Vorratsplan stößt auf Kritik

Aldi: „Krieg oder soziale Unruhen“ – Discounter macht sich für Ernstfall bereit

Die Corona-Krise hat gezeigt, dass in Supermärkten und Discountern die Lebensmittel-Regale leer werden können. Deshalb plant Aldi eine Vorrats-Strategie, die aber nicht jedem gefällt:

Das erste Jahr der Corona-Krise hat gezeigt, wie schnell Chaos in Supermärkten, Discountern und Drogerien ausbrechen kann. Überall waren Regale leer und Produkte wie Mehl, Nudeln oder Toilettenpapier wurden zum heiligen Gut der Kunden. Die Geschäfte sahen sich deshalb gezwungen, die Verkaufsmenge pro Kunde zu begrenzen. Teilweise gelten solche Maßnahmen noch heute.

Der Discounter-Riese Aldi geht nun aber noch einen Schritt weiter und erstellt eine Art „Notfall“-Plan. Dieser sorgt aber sowohl bei seinen Lieferanten als auch bei den Käufern für jede Menge Ärger.

DiscounterAldi
SitzEssen
GründerKarl Albrecht, Theo Albrecht

Aldi: Produzenten sollen mehr Vorräte lagern – wenn Pandemie, Krieg oder soziale Unruhen ausbrechen

Aldi fordert seine Produkthersteller dazu auf, Vorräte in Krisenzeiten zu garantieren. Produzenten seien verpflichtet, zwischen 130 und 150 Prozent der Waren an Aldi zu liefern, wenn die Kundennachfrage aufgrund äußerer Umstände plötzlich steigt. In einem Schreiben von Aldi, das der Lebensmittelzeitung vorliegt, heißt es: „Als solche Umstände gelten insbesondere Pandemie, Krieg oder soziale Unruhen.“ Darüber berichtet auch Merkur*. Der Discounter möchte, dass „Lieferanten für den Krisenfall bei besonders kritischen Artikeln in bestimmten Warengruppen einen gewissen Vorrat vorhalten.“

Allerdings stößt dieser Vorratsplan in Krisenzeiten auf jede Menge Kritik. Lieferanten können die Entscheidung von Aldi nicht nachvollziehen. Im Interview mit der Lebensmittelzeitung sagt ein Lieferant: „Wir tun alles, was wir können, um den Handel zu beliefern und haben das auch im vergangenen Jahr gut geschafft.“ Aldi versucht die Hersteller und Lieferanten zu beschwichtigen. Es solle durch die „Bevorratung keine unangemessenen Benachteiligungen entstehen.“ Allerdings soll Aldi auf Schadensersatz pochen, wenn Anbieter nicht die geforderte Menge zusätzlich bringen können. Grundlage der Berechnung für die Krisenlieferungen sollen die Vormonate sein.

Aldi will mehr Vorräte im Krisenfall – Kunden sind entsetzt

Aldi-Kunden sehen der Vorratsstrategie sehr misstrauisch entgegen, wie HEIDELBERG24* berichtet. Auf Facebook schreiben viele Fans des Discounters ihre Meinung zu diesem Thema. Was dabei auffällt – es sind fast ausschließlich negative Kommentare. Unter anderem heißt es:

  • Also Aldi ist lustig. Jetzt sollen die Hersteller einlagern? Warum tut Aldi das nicht selbst?
  • Dafür werden dann die Hersteller gezwungen mehr herzustellen und bleiben auf dem Produkt letztendlich sitzen wenn der „Ernstfall“ nicht eintritt. Die wollen ihre Ware eh immer schon haben bevor es produziert wird und so frisch wie möglich
  • Hört endlich mit der Pankmache auf das ist wie mit dem Toiletten Papier es ist genug da
  • KRIEEEEEEEGE! Ich hoffe alle haben es verstanden.

Und tatsächlich lässt sich am Ende die Frage stellen: Warum muss eine extreme Vorratsplanung her, wenn es doch die ganze Zeit hieß, dass immer ausreichend Lebensmittel und Produkte vorhanden seien? Lediglich Hamsterkäufe sollten vermieden werden.

Aldi sowie andere Discounter und Supermärkte bieten künftig Covid-Schnelltests an. Kunden sich können zu Hause auf das Coronavirus testen lassen. Das Produkt soll zwischen fünf und zehn Euro kosten. Zunächst prüft aber das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte nicht nur das technische Funktionieren von Tests, sondern auch, ob der Test sicher von Privatpersonen angewendet werden kann. Dazu gehört unter anderem auch eine verständliche Bedienungsanleitung. (jol) *HEIDELBERG24 und Merkur sind Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Sebastian Gollnow

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