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Aldi und Lidl werfen Marken raus – Discounter bleiben auf Waren sitzen

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Von: Julian Kaiser

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Lidl und Aldi wenden sich von Markenprodukten ab und fokussieren sich stärker auf ihre Eigenmarken. Das hat Folgen für die Kunden und den Umsatz.

Kunden, die bei den Discountern Lidl und Aldi regelmäßig einkaufen, werden die klaffenden Lücken in zahlreichen Regalen wohl schon bemerkt haben. Während bei Aldi vorwiegend Nestlé-Produkte fehlen, waren bei Lidl unter anderem Produkte von Danone oder Henkel kaum oder gar nicht verfügbar. Wie die Lebensmittelzeitung (LZ) berichtet, verschwinden neuerdings immer mehr Handelsmarken aus den Sortimenten – die Gründe sind vielfältig, wie RUHR24 berichtet.

InflationTeuerung, Geldentwertung
InflationsrateIn Prozent ausgedrückt
Aktuell7,9 % (Stand: August 2022, Quelle: Inflationsrate.com)

Aldi und Lidl nehmen Markenprodukte teilweise aus dem Sortiment – Lücken in den Regalen

Verbraucher haben es momentan wahrlich nicht leicht. Neben den explodierenden Energiepreisen macht sich auch die Inflation auf dem Kassenbeleg und in der Haushaltsplanung bemerkbar. Das spüren auch die Supermärkte und Discounter, die wegen der gestiegenen Preissensibilität der Kundschaft teilweise auf ihren Markenprodukten sitzen bleiben.

Kein Wunder also, dass Rewe, Aldi und Lidl ihre Eigen- beziehungsweise Handelsmarken immer stärker in den Fokus rücken – sei es wegen der höheren Gewinnmarge oder wegen der zuletzt angekündigten Veränderungen der Rezeptur.

Einzelhändler setzen immer stärker auf Eigenmarken und stellen „Markenangebot grundsätzlich in Frage“

Die Alternative zu Markenprodukten ist für die beiden Top-Discounter ohnehin verlockend. Zwar sind die Preise für Eigenmarken zuletzt teilweise deutlicher angestiegen als bei Markenartikeln, doch wie die LZ berichtet, sei das Preisniveau weiterhin deutlich niedriger.

So habe aufgrund der jüngsten Entwicklungen gar „ein Umdenken eingesetzt“. Und die Folge ist drastisch: Schließlich seien die Unternehmen mittlerweile dabei, „ihr Markenangebot grundsätzlich infrage“ zu stellen, berichten Markeninsider.

Lieferschwierigkeiten, Auslistungen, Konflikte mit Herstellern – Regallücken haben Gründe

Der um eine zweistellige Prozentzahl gestiegene Eigenmarken-Umsatz in einigen europäischen Ländern wird die großen Handelsketten in ihrem Umdenken sicherlich bestärken. Dass immer mehr Werbung für Eigenmarken geschaltet und die Angebotspalette dahingehend stetig erweitert wird, ist ein klares Indiz für den Trend weg von Marken- und hin zu den lukrativeren Handelsartikeln.

Für die Entwicklung gäbe es eindeutige Gründe: Neben den allseits bekannten Lieferschwierigkeiten der Produzenten oder der Auslistung einzelner Artikel aus dem Sortiment, seien laut der LZ vor allem „Konflikte in den Verhandlungen mit Herstellern nach Preiserhöhungen“ ausschlaggebend.

Einzelhändler machen sich vor Krisenwinter Sorgen um die Kaufbereitschaft ihrer Kunden

Denn dass Lidl und Aldi auf den immer teurer gewordenen Markenprodukten sitzenbleiben, sorgte zuletzt für Zündstoff. Mit ihrer Forderung nach längerfristigen Preisgarantien hätten Aldi und Lidl gegenüber den Herstellern keinen Erfolg gehabt.

Schließlich sei vor dem anstehenden harten Winter, trotz diverser Entlastungspakete durch den Staat, davon auszugehen, dass die Kundschaft preissensibler und Markenartikel zu echten Ladenhütern werden könnten. Entsprechend würden die Einzelhändler mit Argusaugen auf die teuren Markenprodukte schauen und sogar erwägen, einige von ihnen aus dem Sortiment auszulisten, so die LZ weiter.

Handelsmarken sorgen bei Aldi und Lidl für Umsatz – Vollsortimenter gucken in die Röhre

Welche Produkte von dieser drastischen Maßnahme betroffen sein könnten, steht aber noch nicht fest. Mit dem verstärkten Fokus auf ihre Handelsmarken könnten Aldi und Lidl gegenüber Vollsortimentern wie Kaufland oder Rewe einen Vorteil haben, um die aktuellen Krisenzeiten zu meistern.

Die Zahlen dürften Aldi und Lidl in ihrer Abkehr von Markenprodukten hin zu Eigenmarken-Artikeln sicherlich bestärken. Schließlich seien die Discounter mit ihrem wachsenden Angebot an Handelsmarken laut Consumer-Index der GfK, dem größten deutschen Marktforschungsinstitut, „mit 9 Prozent im Plus im Vergleich zum Vorjahr“, berichtet die LZ.

Die Entwicklung von Aldi Süd und Lidl seien gar im zweistelligen Prozentbereich. Demgegenüber haben es die Vollsortimenter eher schwer. Ihr Umsatzwachstum erreichte laut der LZ im Juli „nur ein leichtes Plus“.

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