1. echo24
  2. Leben
  3. Verbraucher

Medikamente in Apotheken knapp: Die Gründe für den Engpass

Erstellt:

Von: Tobias Becker

Kommentare

Gerade in der Krankheitszeit brauchen viele Menschen Medikamente aus der Apotheke. Aber: Genau dort herrscht derzeit ein Mangel, denn viele Arzneimittel sind nicht ausreichend vorhanden.

In Baden-Württemberg herrscht Erkältungszeit. Nach zwei Jahren des Coronavirus mischen nun auch wieder die üblichen Krankheiten mit. Von Influenza bis RS-Virus sind Erwachsene und Kinder betroffen. Das RS-Virus ist sogar so verbreitet, dass es für überfüllte Kinderkliniken sorgt. Doch es kommt noch schlimmer: In Apotheken fehlen Medikamente. Doch warum? Wo liegt das Problem, dass es in Deutschland zu Lieferengpässen für Medikamente kommt?

BundeslandBaden-Württemberg
LandeshauptstadtStuttgart
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann
Bevölkerung11,07 Mio.

Medikamenten-Mangel in Baden-Württemberg: Viele Bereiche betroffen

So fehlt es beispielsweise an Fiebersaft für Kinder, wie Nurofen, der in vielen Haushälten auf Vorrat vorhanden ist. Wenn es damit aber knapp wird, haben Eltern aktuell häufig Pech. Doch der Medikamenten-Mangel betrifft nicht nur den Fiebersaft für Kinder. „Es geht auch um Antibiotika, Schmerzmittel, Impfstoffe oder Asthmasprays und mehr“, erklärte Frank Eickmann, stellvertretender Geschäftsführer und Pressesprecher des Landesapothekenverbandes Baden-Württemberg, bereits gegenüber echo24.de.

Insgesamt sind laut einer Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rund 300 Arzneimittel betroffen - Dunkelziffer unbekannt.

Die Frage ist nur: Warum gibt es den in Deutschlands Apotheken derzeit zu wenig Medikamente? Ein Grund dafür, ist die Herkunft der Wirkstoffe, die kaum noch in Deutschland und Europa, Antibiotika beispielsweise gar nicht mehr, hergestellt werden. „Die Wirkstoffe sind das Herzstück des Medikaments. Sie kommen meistens aus China oder Indien“, erklärt Eickmann. Heißt auch: Deutschland ist in gewissem Grad abhängig von China und Indien, wenn es um Medikamente geht.

Medikamenten-Mangel: Das sind die Hintergründe

Das bedeutet, dass Baden-Württemberg, Deutschland, aber auch andere EU-Staaten abhängig vom Geschehen auf dem Weltmarkt sind. Der Lockdown in China, Logistik-Probleme, aber auch die Preispolitik können ebenfalls Auswirkungen haben. Dazu gehört auch, dass in Deutschland Medikamente bezahlbar und wenn möglich kostengünstig bleiben sollen. „Darum hat das Gesundheitsministerium verschiedene Regelungen gegen zu hohe Preise entwickelt“, heißt es auf der Homepage des Bundesgesundheitsministerium beispielweise.

Das Problem dabei: Wenn nur eine bestimmte Menge an Medikamenten von Herstellern vorhanden ist, Land A aber mehr zahlt als Land B, dann wird auf dem Markt häufig die größere Menge eher nach Land A gebracht. Oder zumindest Land A bei der Lieferung bevorzugt. Der Umsatz entscheidet. „Die Arzneimittel werden zwar für den deutschen Markt hergestellt, aber erreichen ihn oft nicht“, so Eickmann.

Zwischenhändler bringen die Medikamente dann in andere Länder. Experte Eickmann gegenüber echo24.de: „Deutschland ist Low-Budget-Land im Arzneimittelpreis. Weil bei uns hochpreisige Arzneimittel von den Krankenkassen übernommen werden, müssen viele Medikamente billiger sein.“ Doch der Preis ist nicht das alleinige Problem. Auch die Masse der benötigten Medikamente spielt eine Rolle.

Medikamenten-Mangel in Apotheken: Zu hohe Nachfrage

In immer mehr Ländern auf der Welt gibt es eine bessere Versorgung an Medikamenten und die Gesundheitssysteme entwickeln sich. An sich ein gutes Zeichen für den Fortschritt und es bleibt zu hoffen, dass auch in den Ländern, in denen das noch nicht der Fall ist, Besserung ansteht. Aber: Es werden nun auch viel mehr Medikamente benötigt. Ein weiterer, möglicher Grund für Lieferengpässe in Deutschland. Die Liste an Problemen bei der Medikamenten-Beschaffung ist lang und wird durch das Kaufverhalten nochmals verstärkt.

Das RS-Virus, gegen das man Kinder auch teilweise schützen kann, und die ohnehin herrschende Krankheitszeit, gegen die auch kaum die üblichen Hausmittel helfen, wie die Wunderknolle Ingwer, sorgen für eine hohe Nachfrage, die von den Apotheken nur schwer gedeckt werden kann. Und so stecken auch die Apotheken in Baden-Württemberg in der Zwickmühle, wollen sie doch Lösungen im Sinne der Kunden finden.

„Man versucht alles, denn Apotheken haben kein Interesse daran, Produkte nicht abzugeben. Es geht hier nicht um Schuhe, die in einer Größe nicht vorhanden sind, sondern zum Teil um lebenswichtige Arzneimittel“, sagt Frank Eickmann vom Landesapothekenverbandes Baden-Württemberg gegenüber echo24.de.

Medikamenten-Mangel: Apotheken haben „gewissen Spielraum“

Gut, dass in vielen Fällen ein „gewisser Spielraum“ vorhanden ist für die Apotheken. Heißt: Baugleiche Medikamente können, wenn sie vorhanden sind, als Ersatz dienen. Das geht allerdings nicht immer. Dennoch hofft Eickmann, dass die Menschen im Land weiterhin mit viel Vertrauen in die Apotheken gehen und ihnen vor allem eins lassen: Zeit.

Eickmann: „Apotheken machen alles, um die Versorgung sicher zu stellen, aber wir brauchen Zeit.“ Planbare Medikationen sollten mit ausreichend Vorlauf bestellt werden, nicht erst bei der letzten Tablette. Akute Fälle kann man gemeinsam lösen, wenn auch die Kunden etwas Geduld mitbringen.

Auch interessant

Kommentare