Umständen sei es allerdings zu vermeiden, einen Hund oder ein anderes Haustier aus dem Ausland oder auf einer Raststätte aus dem Auto herauszukaufen.

Übrigens: Zusätzlich zur Tierschutz-Hundeverordnung könnte besonders in Baden-Württemberg bald der Hundeführerschein dazu beitragen, dem „besten Freund des Menschen“ in vielen Familien ein besseres Leben zu ermöglichen. Der Sachkundenachweis soll künftig Pflicht für jeden Hundebesitzer in Südwesten werden. Tierschutzorganisationen wie PETA fordern den Hundeführerschein schon seit Jahren.

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